Den werd ich Mores lehren

Kategorie: Redewendungen

Den werd ich Mores lehren

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Den werd ich Mores lehren" stammt aus dem Rotwelschen, der historischen Geheimsprache von fahrenden Händlern und sozialen Randgruppen. Das Wort "Mores" leitet sich dabei nicht vom lateinischen "mos, moris" (Sitte, Brauch) ab, wie oft fälschlich angenommen, sondern ist ein entstelltes hebräisches Wort. Es geht auf "mōrāh" (מוֹרָה) zurück, was "Furcht" oder "Schrecken" bedeutet. In der Gaunersprache des 18. Jahrhunderts etablierte sich der Ausdruck "Mores haben" für "Angst haben". Wer also jemandem "Mores lehrt", bringt ihm bei, Furcht zu haben – nämlich vor einem selbst. Die Phrase taucht schriftlich gesichert in Texten des 19. Jahrhunderts auf und beschreibt stets die Absicht, einem unbotmäßigen Gegenüber mit Nachdruck Manieren oder Respekt beizubringen.

Bedeutungsanalyse

Im übertragenen Sinn droht man damit, einer Person eine deutliche Lektion zu erteilen, sie zurechtzuweisen oder ihr unmissverständlich die Grenzen aufzuzeigen. Es ist eine Redensart der Konfrontation. Wörtlich genommen bedeutet "Mores lehren" jedoch nicht, einfach nur Benimmregeln zu vermitteln. Wie die Herkunft zeigt, steckt darin die viel härtere Ansage, jemandem Angst einzuflößen oder ihn gefügig zu machen. Ein typisches Missverständnis ist die Verbindung zum lateinischen "mores", was zu einer harmloseren Interpretation als "Sitten lehren" führen kann. Die ursprüngliche Bedeutung ist aber deutlich drohender und mit einem Machtgefälle verbunden: Der Sprecher positioniert sich als überlegen und durchsetzungsstark.

Relevanz heute

Die Redewendung ist auch in der modernen Umgangssprache durchaus noch lebendig, hat aber deutlich an Schärfe verloren. Sie wird heute selten als ernsthafte Drohung verwendet, sondern eher im scherzhaft-übertreibenden Tonfall. Man hört sie, wenn jemand etwa einem frechen Computer oder einem störrischen Gartenwerkzeug "Mores lehren" will. In zwischenmenschlichen Kontexten klingt sie oft nach altertümlicher Strenge und wird daher manchmal bewusst humorvoll oder selbstironisch eingesetzt, um Entschlossenheit zu signalisieren, ohne wirklich Gewalt anzudrohen. Ihre Relevanz liegt heute mehr im bildhaften, emotionalen Ausdruck von Ärger und dem Vorsatz, eine Situation zu bereinigen, als in einer wörtlichen Ankündigung von Züchtigung.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung eignet sich für informelle, mündliche Situationen, in denen man seinen Unmut mit einem gewissen Nachdruck, aber nicht unbedingt bösartig kundtun möchte. In einem lockeren Vortrag oder in einer geselligen Runde kann sie pointiert wirken.

Vermeiden sollten Sie den Ausdruck in formellen Schreiben, offiziellen Beschwerden oder in einer Trauerrede, da er dort zu salopp und unpassend wäre. Auch in ernsten Konflikten ist er aufgrund seines historischen Untertons der Einschüchterung wenig förderlich.

Gelungene Beispiele für den heutigen Gebrauch sind:

  • "Der neue Kollege versucht ständig, die Abläufe zu umgehen. Dem werd ich aber mal ganz schnell Mores lehren!" (Hier zeigt sich entschlossene Absicht, aber im beruflichen Kontext eher metaphorisch gemeint.)
  • "Mein Drucker spielt wieder nicht mit. Gleich lehre ich dem Gerät Mores!" (Scherzhafte Anwendung auf ein technisches Objekt.)
  • In einer Elternrede auf einer Familienfeier: "Als Teenager war ich etwas wild, aber mein Vater hat mir dann ganz sanft Mores beigebracht." (Selbstironische und verharmlosende Nutzung.)

Für welche Anlässe ist sie besonders geeignet? Ideal ist die Redensart in narrativen, persönlichen Erzählungen, in denen man eine Anekdote mit etwas Biss und altmodischem Charme würzt. Sie funktioniert gut, um in gesprochener Sprache eine entschlossene Haltung zu karikieren, ohne dabei wirklich bedrohlich wirken zu wollen.

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