Wenn das Gesetz gebrochen werden muss, dann nur, um die …

Wenn das Gesetz gebrochen werden muss, dann nur, um die Macht zu ergreifen; ansonsten ist es heilig zu halten.

Autor: unbekannt

Herkunft

Die genaue Herkunft dieses prägnanten Satzes ist nicht zweifelsfrei zu klären. Er wird oft im politisch-philosophischen Diskurs verwendet und spiegelt eine radikale, machtzentrierte Haltung wider, die mit dem Gedankengut von Revolutionären oder Machtpragmatikern assoziiert wird. Eine konkrete Erstnennung bei einem bestimmten Autor oder in einem historischen Dokument lässt sich nicht sicher belegen. Der Satz fungiert eher als eine zugespitzte Maxime, die eine bestimmte Weltsicht auf den Punkt bringt, als ein klassisches Zitat mit klar verifizierbarem Ursprung.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung stellt eine scheinbar paradoxe Doppelregel auf. Wörtlich erklärt sie das Gesetz für "heilig", also für unantastbar und absolut zu befolgen. Im selben Atemzug erlaubt sie jedoch eine einzige, gewaltige Ausnahme: den Bruch des Gesetzes ist erlaubt, wenn es dem ultimativen Ziel dient, die Macht an sich zu reißen. Die übertragene Bedeutung enthüllt einen zynischen Pragmatismus. Sie besagt, dass moralische oder legale Prinzipien nur so lange gelten, wie sie der eigenen Position nützen. Sobald sich durch ihren Bruch die Gelegenheit zur Machtergreifung bietet, werden sie beiseitegeschoben. Ein typisches Missverständnis wäre, in dem Satz eine legitime politische Theorie zu sehen. Es handelt sich vielmehr um eine schonungslose Beschreibung des Machiavellismus, bei dem der Zweck (die Macht) jedes Mittel heiligt. Die eigentliche "Heiligkeit" gilt nicht dem Gesetz, sondern der Macht selbst.

Relevanz heute

Die Aussage ist heute hochrelevant, allerdings weniger als Handlungsanleitung denn als analytische Linse. Sie wird selten wörtlich zitiert, aber ihr Geist ist in politischen und wirtschaftlichen Debatten allgegenwärtig. Leser erkennen in ihr die Logik hinter Putschen, der Umgehung von Verfassungen oder auch in Skandalen, wo Eliten sich über geltendes Recht hinwegsetzen, um ihre Position zu sichern oder auszubauen. In Diskussionen über Autoritarismus, Lobbyismus oder "too big to fail"-Mentalitäten dient die Redewendung als scharfe Kurzformel, um zu kritisieren, wenn Machterhalt über Rechtsstaatlichkeit gestellt wird. Ihre Aktualität beweist sie immer dann, wenn das Prinzip "Das Recht gilt für alle" gegen das Motto "Das Recht gilt nur für die anderen" ausgespielt wird.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung ist aufgrund ihrer Schärfe und Radikalität nicht für lockere Alltagsgespräche oder positive Anlässe wie Trauerreden geeignet. Ihre Verwendung ist spezifisch und erfordert einen passenden Kontext.

Sie eignet sich hervorragend für analytische oder kritische Vorträge, etwa in politischen Seminaren, bei Diskussionen über politische Ethik oder in Kommentaren zu aktuellen Machtverschiebungen. In einem Essay oder Leitartikel kann sie als provokative These eingeführt werden, die anschließend erläutert und belegt wird. Im privaten Gespräch unter politisch Interessierten kann sie als zugespitzte Zusammenfassung einer kritischen Beobachtung dienen.

Wichtig ist stets, dass die eigene Distanzierung von der Maxime klar wird, es sei denn, Sie verwenden sie in einer rein darstellenden, erklärenden Absicht. Sie wirkt sonst schnell verharmlosend oder befürwortend.

Gelungene Anwendungsbeispiele wären:

  • In einem Vortrag: "Die heimliche Maxime des Regimes scheint gewesen zu sein: 'Wenn das Gesetz gebrochen werden muss, dann nur, um die Macht zu ergreifen; ansonsten ist es heilig zu halten.' Dies erklärt die systematische Aushöhlung der Justiz."
  • In einer politischen Analyse: "Der Putsch generalisierte jene zynische Regel, die Machtpolitiker oft im Stillen befolgen: Gesetze sind nur solange bindend, wie sie die eigene Herrschaft nicht gefährden."
  • Als kritische Frage in einer Debatte: "Handelt es sich hier nicht um die Anwendung jenes alten Prinzips, dass Gesetzesbrüche allein dem Machterhalt vorbehalten sind?"