Den Hals nicht voll kriegen

Kategorie: Redewendungen

Den Hals nicht voll kriegen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "den Hals nicht voll kriegen" stammt aus der bildhaften Sprache des Mittelalters und ist eng mit der Vorstellung von Gier und Maßlosigkeit verbunden. Der "Hals" steht hier nicht für das Körperteil, sondern pars pro toto für den Schlund, die Gurgel oder den gesamten Verdauungstrakt als gefräßiges, unersättliches Organ. Historische Belege finden sich in Texten, die unmäßiges Essen und Trinken kritisieren. Die Vorstellung, dass jemand einen "vollen Hals" bekommt, also satt wird, kehrt die Wendung ins Negative: Man ist nicht in der Lage, satt zu werden, egal wie viel man sich einverleibt. Diese drastische körperliche Metapher wurde früh auf andere Bereiche der Habsucht und Unersättlichkeit übertragen.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung die Unfähigkeit, satt zu werden – der Hals scheint ein bodenloses Fass zu sein. Im übertragenen, heute fast ausschließlich gebräuchlichen Sinn charakterisiert sie eine Person, die niemals zufrieden ist, immer mehr haben will und in ihrer Gier kein Maß kennt. Es geht um Habgier, Neid oder auch um ein unstillbares Verlangen nach Anerkennung oder Erfolg. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die Redewendung auf rein körperlichen Hunger oder Durst zu beziehen. Während das bildlich mitschwingt, bezieht sie sich fast immer auf charakterliche Maßlosigkeit. Kurz gesagt: Jemand, der "den Hals nicht voll kriegt", ist unersättlich und gierig, sei es nach Geld, Besitz, Aufmerksamkeit oder Macht.

Relevanz heute

Die Redewendung ist nach wie vor hochaktuell und wird häufig verwendet. Ihre Relevanz speist sich gerade aus ihrer Anpassungsfähigkeit an moderne Formen der Gier. Man hört sie im kritischen Gespräch über skrupellose Geschäftemacher, im politischen Kontext bei der Beschreibung von Machthungrigen oder auch im alltäglichen Miteinander, wenn jemand ständig die größte Portion, das neueste Gadget oder die meiste Anerkennung einfordert. In einer konsumorientierten und auf stetes Wachstum getrimmten Gesellschaft trifft das Bild der Unersättlichkeit einen Nerv. Die Wendung schlägt somit eine direkte Brücke von altertümlicher Derbheit zu zeitgenössischen Phänomenen wie Raffsucht oder dem Streben nach grenzenlosem Mehr.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung ist kräftig und bildhaft, daher eignet sie sich besonders für lebhafte, mündliche Kommunikation und weniger für förmliche Schreiben. Sie passt gut in lockere Vorträge, pointierte Kommentare oder deutliche Standpauken im privaten und beruflichen Umfeld. In einer Trauerrede oder einer offiziellen Ansprache wäre sie hingegen zu salopp und zu hart. Verwenden Sie sie, um in einem Gespräch überspitzt Kritik an maßlosem Verhalten zu üben.

Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Bei den Gehaltsverhandlungen war er einfach nicht zufriedenzustellen – der kriegt den Hals einfach nicht voll!"
  • "Egal wie viele Komplimente sie bekommt, sie will immer mehr. Manchmal habe ich das Gefühl, sie kriegt den Hals nicht voll."
  • "Die Kritik an dem Konzern läuft darauf hinaus, dass er den Hals nicht voll kriegt und immer noch höhere Profite will, koste es, was es wolle."

Der Ausdruck ist ideal, um in geselliger Runde über einen gemeinsamen Bekannten zu lästern oder in einem journalistischen Kommentar eine scharfe Spitze zu setzen. Achten Sie darauf, dass Ihr Gegenüber die derbe Bildsprache nicht als zu beleidigend empfindet.

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