Was auch immer für ein Ende mir das Schicksal bestimmt hat, …
Was auch immer für ein Ende mir das Schicksal bestimmt hat, ich werde es ertragen.
Autor: unbekannt
Herkunft
Diese gefasste Aussage stammt aus dem Werk "De Finibus Bonorum et Malorum" (Über die Grenzen des Guten und Bösen) des römischen Philosophen und Staatsmannes Marcus Tullius Cicero. Sie findet sich im fünften Buch, Absatz 82. Cicero lässt hier die Figur des jüngeren Cato sprechen, der im Kontext eines philosophischen Gesprächs über die richtige Lebenshaltung und die Furchtlosigkeit gegenüber dem Tod argumentiert. Der lateinische Originaltext lautet: "Quodcumque erit, feremus." oder in einer vollständigeren Fassung "Quodcumque igitur acciderit, feremus aequo animo." (Was auch immer also geschehen wird, das werden wir mit gleichmütiger Seele ertragen.) Die prägnante deutsche Übersetzung, wie Sie sie zitieren, ist eine klassische Übertragung dieser stoischen Haltung.
Biografischer Kontext
Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.) war weit mehr als ein Redner und Politiker des alten Roms. Er war der Vermittler griechischer Philosophie, insbesondere der Stoa, für die lateinischsprachige Welt und damit für das gesamte abendländische Denken. Was ihn heute noch faszinierend macht, ist sein Ringen um die praktische Anwendung von Philosophie im stürmischen Alltag der Politik. Cicero lebte in einer Zeit blutiger Bürgerkriege und des Endes der Republik, in der er selbst zum Opfer politischer Morde wurde. Seine Briefe offenbaren einen zutiefst menschlichen Charakter – ehrgeizig, oft ängstlich, manchmal eitel, aber stets um ein Leben nach den Maßstäben der Vernunft und der Pflicht bemüht. Seine bleibende Relevanz liegt in der Idee, dass Bildung, Beredsamkeit und ethisches Handeln die Grundpfeiler einer freien Gesellschaft sind. Seine Weltsicht verbindet auf einzigartige Weise philosophische Tiefe mit politischer Praxis und zeigt, wie man auch in ausweglosen Situationen seine innere Würde bewahren kann.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich nimmt man das Schicksal als eine von außen kommende, unabänderliche Bestimmung hin und verspricht, dieser Last standzuhalten. Übertragen geht es jedoch nicht um passives Erdulden, sondern um eine aktive innere Haltung. Der Kern der Aussage ist die bewusste Entscheidung für Gleichmut (aequanimitas) und Seelenstärke. Man akzeptiert die Unkontrollierbarkeit äußerer Ereignisse, behält aber die vollständige Kontrolle über die eigene Reaktion darauf. Ein typisches Missverständnis wäre, in der Redewendung Resignation oder Fatalismus zu sehen. Das Gegenteil ist der Fall: Es ist ein Ausdruck von Stärke und Freiheit. Die wahre Freiheit liegt nach stoischer Lehre nicht darin, zu bekommen, was man will, sondern darin, das, was geschieht, aus innerer Überzeugung und mit gefasstem Geist zu wollen. Es ist die Haltung eines Kapitäns, der das Wetter nicht ändern kann, aber entschlossen ist, sein Schiff durch jeden Sturm zu steuern.
Relevanz heute
Die Aussage ist heute so relevant wie vor zweitausend Jahren, vielleicht sogar relevanter in einer Zeit, die von Unsicherheit, schnellem Wandel und der Illusion totaler Kontrollierbarkeit geprägt ist. Sie findet Resonanz in modernen psychologischen Ansätzen wie der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), die den Fokus auf die Annahme des Unveränderlichen und die Ausrichtung am eigenen Wertesystem legt. Menschen verwenden den Gedanken, wenn sie sich auf schwierige Prüfungen, medizinische Diagnosen oder berufliche Wendepunkte vorbereiten. Er ist ein geistiges Werkzeug für Resilienz. In Management-Seminaren oder Coachings wird diese ciceronische Haltung oft als Grundlage für souveränes Leadership unter Druck zitiert. Sie ist ein zeitloser Anker gegen die Flut der Ängste und "What-if"-Szenarien.
Praktische Verwendbarkeit
Diese Redewendung eignet sich für Kontexte, die Würde, Fassung und innere Stärke erfordern. Sie wäre in einer lockeren Alltagsunterhaltung über ein verpasstes Zugticket zu pathetisch und unpassend. Ideal ist sie jedoch in ernsten Lebens- oder Berufssituationen.
- In einer Trauerrede oder Gedenkansprache: Sie kann den Charakter des Verstorbenen würdigen, der sein Schicksal mit Tapferkeit getragen hat. "Er lebte nach dem Grundsatz: 'Was auch immer für ein Ende mir das Schicksal bestimmt hat, ich werde es ertragen.' Und so ist er gegangen."
- In einem motivierenden Vortrag vor einem schwierigen Projekt: "Wir kennen das Ziel, nicht alle Widrigkeiten des Weges. Doch im Geiste Ciceros sagen wir uns: Was auch immer für ein Ende uns diese Reise bestimmt, wir werden es gemeinsam ertragen und meistern."
- Als persönliches Mantra in Krisen: Als stiller Gedanke oder schriftliche Notiz dient sie der Selbstvergewisserung und Zentrierung, bevor man eine ungewisse Situation betritt, sei es ein Gerichtstermin, eine schwierige Operation oder ein entscheidendes berufliches Gespräch.
Sie ist eine formelle, fast feierliche Formulierung. Verwenden Sie sie daher in schriftlichen Texten, vorbereiteten Reden oder bewussten Reflexionen. Sie vermittelt Tiefe und historische Verankerung und zeigt, dass die aktuelle Herausforderung Teil der großen menschlichen Erfahrung ist.