Beredsamkeit ist die Kunst, so von den Dingen zu sprechen, …
Beredsamkeit ist die Kunst, so von den Dingen zu sprechen, daß jedermann gern zuhört.
Autor: Blaise Pascal
Herkunft
Die prägnante Definition "Beredsamkeit ist die Kunst, so von den Dingen zu sprechen, daß jedermann gern zuhört" wird häufig dem französischen Schriftsteller und Moralisten Jean de La Bruyère zugeschrieben. Sie findet sich in seinem Hauptwerk "Les Caractères ou les Mœurs de ce siècle" (Die Charaktere oder die Sitten dieses Jahrhunderts), das 1688 erstmals erschien. Das Werk ist eine Sammlung von Beobachtungen und Aphorismen über die französische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts. Der Satz steht im Kapitel "Von der Gesellschaft und der Unterhaltung" und stellt dort eine knappe, bis heute gültige Maxime dar, die den Kern effektiver Kommunikation auf den Punkt bringt.
Bedeutungsanalyse
La Bruyères Aussage trennt Beredsamkeit klar von bloßer Wortgewandtheit oder gar Geschwätzigkeit. Wörtlich beschreibt sie eine Fähigkeit (Kunst), über beliebige Themen (die Dinge) derart zu sprechen, dass alle Zuhörer freiwillig und mit Interesse folgen. Die übertragene Bedeutung geht jedoch tiefer: Wahre Eloquenz liegt nicht im Sprecher selbst oder in komplexen Rhetoriktricks, sondern in der Wirkung auf das Publikum. Ein häufiges Missverständnis ist, dass es dabei vor allem um unterhaltsame oder oberflächliche Themen gehen müsse. La Bruyère meint jedoch das Gegenteil: Die hohe Kunst besteht darin, auch über komplexe, trockene oder schwierige "Dinge" so zu referieren, dass die Zuhörenden gebannt sind. Es ist eine Definition, die den Zuhörer in den Mittelpunkt stellt und erfolgreiche Kommunikation am geteilten Interesse misst, nicht an der Brillanz des Vortrags allein.
Relevanz heute
Die Relevanz dieser fast 350 Jahre alten Sentenz ist heute größer denn je. In einer Zeit der Informationsüberflutung und kurzen Aufmerksamkeitsspannen ist die Fähigkeit, Inhalte so aufzubereiten, dass Menschen gerne zuhören, ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Dies gilt für Lehrer und Dozenten ebenso wie für Führungskräfte, Podcaster, Politiker oder Content Creator. Der Satz erinnert uns daran, dass Kommunikation immer eine Dienstleistung für den Empfänger ist. Moderne Konzepte wie "Storytelling", "Audience Engagement" oder "User Experience" sind im Grunde zeitgemäße Ausformungen von La Bruyères Grundidee. Die Redewendung wird nach wie vor zitiert, wenn es darum geht, den Unterschied zwischen einem langweiligen Monolog und einer fesselnden Präsentation zu beschreiben.
Praktische Verwendbarkeit
Dieser Ausspruch ist vielseitig einsetzbar, jedoch eher in reflektierenden oder lehrreichen Kontexten als in der alltäglichen Umgangssprache. Er eignet sich hervorragend, um einen Vortrag über Kommunikation einzuleiten oder abzuschließen. In einer Trauerrede wäre er wahrscheinlich zu analytisch und distanziert. Ideal ist er jedoch in Seminaren, Coachings oder schriftlichen Abhandlungen zum Thema Rhetorik, Führung oder Didaktik. Sie können ihn nutzen, um einen Kollegen zu loben, der ein schwieriges Thema besonders zugänglich erklärt hat, oder um in einem Meeting den eigenen Ansatz zu begründen.
Hier finden Sie konkrete Beispiele für die Anwendung:
- In einem Rhetorik-Seminar: "Vergessen Sie die komplizierten Regeln für einen Moment. Denken Sie an La Bruyère: 'Beredsamkeit ist die Kunst, so von den Dingen zu sprechen, daß jedermann gern zuhört'. Ihr oberstes Ziel ist es, dass Ihr Publikum Sie gerne hört."
- Als Feedback für einen gelungenen Vortrag: "Sie haben die komplizierten Daten der Marktanalyse wirklich lebendig werden lassen. Das war ein perfektes Beispiel dafür, was man unter der Kunst, so zu sprechen, dass alle gerne zuhören, verstehen kann."
- In einem Artikel über moderne Wissensvermittlung: "Der alte Satz von La Bruyère trifft den Nerv unserer Zeit: Ob in einem Erklärvideo oder einem Podcast – der Erfolg liegt nicht im Was, sondern im Wie der Darstellung."
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