Neigungen zu haben und sie zu beherrschen, ist rühmlicher …
Neigungen zu haben und sie zu beherrschen, ist rühmlicher als Neigungen zu meiden.
Autor: Novalis
Herkunft
Die prägnante Sentenz "Neigungen zu haben und sie zu beherrschen, ist rühmlicher als Neigungen zu meiden" stammt aus dem Werk "Die Wahlverwandtschaften" von Johann Wolfgang von Goethe. Das Zitat erscheint im zweiten Teil des Romans, Kapitel sieben, und wird im Kontext eines Gesprächs über Charakterbildung und Selbstdisziplin geäußert. Es ist eine der vielen philosophischen Betrachtungen, die Goethe in seine Erzählung über Ehe, Leidenschaft und Moral einwebt. Die Erstveröffentlichung des Romans erfolgte im Jahr 1809, wodurch dieses Gedankengut der deutschen Klassik zuzuordnen ist.
Bedeutungsanalyse
Goethes Aussage ist ein Plädoyer für einen reifen und aktiven Umgang mit der menschlichen Natur. Wörtlich spricht sie von "Neigungen", also natürlichen Trieben, Vorlieben oder auch Leidenschaften. Die zentrale Botschaft ist übertragen zu verstehen: Es ist lobenswerter, seine inneren Antriebe anzuerkennen und durch Willenskraft zu lenken, als sie zu verleugnen oder ängstlich zu umgehen. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, Goethe würde maßloses Ausleben befürworten. Das Gegenteil ist der Fall. Der Schlüsselbegriff ist "beherrschen". Die eigentliche Tugend und der Ruhm liegen nicht in der Abwesenheit von Neigungen, sondern in der souveränen Selbstkontrolle trotz ihrer Anwesenheit. Es ist ein Appell zur Integration aller menschlichen Facetten, nicht zu ihrer Verdrängung.
Relevanz heute
Die Relevanz dieses Gedankens ist in der modernen Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung ungebrochen hoch. Während gesellschaftliche Debatten oft zwischen völliger Triebbefreiung und strengem Askese-Purismus pendeln, bietet Goethes Mittelweg eine zeitlose Alternative. In einer Zeit, die von Selbstoptimierung und dem Streben nach einem makellosen Leben geprägt ist, erinnert der Satz daran, dass wahre Stärke in der Auseinandersetzung mit den eigenen Unvollkommenheiten liegt. Konzepte wie "Selbstakzeptanz" und "emotionale Regulation" in der positiven Psychologie spiegeln diesen Geist wider. Die Redewendung findet sich daher weniger im alltäglichen Sprachgebrauch, sondern vielmehr als geistiges Fundament in Coachings, philosophischen Diskussionen oder bei der Betrachtung von Charakterstärke.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich hervorragend für Kontexte, in denen es um persönliches Wachstum, Führung oder ethische Reflexion geht. Seine würdevolle und klassische Formulierung macht es ideal für anspruchsvolle Vorträge, schriftliche Essays oder auch in einer Trauerrede, um das Lebensprinzip eines verstorbenen Menschen zu würdigen. In einem lockeren Gespräch könnte es als zu formell oder pathetisch wirken. Hier könnte man den Gedanken in eigene Worte fassen.
Gelungene Anwendungsbeispiele sind:
- In einem Vortrag über Führungsethik: "Eine gute Führungskraft zeichnet sich nicht durch die Abwesenheit von Egoismus aus, sondern durch die Fähigkeit, ihn im Sinne des Teams zu beherrschen. Wie Goethe wusste, ist es rühmlicher, Neigungen zu haben und sie zu beherrschen, als sie bloß zu meiden."
- In einem persönlichen Rat: "Sie müssen Ihre ambitionierten Ziele nicht aufgeben, nur weil Sie manchmal Angst verspüren. Der klassische Ansatz ist, die Neigung zur Bequemlichkeit anzuerkennen und dennoch diszipliniert zu handeln. Das ist die wahre Kunst."
- In einer schriftlichen Reflexion: "Mein Weg zur Gelassenheit führte nicht über die Unterdrückung meines Temperaments, sondern über dessen bewusste Steuerung – eine Bestätigung der alten Weisheit, dass Beherrschung rühmlicher ist als Vermeidung."
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