Das Wohlgefallen ist eine Vollendung des Wirkens.

Das Wohlgefallen ist eine Vollendung des Wirkens.

Autor: Thomas von Aquin

Herkunft

Die Aussage "Das Wohlgefallen ist eine Vollendung des Wirkens" ist kein klassisches Sprichwort aus dem Volksmund, sondern ein philosophischer Gedanke. Er wird häufig dem großen mittelalterlichen Theologen und Philosophen Thomas von Aquin (ca. 1225–1274) zugeschrieben. Der Satz findet sich in seinem monumentalen Hauptwerk, der "Summa theologica". Konkret taucht er in der Abhandlung über die menschlichen Leidenschaften (Passiones animae) auf, wo Thomas von Aquin die Natur des Wollens und der Freude untersucht. Der Kontext ist die scholastische Diskussion darüber, wie eine Handlung ihre endgültige Ruhe und Erfüllung findet – nämlich im Wohlgefallen, das auf sie folgt.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen beschreibt der Satz einen Prozess: Ein "Wirken", also eine Tätigkeit, ein Werk oder eine Handlung, findet ihre eigentliche Vollendung und ihren Abschluss nicht einfach durch das physische Beenden. Die wahre Vollendung ereignet sich erst im nachträglichen Wohlgefallen. Dieses Wohlgefallen kann die Zufriedenheit des Handelnden selbst sein, die Anerkennung durch andere oder auch ein inneres Gefühl der Harmonie und des Gelingens. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es gehe nur um oberflächliches Gefallen oder gar Lobhudelei. Im ursprünglichen, tiefgründigen Sinne meint es jedoch die innere Zustimmung und Freude, die eine Handlung erst als gut und abgeschlossen bestätigt. Ohne dieses Wohlgefallen bleibt das Wirken unvollständig, gleichsam "in der Luft hängend".

Relevanz heute

Die Aussage hat nichts von ihrer Tiefe verloren und ist in modernen Kontexten höchst relevant. In einer Welt, die oft auf reine Effizienz und messbare Ergebnisse getrimmt ist, erinnert dieser Gedanke an eine wesentliche menschliche Dimension. Ob in der Arbeitswelt, in der Kunst oder im privaten Engagement: Ein Projekt ist erst dann wirklich erfolgreich abgeschlossen, wenn es ein Gefühl der Zufriedenheit und des Sinns bei den Beteiligten hinterlässt. Die moderne Psychologie und Glücksforschung bestätigt diesen alten Grundsatz: Intrinsische Motivation und das positive Gefühl nach getaner Arbeit sind zentral für dauerhafte Zufriedenheit und mentale Gesundheit. Der Satz fordert uns damit auf, nicht nur die Tat an sich, sondern auch die Qualität der Erfahrung und der nachträglichen Reflexion wertzuschätzen.

Praktische Verwendbarkeit

Dieser eher philosophisch anmutende Ausdruck eignet sich nicht für lockere Alltagsgespräche, sondern für Kontexte, in denen über Grundsätzliches nachgedacht oder gesprochen wird. Er ist ideal für anspruchsvolle Reden, Vorträge oder schriftliche Betrachtungen.

  • Ansprachen und Vorträge: Perfekt, um einen Abschnitt über Erfolg, Zufriedenheit oder Arbeitsphilosophie abzurunden. "Wir haben das Projekt termingerecht abgeschlossen, doch lassen Sie uns bedenken: Das Wohlgefallen ist eine Vollendung des Wirkens. Erst die positive Resonanz unseres Teams und der Kunden macht diese Arbeit wirklich rund."
  • Persönliche Reflexion oder Coaching: Als Leitgedanke zur Selbstbewertung. "Prüfen Sie nicht nur, ob Sie Ihre To-Do-Liste abgearbeitet haben. Fragen Sie sich: Empfinde ich Wohlgefallen? Denn das ist die wahre Vollendung."
  • Künstlerische oder kreative Bereiche: Hier passt der Satz ausgezeichnet, um den Moment der Fertigstellung eines Werkes zu beschreiben, der erst mit der eigenen Zufriedenheit und der Betrachtung eintritt.

Vermeiden sollten Sie die Redewendung in Situationen, die Schnelligkeit oder rein sachliche Information erfordern. In salopper Unterhaltung würde sie wahrscheinlich befremdlich wirken. Ihr angestammter Platz ist die reflektierte, vielleicht sogar feierliche Betrachtung.

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