Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen.

Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen.

Autor: Thomas von Aquin

Herkunft

Die Aussage "Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen" ist kein klassisches Sprichwort mit volkstümlichem Ursprung. Sie lässt sich vielmehr auf den dänischen Philosophen und Theologen Søren Kierkegaard (1813-1855) zurückführen. Die prägnante Formulierung findet sich in seinem Werk "Entweder – Oder", das 1843 unter dem Pseudonym Victor Eremita veröffentlicht wurde. Im ersten Teil des Buches, der den ästhetischen Lebensentwurf darlegt, steht dieser Satz als eine Art düstere Maxime. Kierkegaard setzt sie ein, um die Verzweiflung und innere Leere eines Lebens zu beschreiben, das sich nur an unmittelbaren Genüssen und wechselnden Stimmungen orientiert, ohne eine feste ethische oder religiöse Grundlage zu besitzen. Der Kontext ist also ein tief philosophischer und dient der Illustration einer existenziellen Krise.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen klingt der Satz wie eine universelle und unabwendbare Verurteilung jeglichen Handelns. In seiner übertragenen und ursprünglich intendierten Bedeutung ist er jedoch eine provokative Zuspitzung und keine lebenspraktische Anleitung. Kierkegaard wollte damit aufzeigen, dass ein Mensch, der keine verbindlichen Werte oder Entscheidungskriterien hat, in einen Zustand der Reue über jede getroffene Wahl gerät – einfach, weil die Alternative stets verlockend erscheint. Ein häufiges Missverständnis ist, den Satz als fatalistischen Ratschlag oder als Aufforderung zur Untätigkeit zu lesen ("Egal was ich mache, es ist falsch, also mache ich lieber gar nichts"). Das war nicht Kierkegaards Absicht. Es geht ihm um die Qual der Wahlfreiheit und die Notwendigkeit, sich aus dieser durch einen "Sprung" in den Glauben oder eine entschiedene ethische Haltung zu befreien. Kurz interpretiert: Wahre, anhaltende Zufriedenheit findet man nicht durch das Abwägen äußerer Vorteile, sondern nur durch ein inneres, leidenschaftliches Bekenntnis.

Relevanz heute

Die Redewendung hat auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren, vielleicht ist sie sogar relevanter denn je. In einer Gesellschaft, die von Choice Overload (Entscheidungsüberfluss) und der ständigen Suche nach Selbstoptimierung geprägt ist, trifft Kierkegaards Diagnose einen Nerv. Die ständige Verfügbarkeit von Alternativen – im Beruf, in Beziehungen, beim Konsum – kann genau jenes Gefühl nähren: dass man, egal welche Wahl man trifft, die verpassten Möglichkeiten irgendwann bereuen könnte. Die Formulierung wird heute oft aufgegriffen, um das moderne Phänomen der Entscheidungsangst und des "Fear of Missing Out" (FOMO) auf eine philosophisch fundierte und pointierte Weise zu beschreiben. Sie dient als Denkanstoß in Diskussionen über Lebensführung, Psychologie und die Schattenseiten der grenzenlosen Freiheit.

Praktische Verwendbarkeit

Der Satz ist aufgrund seiner Tiefe und Schroffheit nicht für lockere Alltagsgespräche geeignet, wo er als übertrieben melodramatisch oder zynisch wirken könnte. Seine Stärke entfaltet er in Kontexten, die eine reflektierte Auseinandersetzung mit Lebensfragen erlauben.

  • In Vorträgen oder Essays zu Themen wie Entscheidungsfindung, Psychologie oder Philosophie kann er als einprägsames Zitat dienen, um einen Problemaufriss zu beginnen oder zu pointieren.
  • In persönlichen oder beratenden Gesprächen kann er verwendet werden, um ein Gefühl der Überforderung und Reue zu benennen, das über konkrete Einzelfälle hinausgeht. Man sollte ihn jedoch erklärend einbetten, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Für eine Trauerrede ist der Satz in seiner rohen Form zu hart und absolut. Er könnte allenfalls abgewandelt werden, um über die Unvollkommenheit des Lebens und die Akzeptanz getroffener Entscheidungen im Angesicht des Endes nachzudenken.

Gelungene Beispiele für die Einbettung wären: "In unserer übervollen Welt scheint manchmal Kierkegaards düstere Prognose wahr zu werden: 'Was immer du tust, irgendwann wirst du es bereuen.' Doch vielleicht ist die Lösung nicht, keine Entscheidungen mehr zu treffen, sondern zu lernen, sie nachträglich nicht zu verraten." Oder: "Die ständige Sorge, die falsche Wahl getroffen zu haben, kann uns lähmen. Dieses Gefühl hat der Philosoph Kierkegaard schon im 19. Jahrhundert auf den Punkt gebracht..."

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