Das ist überflüssig wie ein Kropf

Kategorie: Redewendungen

Das ist überflüssig wie ein Kropf

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Das ist überflüssig wie ein Kropf" stammt aus einer Zeit, in der Kropferkrankungen durch Jodmangel in der Bevölkerung weit verbreitet und deutlich sichtbar waren. Ein Kropf ist eine krankhafte Vergrößerung der Schilddrüse, die als unnatürliche, störende Wucherung am Hals hervortritt. Im übertragenen Sinne stand der "Kropf" daher schon immer für etwas Lästiges, Unnötiges und Belastendes, das den natürlichen Zustand beeinträchtigt. Schriftliche Belege für die feststehende Formulierung finden sich vermehrt im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als die medizinische Beschreibung und das öffentliche Bewusstsein für diese Erkrankung besonders präsent waren. Die Redensart nutzt dieses allgemein bekannte und unangenehme Bild, um die Nutzlosigkeit einer Sache drastisch zu verdeutlichen.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen vergleicht die Redensart einen Gegenstand oder eine Handlung mit einer krankhaften Schwellung am Hals. Ein Kropf ist medizinisch betrachtet nicht nur überflüssig, sondern aktiv schädlich und beeinträchtigt die Gesundheit und das Erscheinungsbild. Übertragen bedeutet die Aussage daher, dass etwas absolut unnötig, vollkommen entbehrlich und oft sogar störend oder hinderlich ist. Es geht nicht um eine harmlose Zugabe, sondern um eine Belastung. Ein typisches Missverständnis könnte sein, die Redewendung als sanfte Kritik aufzufassen. Tatsächlich ist sie jedoch eine sehr deutliche und bildhafte Abwertung. Sie transportiert die Botschaft: "Dieses Ding hat keinen Zweck, es ist ein Makel und wir sollten es loswerden."

Relevanz heute

Obwohl Kropferkrankungen in Industrienationen durch Jodsalz weitgehend zurückgedrängt wurden, ist die Redewendung nach wie vor lebendig und verständlich. Das drastische Bild einer körperlichen Deformität als Sinnbild für völlige Nutzlosigkeit funktioniert intuitiv. Sie wird heute vor allem in der gesprochenen Sprache, in kritischen Diskussionen oder in pointierten Kommentaren verwendet, um übertriebene Bürokratie, sinnlose Regeln, überladene Designelemente oder nichtssagende Phrasen zu geißeln. Die Redensart schlägt somit eine direkte Brücke von einem historischen Gesundheitsproblem zu modernen Phänomenen der Überflüssigkeit, sei es in der Technik, der Verwaltung oder der Alltagskommunikation. Ihre Schärfe und Anschaulichkeit garantieren ihr weiterhin einen festen Platz im deutschen Sprachschatz.

Praktische Verwendbarkeit

Diese Redewendung eignet sich für Situationen, in denen Sie eine klare, unmissverständliche und etwas derbe Kritik an etwas völlig Entbehrlichem üben möchten. Sie passt in lockere Vorträge, hitzige Debatten oder saloppe Gespräche unter Kollegen, wo ihre Bildhaftigkeit eine pointierte Wirkung entfaltet. In einer formellen Trauerrede, einem offiziellen Schreiben oder einem diplomatischen Gespräch wäre sie dagegen unangemessen salopp und verletzend. Nutzen Sie sie, um zu betonen, dass etwas nicht nur wenig Mehrwert hat, sondern aktiv im Weg steht.

Hier finden Sie konkrete Beispiele für gelungene Sätze:

  • "Die dritte Besprechung zum gleichen Thema diese Woche ist überflüssig wie ein Kropf."
  • "Diese zwanzig Seiten Anhang voller Rechtsjargon in der Gebrauchsanweisung sind überflüssig wie ein Kropf."
  • "Ein weiteres Gremium einzurichten, bevor die alten Beschlüsse umgesetzt sind, wäre doch überflüssig wie ein Kropf."

Setzen Sie die Redensart also gezielt ein, wenn Sie der Meinung sind, dass etwas nicht einfach nur redundant, sondern eine echte Belastung darstellt. Sie signalisiert fundierte und entschiedene Ablehnung.

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