Den schwarzen Peter zugeschoben bekommen
Kategorie: Redewendungen
Den schwarzen Peter zugeschoben bekommen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "den schwarzen Peter zugeschoben bekommen" stammt direkt aus dem Kartenspiel "Schwarzer Peter", das seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland populär ist. In diesem Spiel erhält eine Karte, meist der "Pik-Bube", eine besondere Rolle: Wer sie am Ende in der Hand hält, hat verloren. Die erste schriftliche Belegung der Redewendung im übertragenen Sinn findet sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie tauchte in politischen und gesellschaftlichen Kommentaren auf, wo beschrieben wurde, wie unliebsame Aufgaben oder Schuld einem anderen zugeschoben wurden – ganz so, wie man im Spiel versucht, die unglückselige Karte loszuwerden. Der "Peter" selbst ist vermutlich eine Verballhornung des französischen "père" (Vater) oder eine Anspielung auf den Räuberhauptmann in der Kindergeschichte "Struwwelpeter".
Bedeutungsanalyse
Wörtlich beschreibt die Redewendung die Aktion aus dem Kartenspiel: Jemandem wird die verlierbringende Karte, der Schwarze Peter, zugeschoben. In der übertragenen Bedeutung heißt das, dass man eine unangenehme Aufgabe, eine unbegründete Schuld oder eine unpopuläre Verantwortung aufgedrängt bekommt, die eigentlich ein anderer tragen müsste. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine gerechtfertigte Zuweisung. Das ist nicht der Fall. Im Kern steckt immer ein unfaires oder listiges Manöver. Der "schwarze Peter" ist kein einfacher Auftrag, sondern ein Makel, ein Risiko oder eine Bürde, von der sich der Zuschieber elegant befreien will. Kurz gesagt: Sie beschreibt das Opfer eines geschickten Schuld- oder Problemtransfers.
Relevanz heute
Die Redewendung ist heute so lebendig wie eh und je, weil das von ihr beschriebene menschliche und strategische Verhalten zeitlos ist. Sie wird in nahezu allen Bereichen verwendet, in denen Verantwortung und Schuld eine Rolle spielen. In der Politik ist sie ein Standardbegriff, wenn es um gescheiterte Projekte oder Skandale geht. In Unternehmen hört man sie, wenn nach einem Misserfolg nach dem Sündenbock gesucht wird. Selbst im privaten Umfeld, etwa bei der Verteilung lästiger Pflichten im Haushalt oder in der Familie, kommt sie zum Einsatz. Die Digitalisierung und anonymere Kommunikationswege haben das "Zuschieben" sogar erleichtert, womit die Metapher eine ungeahnte Aktualität behält. Sie schlägt somit perfekt die Brücke von einem alten Kartenspiel zu modernen zwischenmenschlichen Dynamiken.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie ein unfaires Vorgehen beschreiben möchten, ohne allzu aggressiv zu wirken. Sie bringt Kritik auf eine bildhafte, fast schon spielerische Weise zum Ausdruck.
In einem lockeren Vortrag oder Meeting können Sie sagen: "Nach der Präsentation hatte ich plötzlich den schwarzen Peter für das gescheiterte Projekt zugeschoben bekommen, obwohl die Entscheidung im Team getroffen wurde." In einem Kommentar oder einer Kolumne passt sie ebenso gut: "Die Regierungsparteien versuchen sich gegenseitig den schwarzen Peter für die Haushaltslücke zuzuschieben."
Vorsicht ist in sehr formellen oder feierlichen Anlässen geboten. In einer Trauerrede oder einer offiziellen Ehrenrede wirkt sie zu salopp und zu sehr mit der Idee von Schuld behaftet. In solchen Kontexten wählen Sie besser direktere Formulierungen wie "unerwünschte Verantwortung tragen müssen". Im alltäglichen Gespräch, in journalistischen Texten oder in gesellschaftskritischen Diskussionen ist sie jedoch ein präzises und allgemein verständliches Stilmittel, um strategische Schuldzuweisungen auf den Punkt zu bringen.
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