Das ist eine Sisyphusarbeit
Kategorie: Redewendungen
Das ist eine Sisyphusarbeit
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft dieser Redewendung ist eindeutig und bis in die Antike zurückverfolgbar. Sie leitet sich direkt aus der griechischen Mythologie ab, genauer gesagt aus der Sage von Sisyphos, dem König von Korinth. Sisyphos war für seinen listigen und betrügerischen Charakter bekannt, der sogar die Götter des Olymp zu täuschen versuchte. Als Strafe für seine Frevel und seinen Hochmut verurteilte ihn der Gott Hades zu einer ewigen und aussichtslosen Aufgabe in der Unterwelt.
Seine Strafe bestand darin, einen gewaltigen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Kurz bevor er den Gipfel erreichte, entglitt ihm der Stein stets und rollte wieder bis zum Fuß des Berges zurück. Diese qualvolle, nie endende und von vornherein zum Scheitern verurteilte Arbeit wurde zum Sinnbild für nutzlose Mühe. Die erste literarische Fixierung findet sich in Homers "Odyssee". Die Redewendung "Sisyphusarbeit" oder "eine Arbeit des Sisyphos verrichten" hat sich aus dieser klar belegbaren Quelle in den deutschen Sprachschatz eingeprägt.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich beschreibt die Redewendung die spezifische, mythische Strafe des Sisyphos. Im übertragenen Sinn kennzeichnet sie jede Tätigkeit, die sich durch drei wesentliche Merkmale auszeichnet: Sie ist extrem mühsam und kraftraubend, sie muss immer wieder von Neuem begonnen werden und sie führt zu keinem dauerhaften Ergebnis oder bleibenden Erfolg. Es ist eine Tätigkeit, die sich im Kreis dreht und deren Früchte stets wieder zunichtegemacht werden.
Ein typisches Missverständnis liegt darin, die Redewendung einfach nur mit "harter Arbeit" gleichzusetzen. Der entscheidende Zusatz ist jedoch die Sinnlosigkeit und Erfolglosigkeit. Nicht jede anstrengende Aufgabe ist eine Sisyphusarbeit, sondern nur jene, deren Aufwand in keinem Verhältnis zum erzielten, weil sofort wieder verlorenen, Effekt steht. Kurz gesagt: Es ist die Verkörperung von frustrierender und vergeblicher Mühe.
Relevanz heute
Die Redewendung ist heute so relevant wie nie zuvor. In einer Welt, die von Effizienz und messbaren Ergebnissen geprägt ist, bietet sie das perfekte sprachliche Bild für moderne Frustrationserlebnisse. Menschen verwenden sie in ganz unterschiedlichen Bereichen.
Im Berufsleben kann sie die ständige Bürokratie, das Ausfüllen sich wiederholender Formulare oder das Kampf gegen überbordende E-Mail-Flut beschreiben. Im Haushalt steht sie für das immerwährende Aufräumen, das Putzen, das nur bis zum nächsten Besuch der Kinder oder Haustiere hält. Selbst in gesellschaftlichen Debatten taucht der Begriff auf, etwa wenn politische Verhandlungen immer wieder bei Null anfangen oder wenn Lösungen für komplexe Probleme wie den Klimawandel trotz großer Anstrengungen nicht vorankommen. Die digitale Sisyphusarbeit ist das ständige Aktualisieren von Software auf Geräten, die kurz darauf wieder veraltet sind.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie eine besondere Art der Frustration oder die Absurdität einer sich wiederholenden, ergebnislosen Anstrengung betonen möchten. Sie ist bildhaft und wird allgemein verstanden.
Geeignete Kontexte:
- Im beruflichen Umfeld: In Meetings oder im Gespräch mit Kollegen, um Prozesse zu kritisieren, die ineffizient sind. "Das tägliche Bereinigen dieser Datenbank ist eine wahre Sisyphusarbeit."
- In lockeren Vorträgen oder Kolumnen: Um ein allgemeines Lebensgefühl humorvoll-ironisch auf den Punkt zu bringen.
- Im privaten Gespräch: Um sich über alltägliche, nervige Pflichten auszutauschen. "Den Garten vom Laub frei zu halten, ist im Herbst eine reine Sisyphusarbeit."
Weniger geeignet ist die Redewendung in sehr formellen oder feierlichen Anlässen wie einer offiziellen Trauerrede, wo sie als zu salopp oder sogar zynisch wirken könnte. Auch sollte sie nicht für Aufgaben verwendet werden, die zwar schwer, aber letztlich erfolgreich sind – wie das Schreiben einer Doktorarbeit. Das wäre eine Verharmlosung des eigentlichen Sinns.
Beispiele für gelungene Sätze:
- "Der Kampf gegen die Verbreitung von Desinformation im Internet kommt mir oft wie eine moderne Sisyphusarbeit vor."
- "Statt die Ursache zu beheben, reparieren wir nur die Symptome. Das ist reine Sisyphusarbeit."
- In einer Projektbesprechung: "Wenn wir unsere Strategie nicht grundlegend ändern, betreiben wir hier nur Sisyphusarbeit."
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