Die Menschen werden jenes Ding verfolgen, vor dem sie am …
Die Menschen werden jenes Ding verfolgen, vor dem sie am meisten Angst haben.
Autor: Leonardo da Vinci
Herkunft
Die genaue Herkunft dieser Sentenz lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen. Sie trägt keinen klassischen Autor und scheint eher einer volksphilosophischen oder psychologischen Beobachtung zu entstammen als einer literarischen Quelle. Aufgrund ihrer gedanklichen Nähe zu Konzepten der Selbstsabotage und der selbsterfüllenden Prophezeiung könnte man sie in der Nähe von Überlegungen verorten, wie sie etwa im 20. Jahrhundert in der Tiefenpsychologie oder der Verhaltenstherapie formuliert wurden. Da keine eindeutige historische Erstnennung in einem spezifischen Werk belegbar ist, verzichten wir an dieser Stelle auf eine detaillierte Herkunftsangabe.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung "Die Menschen werden jenes Ding verfolgen, vor dem sie am meisten Angst haben" ist eine prägnante Formulierung eines psychologischen Paradoxons. Wörtlich genommen suggeriert sie ein aktives Handeln ("verfolgen") gegenüber genau dem Objekt der größten Furcht. Im übertragenen Sinne beschreibt sie jedoch einen verbreiteten menschlichen Mechanismus: Wir richten unsere Energie und Aufmerksamkeit oft unbewusst auf das, was wir fürchten, und ziehen es dadurch möglicherweise sogar an.
Ein typisches Missverständnis wäre, die Redewendung als Aufforderung oder als Beschreibung eines bewussten Wollens zu lesen. Der Kern liegt vielmehr in der unbewussten Dynamik. Die Angst dominiert das Denken so stark, dass alle Entscheidungen und Handlungen indirekt von ihr gelenkt werden – man "verfolgt" das Gefürchtete durch Vermeidungsstrategien, übermäßige Kontrollversuche oder eine fixierte gedankliche Beschäftigung damit. Es ist weniger eine Jagd im aktiven Sinne, sondern ein gefangen sein in einem mentalen Kreislauf, der das Gefürchtete stets im Zentrum behält.
Relevanz heute
Die Aussage ist heute höchst relevant, vielleicht sogar relevanter denn je. In einer Gesellschaft, die von Sorgen um die Zukunft, sozialer Vergleichsangst in digitalen Netzwerken und der ständigen Konfrontation mit globalen Bedrohungen geprägt ist, zeigt sich dieses Muster deutlich. Menschen, die beispielsweise große Angst vor finanzieller Unsicherheit haben, verfolgen dieses Thema oft obsessiv, lesen jeden Marktbericht und treffen Entscheungen aus Panik heraus, die ihre Lage nicht verbessern. Die Angst vor Einsamkeit kann dazu führen, dass man in Beziehungen klammernd oder kontrollierend agiert und so genau die Distanz erzeugt, die man fürchtet. Die Redewendung bietet somit ein scharfes Werkzeug, um moderne Phänomene wie das "Doomscrolling" oder die "Safety Culture" zu analysieren, bei der das Streben nach absoluter Sicherheit zum einzigen Lebensinhalt wird.
Praktische Verwendbarkeit
Diese Redewendung eignet sich hervorragend für reflexive und analytische Kontexte. Sie ist weniger ein flapsiger Spruch für den Alltag, sondern vielmehr ein pointierter Erkenntnissatz.
Geeignete Anlässe: Sie passt gut in anspruchsvolle Vorträge über Psychologie, persönliche Entwicklung oder gesellschaftliche Trends. In einer Coachingsitzung oder einem therapeutischen Gespräch kann sie als Impuls dienen, um Verhaltensmuster zu hinterfragen. Auch in einem Kommentar oder Essay zu zeitgenössischen Ängsten wirkt sie erhellend.
Weniger geeignet ist sie in tröstenden Situationen wie einer Trauerrede, da sie analytisch und schonungslos wirken kann. In einem lockeren Smalltalk wäre sie wahrscheinlich zu schwer und philosophisch.
Anwendungsbeispiele:
- In einem Vortrag über Entscheidungsfindung: "Oft behindern uns nicht die fehlenden Optionen, sondern unsere eigenen Ängste. Wie treffend formuliert es eine alte Weisheit: 'Die Menschen werden jenes Ding verfolgen, vor dem sie am meisten Angst haben.' Unser Fokus auf das Schlimmstmögliche lähmt uns."
- In einem persönlichen Gespräch über Karriereangst: "Sie sagen, Sie fürchten den beruflichen Stillstand, aber sprechen nur darüber, checken ständig Stellenportale aus Sorge. Man könnte fast meinen, Sie verfolgen diese Angst. Vielleicht sollten wir den Blick darauf richten, was Sie stattdessen anziehen möchten."
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