Das schlägt dem Fass den Boden aus
Kategorie: Redewendungen
Das schlägt dem Fass den Boden aus
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Das schlägt dem Fass den Boden aus" stammt aus der handwerklichen Welt der Küfer oder Böttcher, die Fässer aus Holzdauben herstellen. Der Boden eines solchen Fasses wird von außen in eine dafür vorgesehene Nut eingeschlagen und hält dadurch den Inhalt zurück. Wenn dieser Boden ausgeschlagen wird, ist das Fass völlig unbrauchbar und der gesamte Inhalt läuft unkontrolliert aus. Dieser handfeste, materielle Schaden bildet die Grundlage für die bildhafte Übertragung. Schriftlich belegt ist die Redensart bereits im 16. Jahrhundert. Ein früher Beleg findet sich in den "Sprichwörtern" von Johannes Agricola aus dem Jahr 1529, wo es in einer Sammlung volkstümlicher Ausdrücke auftaucht. Der Kontext war stets der einer ultimativen Grenzüberschreitung, die jede Toleranz sprengt.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich beschreibt die Redewendung die Zerstörung eines Gefäßes: Der letzte, entscheidende Schlag treibt den Boden aus der Fassung, sodass alles entweicht. Übertragen bedeutet sie, dass eine Handlung oder ein Ereignis das Maß des Erträglichen, Zumutbaren oder auch nur des Vorstellbaren endgültig übersteigt. Es ist der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – nur noch deutlich drastischer und endgültiger. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Verwechslung mit der "Krone" oder dem "Gipfel" einer Sache. Während "das ist die Krönung" oft ironisch eine Spitze der Unverschämtheit bezeichnet, impliziert "das schlägt dem Fass den Boden aus" einen kompletten Zusammenbruch der Normalität oder Akzeptanz. Es geht nicht um den Höhepunkt, sondern um den finalen, zerstörerischen Durchbruch.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant in der deutschen Sprache. Sie wird in nahezu allen Kontexten verwendet, in denen Empörung, völliges Unverständnis oder blankes Erstaunen ausgedrückt werden sollen. Ihre Relevanz zeigt sich besonders in der Alltagssprache, in politischen Kommentaren, in der Berichterstattung über Skandale und selbst in sozialen Medien, wo sie als prägnante Reaktion auf unerhörte Vorkommnisse dient. Die Brücke zur Gegenwart ist deshalb so stabil, weil das Gefühl, dass eine Grenze absolut und unwiederbringlich überschritten wurde, ein zeitloses menschliches Empfinden ist. Ob bei unglaublichen politischen Entscheidungen, bei dreisten Alltagssituationen oder bei überraschenden Wendungen in einer Serie – die Redensart bietet sich als kraftvolles sprachliches Werkzeug an.
Praktische Verwendbarkeit
Sie können diese Redewendung überall dort einsetzen, wo Sie eine ultimative Grenzüberschreitung betonen möchten. In einem lockeren Vortrag oder in einer engagierten Rede verleiht sie Ihrer Kritik Nachdruck und bildhafte Schärfe. Auch in einer privaten Schilderung ("Und dann hat er auch noch mein letztes Bier getrunken – das hat dem Fass endgültig den Boden ausgeschlagen!") funktioniert sie ausgezeichnet. In formellen oder sensiblen Kontexten wie einer Trauerrede wäre sie jedoch fast immer zu salopp, zu hart und zu umgangssprachlich. Achten Sie darauf, dass sie nicht als Floskel wirkt, sondern wirklich für den letzten und unerhörtesten Punkt einer Kette von Vorkommnissen reserviert ist.
Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Sätze:
- Nach der dritten Preiserhöhung innerhalb eines Jahres und jetzt diesem neuen versteckten Vertragszusatz – das schlägt dem Fass wirklich den Boden aus.
- Dass der Verein jetzt auch noch den letzten Grünstreifen bebauen will, schlägt dem Fass den Boden aus. Da muss Widerstand organisiert werden.
- In der Diskussion um die neue Richtlinie sagte sie schließlich: "Diese zusätzliche bürokratische Hürde für kleine Betriebe schlägt dem Fass den Boden aus. So geht es nicht weiter."
- Persönlich und emotional: "Dass du nicht nur zu spät kommst, sondern auch noch meine Sachen ohne zu fragen nimmst, das schlägt dem Fass jetzt endgültig den Boden aus."
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