Blaumachen
Kategorie: Redewendungen
Blaumachen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "Blaumachen" ist nicht vollständig geklärt und es existieren mehrere Theorien. Eine der plausibelsten und am häufigsten genannten Erklärungen führt den Ausdruck auf das Färberhandwerk zurück. Im Mittelalter war das Färben von Stoffen mit der kostbaren Indigopflanze, die ein tiefes Blau ergab, ein langwieriger Prozess. Nachdem die Stoffe in das Färbebad getaucht wurden, mussten sie zum Trocknen und zur Oxidation an der Luft aufgehängt werden. An diesen Tagen konnte keine aktive Arbeit am Stoff verrichtet werden, die Gesellen und Arbeiter hatten somit faktisch frei. Sie "machten Blau". Diese handwerkliche Praxis könnte sich im Sprachgebrauch als Synonym für ein unproduktives, arbeitsfreies Verhalten etabliert haben.
Eine andere, weniger belegte Theorie verweist auf den jiddischen Ausdruck "blau machen", was so viel wie "nichts tun" oder "prahlen" bedeuten soll. Aufgrund der unsicheren Quellenlage und der nicht hundertprozentigen Belegbarkeit wird an dieser Stelle auf eine definitive Festlegung verzichtet.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Blaumachen" bedeutet heute ganz allgemein, der Arbeit oder einer anderen Verpflichtung fernzubleiben, ohne dafür einen triftigen Grund zu haben. Es handelt sich um eine umgangssprachliche, oft leicht scherzhafte Umschreibung für unerlaubtes Fehlen. Wörtlich genommen ergibt der Ausdruck keinen Sinn, da man keine Farbe herstellt oder aktiviert. Die übertragene Bedeutung ist jedoch klar: Man tut so, als wäre man in der unproduktiven Phase des Blaufärbens, obwohl man eigentlich einer Tätigkeit nachgehen müsste.
Ein typisches Missverständnis besteht darin, "Blaumachen" mit einem entspannten Urlaubstag oder einem legalen freien Tag gleichzusetzen. Der Kern der Redewendung liegt jedoch in der Illegitimität. Sie beschreibt ein bewusstes Ausweichen vor einer Pflicht, sei es in der Schule, der Ausbildung oder am Arbeitsplatz. Es ist weniger ein Ausdruck für Erholung, sondern vielmehr für bewusste Arbeitsverweigerung oder Schulschwänzen.
Relevanz heute
Die Redewendung "Blaumachen" ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Sie wird in allen Generationen verstanden und verwendet, auch wenn sich die Kontexte modernisiert haben. Während man früher vielleicht die Schule schwänzte, um ins Freibad zu gehen, "macht" man heute blau, um einen langen Wochenendtrip zu verlängern, sich einen mental Health Day zu gönnen oder einfach dem stressigen Büroalltag für einen Tag zu entfliehen. Der Begriff hat sich auch in der digitalen Welt etabliert: Man könnte scherzhaft sagen, man "mache blau", um einen Tag lang nicht auf E-Mails zu antworten.
Die gesellschaftliche Bewertung ist ambivalent. In einem lockeren Gespräch unter Kollegen kann die Formulierung entschuldigend oder solidarisierend klingen. Aus Sicht eines Arbeitgebers oder einer Institution stellt das Blaumachen jedoch nach wie vor ein Problem dar, das mit dem Begriff der Arbeitsdisziplin kollidiert. Die Redewendung bleibt somit ein sprachlicher Spiegel für das Spannungsfeld zwischen Pflicht und persönlichem Freiheitsdrang.
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung "Blaumachen" ist durchweg salopp und umgangssprachlich. Sie eignet sich hervorragend für informelle Gespräche unter Freunden, Kollegen auf ähnlicher Hierarchieebene oder in der Familie.
Geeignete Kontexte:
- In einer lockeren Unterhaltung: "Morgen mache ich einfach mal blau und fahre an den See."
- Unter vertrauten Kollegen: "Ich glaube, nach diesem Projekt werde ich mir einen Tag blau machen."
- Bei der Erklärung von Abwesenheit im Nachhinein in einem informellen Rahmen: "Entschuldige die verspätete Antwort, ich habe gestern einfach blau gemacht."
Ungeeignete Kontexte:
- Formelle Anlässe wie offizielle Schreiben, Trauerreden oder wissenschaftliche Vorträge. Hier wirkt sie respektlos und unprofessionell.
- In der Kommunikation mit Vorgesetzten oder Autoritätspersonen, um das eigene Fehlen zu erklären. Dies könnte als besonders provokativ oder uneinsichtig aufgefasst werden.
- In einem Bewerbungsgespräch oder einer Leistungsbeurteilung sollte der Begriff vermieden werden.
Ein gelungenes Beispiel für einen passenden Satz in einem lockeren Meeting wäre: "Bei dem herrlichen Wetter draußen fällt die Konzentration schwer. Da möchte man am liebsten blau machen." Hier wird die Redewendung metaphorisch und gemeinschaftlich eingesetzt, ohne ein tatsächliches Fehlverhalten zu beschreiben. Sie dient vielmehr der empathischen Auflockerung der Situation.
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