Das Wasser läuft ihm im Munde zusammen

Kategorie: Redewendungen

Das Wasser läuft ihm im Munde zusammen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Das Wasser läuft ihm im Munde zusammen" ist eine der ältesten und bildhaftesten Formulierungen der deutschen Sprache. Ihre Wurzeln reichen bis in die Antike zurück. Bereits der römische Dichter Horaz (65-8 v. Chr.) beschrieb in seinen "Satiren" das Phänomen des Speichelflusses beim Anblick von Leckereien. Die direkte Vorlage für den deutschen Ausdruck findet sich jedoch im Mittelalter. In der berühmten "Sachsenspiegel"-Glosse aus dem 13. Jahrhundert heißt es wörtlich: "daz im daz wazzer zu munde loufet". Dies bezieht sich auf die natürliche, körperliche Reaktion beim Anblick oder beim Gedanken an besonders appetitliche Speisen. Die Redensart ist somit keine willkürliche Erfindung, sondern eine präzise Beobachtung der menschlichen Physiologie, die sich über Jahrhunderte in der Sprache verankert hat.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen beschreibt die Redewendung den physiologischen Vorgang der gesteigerten Speichelproduktion, die durch den Anblick, Geruch oder auch nur die Vorstellung von köstlichem Essen ausgelöst wird. Im übertragenen Sinne bedeutet sie heute, dass jemand ein sehr starkes Verlangen nach etwas verspürt. Dies muss nicht zwingend auf Essen beschränkt sein, sondern kann sich auf jeden begehrenswerten Gegenstand oder eine verlockende Situation beziehen, etwa ein neues Auto, eine Urlaubsreise oder einen beruflichen Aufstieg. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine Redensart des Neids. Das ist nicht korrekt. Im Kern geht es um das pure, oft kindlich-unverhohlene Begehren und die Vorfreude, nicht um Missgunst. Kurz gesagt: Jemand kann etwas kaum erwarten und findet es unwiderstehlich anziehend.

Relevanz heute

Die Redewendung hat keinerlei an Aktualität eingebüßt. Sie wird nach wie vor in allen Generationen und nahezu allen Kontexten verwendet, in denen starke Begierde ausgedrückt werden soll. Ihre Lebendigkeit beweist sie besonders in der Werbesprache, in Kochshows oder Restaurantkritiken, wo sie gezielt eingesetzt wird, um Appetit und Vorfreude zu wecken. Auch im digitalen Zeitalter hat sie ihren Platz gefunden, etwa in Social-Media-Kommentaren unter Fotos von Gourmetgerichten ("Bei dem Anblick läuft mir gleich das Wasser im Munde zusammen!"). Ihre zeitlose Gültigkeit verdankt sie der universellen Erfahrung, die sie beschreibt: die unmittelbare, körperlich spürbare Reaktion auf etwas Verlockendes. Sie schlägt somit eine direkte Brücke von der mittelalterlichen Beobachtung zu unseren modernen, oft visuell stimulierten Gelüsten.

Praktische Verwendbarkeit

Die Wendung ist ausgesprochen vielseitig, aber ihr Tonfall ist stets positiv, persönlich und von unmittelbarer Begeisterung geprägt. Sie eignet sich hervorragend für lockere Gespräche unter Freunden, in Familien, in geselligen Runden oder in informellen Vorträgen, etwa wenn ein Hobbykoch sein neues Rezept vorstellt. In einer Trauerrede oder einem offiziellen diplomatischen Schreiben wäre sie aufgrund ihrer saloppen und sinnlichen Anmutung hingegen fehl am Platze. Sie ist nicht hart oder flapsig, sondern eher charmant und anschaulich. Gelungene Beispiele für ihren Einsatz sind:

  • "Als die Kellnerin die Dessertkarte brachte, lief meinem Sohn das Wasser im Munde zusammen."
  • "Bei der Vorstellung des neuen Sportwagens lief es allen Autofans im Saal im Munde zusammen."
  • "Ich sehe mir immer Food-Blogs vor dem Abendessen an – da läuft einem doch sofort das Wasser im Munde zusammen!"

Für Schriftsteller, Blogger oder Werbetexter ist sie ein wertvolles Stilmittel, um beim Publikum eine konkrete, emotionale und körperliche Reaktion zu assoziieren. Sie ist die perfekte Wahl, wenn Sie lebendig und bildhaft eine Situation der Vorfreude und des Verlangens schildern möchten.

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