Auch nur mit Wasser kochen
Kategorie: Redewendungen
Auch nur mit Wasser kochen
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Auch nur mit Wasser kochen" ist eine relativ junge sprachliche Wendung, die vermutlich im 20. Jahrhundert aufgekommen ist. Eine exakte, historisch belegbare Erstnennung lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit ausmachen. Es handelt sich um eine bildhafte Abwandlung und Verkürzung älterer Ausdrücke wie "sein Wasser abkochen" oder "nicht mit lauem Wasser kochen", die bereits auf eine gewisse Durchtriebenheit oder besondere Fähigkeiten anspielten. Die moderne Form etablierte sich als feststehende Redensart in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Da eine hundertprozentige Belegbarkeit für den genauen Ursprung nicht gegeben ist, verzichten wir an dieser Stelle auf eine detaillierte, aber spekulative Herleitung.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Auch nur mit Wasser kochen" bedeutet, dass jemand keine besonderen Fähigkeiten oder überlegenen Kenntnisse besitzt, sondern genauso begrenzt und gewöhnlich ist wie alle anderen auch. Wörtlich genommen beschreibt sie eine banale Tätigkeit: Wasser zu kochen ist eine der einfachsten Kochhandlungen überhaupt, die kaum Können voraussetzt. Wer also "auch nur mit Wasser kocht", beherrscht nichts Außergewöhnliches.
Im übertragenen Sinn entlarvt die Phrase Anmaßung oder eingebildete Überlegenheit. Sie wird eingesetzt, um jemanden auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, der sich für etwas Besseres hält. Ein häufiges Missverständnis besteht darin, die Redewendung mit "sein Süppchen kochen" zu verwechseln, was Egoismus beschreibt. "Auch nur mit Wasser kochen" hingegen betont die mangelnde Exklusivität und die ganz normale Durchschnittlichkeit einer Person oder Sache. Kurz gesagt: Es geht um die Demontage von Allüren.
Relevanz heute
Die Redewendung ist nach wie vor äußerst lebendig und relevant. In einer Zeit, in der Selbstdarstellung und die Inszenierung besonderer Expertise – ob in sozialen Medien oder im Berufsleben – allgegenwärtig sind, bietet diese flapsige Formulierung ein schnelles und treffendes Korrektiv. Sie wird genutzt, um übertriebenen Statusansprüchen, arrogantem Gehabe oder unbegründeter Expertentümelei den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Ihre Anwendung findet sie in alltäglichen Gesprächen, in der politischen oder gesellschaftlichen Kommentierung und besonders im journalistischen Stil, etwa in Kolumnen oder kritischen Essays. Die Redewendung schlägt somit eine perfekte Brücke in die Gegenwart, da sie ein grundmenschliches Verhalten thematisiert, das durch moderne Kommunikationsplattformen nur noch verstärkt sichtbar wird.
Praktische Verwendbarkeit
Die Wendung eignet sich hervorragend für informelle bis halbformelle Kontexte, in denen man pointiert und etwas derb eine überhebliche Haltung kritisieren möchte. In einer lockeren Rede unter Kollegen, in einem Blogbeitrag oder in einem kritischen Gespräch unter Freunden kann sie sehr wirkungsvoll sein.
Für formelle Anlässe wie eine Trauerrede, eine offizielle Ansprache oder ein diplomatisches Schreiben ist sie hingegen zu salopp und zu direkt. Sie birgt stets eine gewisse Schärfe und sollte nicht eingesetzt werden, wenn man die angesprochene Person nicht brüskiieren möchte. Hier sind einige Beispiele für gelungene Verwendungen:
- In einem Meeting, nachdem ein neuer Kollege mit viel Brimborium alte Ideen als revolutionär verkauft: "Am Ende müssen wir feststellen, dass die neue Abteilung auch nur mit Wasser kocht und ähnliche Herausforderungen hat wie wir."
- In einem Kommentar zu einem Politikerskandal: "Die öffentliche Empörung zeigt: Die vermeintliche moralische Elite da oben kocht auch nur mit Wasser."
- Im privaten Kreis über einen angebenen Bekannten: "Lassen Sie sich von seinem teuren Anzug nicht blenden – in seinem Job kocht er auch nur mit Wasser."
Um die Redewendung geschickt einzubauen, können Sie sie als vergleichenden Nebensatz oder als abschließende Pointe nutzen. Sie wirkt am besten, wenn der Kontrast zwischen der vorgetäuschten Besonderheit und der entlarvten Normalität zuvor klar aufgebaut wurde.
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