Jeder Mensch kommt mit einer sehr großen Sehnsucht nach …
Jeder Mensch kommt mit einer sehr großen Sehnsucht nach Herrschaft, Reichtum und Vergnügen sowie mit einem starken Hang zum Nichtstun auf die Welt. So möchte jeder das Geld und die Frauen oder Mädchen der anderen haben, mochte er ihr Gebieter sein, sie allen seinen Launen gefügig machen und nichts oder zumindest nur sehr angenehme Dinge tun.
Autor: unbekannt
Herkunft
Die genaue Herkunft dieser Aussage ist nicht mit letzter Sicherheit zu bestimmen. Sie wird häufig im Internet als anonymes Zitat oder Redewendung verbreitet, ohne dass ein konkreter Urheber oder ein erstmaliges Auftreten in einem historischen Text nachgewiesen werden kann. Aufgrund ihrer gedanklichen Schärfe und ihres zynischen Realismus wird sie mitunter fälschlich großen Denkern wie Arthur Schopenhauer oder auch François de La Rochefoucauld zugeschrieben, deren Werk ähnliche Themen behandelt. Eine verlässliche Quelle oder ein Erstbeleg in der Literaturgeschichte liegt jedoch nicht vor. Daher verzichten wir an dieser Stelle auf Spekulationen und belassen es bei der Feststellung, dass es sich um ein anonymes, modern kursierendes Lebensmotto mit philosophischem Anklang handelt.
Bedeutungsanalyse
Bei diesem Satz handelt es sich weniger um eine klassische Redewendung im Sinne einer feststehenden phraseologischen Wendung, sondern vielmehr um ein pointiertes Lebensmotto oder eine zugespitzte Charakterstudie. Wörtlich beschreibt es eine anthropologische Grundannahme: Jeder Mensch werde mit bestimmten egoistischen Trieben geboren. In der übertragenen Bedeutung fungiert der Text als eine Art schonungsloser Spiegel. Er kritisiert die unverblümten, oft verdrängten Antriebe hinter menschlichem Handeln – Machtstreben, Besitzgier, Lustprinzip und Faulheit.
Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, der Autor würde diese Triebe gutheißen oder zur Nachahmung empfehlen. Bei genauerer Lektüre wird jedoch klar, dass es sich um eine deskriptive, vielleicht sogar resignativ-ironische Feststellung handelt. Der Satz entlarvt eine universelle menschliche Schwäche, ohne sie zu beschönigen. Er interpretiert sich somit als ein Appell zur Selbstreflexion: Erkennen Sie in sich selbst diese Antriebe, um sie besser zu kontrollieren oder um die Handlungen anderer besser zu verstehen.
Relevanz heute
Die Aussage hat an Aktualität nichts verloren, im Gegenteil. In einer Zeit, die von sozialen Medien, Konsumkultur und der ständigen Inszenierung eines idealen Lebens geprägt ist, wirkt diese nüchterne Diagnose wie ein erfrischendes Gegenmittel. Sie erklärt psychologisch fundiert Phänomene wie Neid, die Gier nach Status oder den Wunsch nach einem mühelosen Leben.
Verwendet wird der Spruch heute oft in Diskussionen über Philosophie, Psychologie oder Gesellschaftskritik. Man findet ihn als prägnantes Zitat in Essays, in Blogs zu persönlicher Entwicklung oder auch in humorvollem Kontext, wenn es darum geht, die eigene Lust auf das Nichtstun zu rechtfertigen. Er dient als gedanklicher Ankerpunkt, um über die dunkleren Seiten der menschlichen Natur zu sprechen, die in der öffentlichen Debatte oft ausgeblendet werden.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Lebensmotto ist aufgrund seiner direkten und schonungslosen Sprache nicht für jeden Anlass geeignet. Seine Verwendung erfordert Fingerspitzengefühl.
Geeignete Kontexte:
- Philosophische oder gesellschaftskritische Vorträge: Als eröffnendes oder pointierendes Zitat, um eine Diskussion über menschliche Motivationen anzustoßen.
- Ansprachen in kleinem, reflektiertem Kreis: Etwa bei einem Treffen von Buchclubs oder Diskussionsrunden, wo man über grundlegende menschliche Antriebe sprechen möchte.
- Literarische oder essayistische Texte: Als kraftvolle These, die im weiteren Verlauf analysiert und hinterfragt wird.
Ungeeignete Kontexte:
- Trauerreden oder feierliche Anlässe: Der zynische Unterton wäre hier deplatziert und könnte verletzend wirken.
- Motivationsreden oder Coaching-Sitzungen: Die Aussage wirkt demotivierend und fatalistisch, wenn sie nicht explizit als Herausforderung zum Überwinden dieser Triebe gerahmt wird.
- Alltägliche Smalltalk-Situationen: Die Schwere und Direktheit des Themas wäre für ein lockeres Gespräch unpassend.
Beispielsätze für eine gelungene Verwendung:
"In der Debatte um die Ursachen von sozialer Ungleichheit sollten wir einen alten, anonymen Spruch nicht vergessen, der da sagt: 'Jeder Mensch kommt mit einer sehr großen Sehnsucht nach Herrschaft, Reichtum und Vergnügen auf die Welt...'. Vielleicht müssen wir uns dieser unbequemen Wahrheit über unsere Grundantriebe stellen, um gerechtere Systeme zu entwerfen."
"Manchmal, wenn ich den endlosen Konsum in den sozialen Medien sehe, muss ich an jenes Lebensmotto denken, das unsere verborgenen Wünsche nach Besitz und Anerkennung so gnadenlos auf den Punkt bringt. Es ist ein Spiegel, in den wir nur ungern schauen."