In der Politik darf man sich, um ein bestimmtes Ziel zu …
In der Politik darf man sich, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, mit dem Teufel selbst verbünden - nur muß man die Gewißheit haben, daß man den Teufel betrügt, und nicht umgekehrt.
Autor: unbekannt
Herkunft
Die genaue Herkunft dieser scharfzüngigen Maxime ist nicht mit letzter Sicherheit zu bestimmen. Sie wird häufig dem italienischen Staatsmann und politischen Philosophen Niccolò Machiavelli (1469-1527) zugeschrieben, findet sich jedoch nicht wörtlich in seinem Hauptwerk "Der Fürst". Die Sentenz verkörpert dennoch in prägnanter Form den kernt machiavellistischen Gedanken: In der Politik zählt der Erfolg, und moralische Bedenken müssen dem Staatsinteresse untergeordnet werden. Der Ausspruch taucht in verschiedenen Varianten in der europäischen Literatur und politischen Debatte auf und gilt als eine volkstümliche Zuspitzung realpolitischen Denkens. Eine frühe schriftliche Fixierung findet sich beispielsweise in der 1852 veröffentlichten Schrift "Bilder und Träume aus Wien" von Johann Most, wo es heißt: "Man darf sich mit dem Teufel verbünden, wenn man nur sicher ist, daß man ihn betrügt."
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung beschreibt eine extrem risikoreiche und zynische Strategie der Zweckbündnispolitik. Wörtlich genommen rät sie zu einem Pakt mit dem personifizierten Bösen, dem Teufel. In der übertragenen Bedeutung steht "der Teufel" für einen skrupellosen, gefährlichen oder moralisch verwerflichen Partner, etwa einen korrupten Geschäftsmann, einen brutalen Diktator oder eine verbrecherische Organisation.
Der entscheidende und oft missverstandene Teil der Aussage liegt in der Bedingung: "nur muß man die Gewißheit haben, daß man den Teufel betrügt". Es geht nicht um eine einfache Kooperation, sondern um einen bewussten Täuschungsakt. Derjenige, der das Bündnis eingeht, muss von vornherein die Absicht und die überlegene List besitzen, den vermeintlichen Partner zu übervorteilen und seinerseits zum Betrüger zu werden. Ein typisches Missverständnis ist die Annahme, es handele sich um eine Gleichung unter Gleichen. Tatsächlich warnt der Spruch indirekt davor, dass der "Teufel" in der Regel der erfahrenere Betrüger ist. Die Redewendung ist somit weniger eine Handlungsanleitung als vielmehr eine düstere Warnung vor den pervertierenden Mechanismen der Macht: Wer mit dem Bösen paktiert, muss selbst böse werden – und dabei hoffen, der Bessere im Bösen zu sein.
Relevanz heute
Die Aussage hat nichts von ihrer schockierenden Aktualität verloren. Sie dient als griffiges sprachliches Bild, um fragwürdige politische oder geschäftliche Allianzen zu kommentieren. Diskutiert wird sie im Kontext von Geopolitik, wenn Demokratien sich aus strategischen Gründen mit autokratischen Regimen arrangieren. In Wirtschaftskommentaren taucht sie auf, wenn Unternehmen mit zweifelhaften Zulieferern oder Investoren zusammenarbeiten. Auch in gesellschaftlichen Debatten, etwa über den Umgang mit extremistischen Gruppierungen, wird das Diktum zitiert. Es fungiert als moralischer Prüfstein und fordert uns auf, über die langfristigen Kosten kurzfristiger taktischer Vorteile nachzudenken. In einer Welt komplexer Interessenlagen bleibt die Frage brennend: Kann man das Feuer bekämpfen, indem man es füttert, ohne selbst zu verbrennen?
Praktische Verwendbarkeit
Die Redewendung ist aufgrund ihrer drastischen Metaphorik und ihres zynischen Untertons nicht für jede Situation geeignet. Sie wirkt in analytischen oder kritischen Kontexten, wo sie als pointierte Zusammenfassung eines Dilemmas dient.
Geeignete Kontexte:
- Kommentare und Analysen: In politischen Kolumnen, wirtschaftlichen Fachartikeln oder Essays, um ein riskantes Zweckbündnis zu charakterisieren. Beispiel: "Die Kooperation mit dem Regime folgt der alten Logik, man könne sich mit dem Teufel verbünden, wenn man ihn nur betrügt. Die Geschichte lehrt, dass der Teufel meist den längeren Atem hat."
- Ansprachen vor Fachpublikum: Bei Vorträgen über Strategie, Ethik oder Politik, um eine ethische Grauzone zu markieren. Hier sollte die Redewendung jedoch erläutert werden.
- Literarische oder historische Betrachtungen: Zur Beschreibung historischer Figuren oder Entscheidungen, etwa im Zusammenhang mit Kriegskoalitionen.
Ungeeignete Kontexte:
- Trauerreden oder feierliche Anlässe: Der zynische Grundton ist hier völlig fehl am Platz.
- Alltägliche Gespräche oder lockere Smalltalks: Die Aussage wäre zu schwerfällig und könnte als überheblich wirken.
- Direkte Verhandlungen oder Konfliktgespräche: Die implizite Unterstellung, der Gegenüber sei "der Teufel", wäre natürlich höchst beleidigend und kontraproduktiv.
Ein gelungenes Anwendungsbeispiel in einer Rede zur Unternehmensethik könnte lauten: "Wenn wir zur Erreichung unserer Quartalsziele bewusst Geschäfte mit einem unseriösen Partner eingehen, spielen wir ein gefährliches Spiel nach der Devise, man dürfe sich mit dem Teufel verbünden. Doch haben wir wirklich die Gewissheit, am Ende nicht die Betrogenen zu sein?"