Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die …

Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige.

Autor: Voltaire

Herkunft

Die prägnante Aussage "Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige" wird Voltaire zugeschrieben, doch ihre genaue Herkunft ist nicht eindeutig in einem seiner Hauptwerke verortet. Es handelt sich höchstwahrscheinlich um eine zugespitzte Paraphrase seiner literarischen Haltung, die sich aus seinem umfangreichen Briefwechsel und seinen kritischen Essays ableiten lässt. Der Geist des Zitats spiegelt exakt die Forderungen der Aufklärung wider: Klarheit, Eleganz und vor allem geistreiche Unterhaltung im Dienst der Vernunft. Voltaire verachtete pedantische, schwerfällige oder dogmatische Prosa, wie sie in theologischen oder akademischen Schriften seiner Zeit oft zu finden war. Sein Diktum ist somit weniger ein Zitat im engen Sinne, sondern vielmehr eine prägnante Zusammenfassung seines gesamten schriftstellerischen Credos.

Biografischer Kontext

Voltaire, eigentlich François-Marie Arouet, war nicht nur ein Schriftsteller, sondern eine kulturelle Institution des 18. Jahrhunderts. Er war der unbestrittene Star der europäischen Aufklärung, ein scharfzüngiger Satiriker, Philosoph und unermüdlicher Kämpfer gegen Intoleranz und Willkür. Was ihn für uns heute so faszinierend macht, ist seine Rolle als einer der ersten wirklichen Intellektuellen, der seine publizistische Macht nutzte, um konkrete Ungerechtigkeiten anzugreifen – am bekanntesten in der Affäre Calas. Seine Weltsicht war geprägt von einem tiefen Misstrauen gegen Autoritäten, sei es die Kirche oder der absolutistische Staat, und einem unerschütterlichen Glauben an die Kraft der Vernunft, der Kritik und des Esprits. Voltaire dachte in globalen Zusammenhängen, war ein geschickter Netzwerker und verstand es wie kein Zweiter, komplexe Ideen unterhaltsam und für ein breites Publikum verständlich zu verpacken. Sein Erbe ist der mündige, kritische Bürger, der den Mut hat, seinen eigenen Verstand zu gebrauchen und dabei stets den Witz und die Eleganz nicht zu vergessen.

Bedeutungsanalyse

Mit diesem Ausspruch verteidigt Voltaire keineswegs schludriges oder beliebiges Schreiben. Im Gegenteil: Es ist ein Plädoyer für handwerkliche Meisterschaft und geistige Anstrengung. Die "erlaubten" Arten zu schreiben umfassen für ihn die Satire, die philosophische Abhandlung, das Drama, die Poesie – jede Form, die den Leser fesselt, belehrt oder zum Nachdenken anregt. Das eigentliche Verbrechen ist die Langeweile, die aus geistiger Trägheit, mangelnder Originalität oder unterwürfigem Denken entsteht. Ein häufiges Missverständnis wäre, in dem Zitat eine Aufforderung zu reinem Sensationalismus oder oberflächlicher Unterhaltung zu sehen. Voltaires Ziel war stets die Verbindung von "utile et dulci", des Nützlichen und des Angenehmen. Langweilige Prosa, so seine implizite Kritik, versagt auf beiden Ebenen: Sie erhellt den Geist nicht und erfreut den Leser nicht. Wahre Freiheit des Schreibens beweist sich demnach in der Fähigkeit, Bedeutsames auf eine fesselnde Art zu vermitteln.

Relevanz heute

Das Zitat hat nichts von seiner Schärfe verloren und ist im digitalen Zeitalter relevanter denn je. In einer Welt des Informationsüberflusses, in der Aufmerksamkeit die wertvollste Währung ist, ist Voltaires Imperativ zur Vermeidung von Langeweile zum Überlebensprinzip für jeden geworden, der schreibt – ob Journalist, Marketingspezialist, Wissenschaftler oder Social-Media-Manager. Es kritisiert indirekt die bürokratische Sprache von Behörden, die unverständlichen Fachjargone mancher Experten und die seelenlose Floskelprosa in vielen Unternehmen. Gleichzeitig feiert es die Vielfalt der modernen Ausdrucksformen: vom Blogpost über den Podcast bis zum Thread. Die Frage "Ist das langweilig?" ist heute eine der wichtigsten Qualitätskontrollen für jede Art von Content. Voltaire erinnert uns daran, dass selbst die tiefgründigste Botschaft wirkungslos bleibt, wenn sie niemanden erreicht, weil ihre Form einschläfert.

Praktische Verwendbarkeit

Dieses Zitat ist ein vielseitiges Werkzeug für alle, die mit Sprache und Präsentation zu tun haben. Es eignet sich hervorragend als Leitmotiv oder pointierter Einstieg in folgenden Situationen:

  • Für Reden und Präsentationen: Nutzen Sie es zu Beginn eines Vortrags, um das Publikum für sich einzunehmen und klarzustellen, dass Sie um ihre kostbare Aufmerksamkeit wissen. Es dient als perfekte Rechtfertigung für den Einsatz von Storytelling, Humor oder ungewöhnlichen Visualisierungen.
  • Im kreativen und journalistischen Bereich: Als Motto für Schreibratgeber, Workshops oder Editorial Guidelines. Es ermutigt Teams, klare, lebendige und leserfreundliche Texte zu verfassen und eingefahrene Formate zu hinterfragen.
  • Für persönliche Botschaften: In einer Geburtstagsrede oder einem besonderen Brief unterstreicht das Zitat den Wert, den Sie auf eine persönliche, originelle und herzliche Formulierung legen, die sich von standardisierten Glückwünschen abhebt.
  • Als konstruktive Kritik: In einem Lektorat oder Feedbackgespräch kann das Zitat auf charmante Weise den Finger in die Wunde legen, ohne den Autor persönlich anzugreifen. Die Frage "Wie könnten wir diesen Abschnitt weniger... voltairesch gesprochen... langweilig gestalten?" öffnet Türen für kreative Lösungen.

Letztlich ist es eine Aufforderung an Sie selbst: Wo in Ihrem eigenen Schreiben oder Ihrer Kommunikation haben Sie sich mit dem Langweiligen, Vorhersehbaren oder Uninspirierten abgefunden? Voltaires Spruch ist der Ansporn, es besser zu machen.

Mehr Sonstiges