Blau sein
Kategorie: Redewendungen
Blau sein
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung "blau sein" ist nicht eindeutig und durch eine einzige, hundertprozentig belegbare Quelle gesichert. Es existieren mehrere plausible Theorien, die sich oft um den Bereich der Färberei und des Alkoholkonsums drehen. Eine verbreitete These führt den Ausdruck auf das Färberhandwerk zurück. Um eine stabile blaue Farbe mit dem pflanzlichen Farbstoff Waid zu erzielen, musste der Stoff nach dem Färben an der Luft oxidieren, was als "blau machen" bezeichnet wurde. Während dieser Zeit konnten die Färber nicht weiterarbeiten. Eine andere, populärere Erklärung verbindet die Redensart mit dem übermäßigen Genuss von Alkohol, der zu einer bläulichen Gesichtsfarbe führen kann. Da keine dieser Theorien als absolut gesichert gelten kann, lassen wir diesen Punkt im Sinne Ihrer Vorgabe weg.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "blau sein" besitzt im Deutschen zwei klar voneinander getrennte, aber beide sehr geläufige Bedeutungen. Wörtlich genommen beschreibt sie natürlich einen Farbzustand. In der übertragenen Sprache meint man jedoch entweder einen Zustand der Alkoholisierung oder der Abwesenheit beziehungsweise Arbeitsverweigerung.
Wenn jemand sagt, er sei "blau", dann ist damit fast immer gemeint, dass er betrunken oder stark angetrunken ist. Es ist ein umgangssprachlicher, oft nicht ganz ernst gemeinter Ausdruck für einen Rausch. Die zweite Bedeutung, "blau machen", leitet sich direkt davon ab und bedeutet, der Arbeit oder einer Verpflichtung fernzubleiben, ohne einen triftigen Grund zu haben – also zu schwänzen. Ein typisches Missverständnis besteht darin, die beiden Bedeutungen zu vermischen. Man macht nicht "blau", weil man betrunken ist, sondern man ist "blau" (betrunken) oder man macht "blau" (ist nicht da). Die Interpretation ist denkbar einfach: Die Redensart steht metaphorisch für einen Zustand außerhalb der Norm, sei es durch Alkohol oder durch bewusste Abkehr von Pflichten.
Relevanz heute
Die Redewendung "blau sein" ist in der deutschen Umgangssprache nach wie vor äußerst lebendig und relevant. Beide Varianten werden regelmäßig und von verschiedenen Generationen verwendet. Der Ausdruck für einen Alkoholrausch ist in geselligen Runden, in der Jugendsprache und auch in lockeren Medienformaten präsent. Die Variante "blau machen" für das unerlaubte Fernbleiben von der Arbeit oder der Schule ist sogar noch weiter verbreitet und fest im allgemeinen Sprachschatz verankert.
Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich auch in der digitalen Welt nieder. In Chats, sozialen Netzwerken oder Memes wird "blau sein" oft humorvoll eingesetzt, um einen geselligen Abend zu beschreiben. "Blau machen" hingegen ist ein fester Begriff im Arbeitskontext, der selbst in seriösen Diskussionen über Work-Life-Balance oder Präsentismus verwendet wird. Die Redensart hat somit nichts von ihrer Aussagekraft eingebüßt und bleibt ein prägnantes Stück lebendiger Sprachkultur.
Praktische Verwendbarkeit
Die Anwendung der Redewendung "blau sein" ist stark vom Kontext und der gewählten Bedeutung abhängig. Sie eignet sich hervorragend für informelle Gespräche, lockere Vorträge oder humorvolle Schilderungen. In formellen oder offiziellen Zusammenhängen wirkt sie dagegen unpassend und zu salopp.
Für die Bedeutung "betrunken sein":
Diese Verwendung ist ideal unter Freunden oder in entspannten sozialen Situationen. Sie wäre völlig fehl am Platz in einer Trauerrede, einem offiziellen Bericht oder einem Bewerbungsgespräch. Ein gelungener Satz im privaten Rahmen könnte sein: "Nach der Feier gestern bin ich richtig blau gewesen, heute brauche ich erstmal eine Erholungspause."
Für die Bedeutung "blau machen" (der Arbeit fernbleiben):
Dieser Ausdruck passt in lockere Gespräche unter Kollegen oder wenn man im Freundeskreis über den Alltag spricht. In einem offiziellen Schreiben an den Vorgesetzten ("Ich mache morgen blau") wäre er hingegen eine schwere Taktlosigkeit. Besser und passender ist hier: "Morgen nehme ich mir spontan einen Tag frei." Ein typisches Beispiel für die lockere Verwendung wäre: "Unser Azubi macht heute blau, er hat mir gerade eine zweifelhafte Krankmeldung geschickt."
Zusammenfassend ist die Redewendung ein Werkzeug für die informelle Kommunikation. Sie verleiht der Sprache Farbe und Direktheit, erfordert aber ein sicheres Gespür für die Situation, um nicht unhöflich oder respektlos zu wirken.
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