Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera

Kategorie: Redewendungen

Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Redewendung "Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera" entstammt einer Zeit, in der beide Seuchen in Europa gefürchtete Geißeln der Menschheit darstellten. Während die Pest im Mittelalter verheerende Pandemien auslöste, trat die Cholera in Europa vor allem im 19. Jahrhundert in großen Wellen auf. Der sprachliche Vergleich zweier tödlicher Übel als Metapher für eine ausweglose Entscheidungssituation ist historisch gut belegt. Eine frühe schriftliche Erwähnung findet sich in der politischen Publizistik des 19. Jahrhunderts, wo sie oft verwendet wurde, um eine politische Entscheidung zwischen zwei als gleichermaßen katastrophal empfundenen Optionen zu charakterisieren. Die Redensart profitiert von der klangvollen Alliteration und der Tatsache, dass beide Krankheiten lange Zeit als nahezu gleich tödlich und ausweglos galten.

Bedeutungsanalyse

Im Kern beschreibt diese Redensart eine Situation, in der man vor einer Entscheidung steht, bei der alle zur Verfügung stehenden Alternativen schlecht, unerwünscht oder mit erheblichen Nachteilen verbunden sind. Es geht nicht um eine leichte Wahl des kleineren Übels, sondern um die Konfrontation mit zwei Optionen, die beide als fundamental negativ und inakzeptabel wahrgenommen werden.

Wörtlich genommen verweist sie auf die historische Wahl zwischen zwei tödlichen Infektionskrankheiten. In der übertragenen Bedeutung hat sich dieser medizinische Bezug vollständig aufgelöst; heute steht die Formel einfach für eine ausweglose Zwickmühle. Ein typisches Missverständnis besteht darin, anzunehmen, dass eine der Optionen doch etwas besser sei. Genau das ist aber nicht der Sinn der Redewendung: Sie betont die Gleichwertigkeit des Negativen. Eine subtile Nuance liegt manchmal darin, dass die Wahl selbst bereits als Akt der Verzweiflung oder Resignation gilt, weil es keine gute Lösung gibt.

Relevanz heute

Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und wird in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen verwendet. Ihre anhaltende Popularität verdankt sie der universellen Erfahrung, vor scheinbar unlösbaren Dilemmata zu stehen. Sie ist fester Bestandteil des politischen Diskurses, wenn etwa Wähler bei einer Stichwahl zwei unbeliebte Kandidaten vorfinden. In der Wirtschaftspresse ist sie ein gängiges Bild für strategische Entscheidungen von Unternehmen, die nur zwischen verschiedenen riskanten Wegen wählen können. Selbst im privaten Alltag, etwa bei der Entscheidung zwischen zwei unattraktiven Mietwohnungen oder zwei belastenden beruflichen Aufgaben, bietet sich dieser Ausdruck an. Die moderne Medizin hat zwar beide Krankheiten weitgehend besiegt, die sprachliche Kraft des Vergleichs ist jedoch ungebrochen.

Praktische Verwendbarkeit

Diese Redensart eignet sich für formelle und informelle Kontexte gleichermaßen, sollte aber mit Bedacht eingesetzt werden. In einer lockeren Besprechung, einem Kommentar oder einem kritischen Artikel wirkt sie pointiert und einprägsam. Für eine Trauerrede oder einen sehr feierlichen Anlass ist sie aufgrund ihrer leicht zynischen und resignativen Grundstimmung wahrscheinlich unpassend. Sie kann als zu hart oder flapsig empfunden werden, wenn es um Entscheidungen von geringer Tragweite geht.

Hier finden Sie einige Beispiele für gelungene Verwendungen:

  • In einem politischen Gespräch: "Die Stichwahl erscheint vielen Bürgern wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, da beide Kandidaten große Teile der Wählerschaft nicht überzeugen können."
  • In einer Projektbesprechung: "Entweder wir überschreiten das Budget massiv, oder wir liefern mit großer Verspätung. Das fühlt sich an wie die Entscheidung zwischen Pest und Cholera."
  • Im privaten Bereich: "Die Wahl zwischen der langen Anfahrt zur Arbeit und den horrenden Mietkosten in der Stadt ist wahrlich eine Wahl zwischen Pest und Cholera."

Setzen Sie die Redewendung also dort ein, wo Sie die Ausweglosigkeit und die Gleichwertigkeit der negativen Optionen betonen möchten. Sie signalisiert Ihrem Gegenüber, dass Sie die Tragik der Entscheidungslage vollständig erfassen.

Mehr Redewendungen