Ein ehrliches Spiel unter guten Freunden ist ein redlicher …

Ein ehrliches Spiel unter guten Freunden ist ein redlicher Zeitvertreib.

Autor: unbekannt

Herkunft

Die prägnante Sentenz "Ein ehrliches Spiel unter guten Freunden ist ein redlicher Zeitvertreib" entstammt dem Werk "Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing. Das Lustspiel wurde 1767 uraufgeführt und markiert einen Wendepunkt in der deutschen Literaturgeschichte. Der Satz fällt im fünften Akt, fünfter Auftritt, aus dem Mund des Wirts. In dieser Szene kommentiert er das Kartenspiel zwischen dem Major Tellheim und seinem Diener Just. Der Kontext ist entscheidend: Das Spiel findet in einer angespannten, von Missverständnissen geprägten Situation statt, dient aber dennoch als Moment der fairen und respektvollen Interaktion zwischen den ungleichen Partnern. Lessing nutzt die Alltagssituation, um ein kleines, aber bedeutsames Ideal menschlichen Miteinanders zu formulieren.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung beschreibt mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung. Auf der wörtlichen Ebene preist sie ein Spiel an, das ohne Betrug und mit gegenseitigem Respekt ausgeübt wird. Die Übertragung auf zwischenmenschliche Beziehungen ist jedoch der eigentliche Kern. "Ehrlich" meint hier Aufrichtigkeit und Fairness, während "redlich" (ein heute selteneres Wort für rechtschaffen, anständig) den moralischen Wert dieser Tätigkeit unterstreicht. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es ginge primär um den Zeitvertreib selbst. In Wahrheit steht die Qualität der Beziehung im Vordergrund. Die Aussage lautet im Kern: Eine gemeinsame, scheinbar belanglose Tätigkeit wird durch die Integrität der Beteiligten und die Tiefe ihrer Freundschaft zu einer wertvollen und charakterstärkenden Handlung. Sie ist eine kleine Feier der Vertrauenswürdigkeit.

Relevanz heute

Die Sentenz hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, auch wenn das Wort "redlich" im alltäglichen Sprachgebrauch zurückgegangen ist. In einer Zeit, die von digitaler Kommunikation und oft oberflächlichen Kontakten geprägt ist, gewinnt die Idee eines "ehrlichen Spiels" unter Freunden neue Bedeutung. Sie steht für echtes, unverfälschtes Zusammensein. Man findet das Prinzip heute in Brettspielabenden unter Freunden, beim sportlichen Wettkampf ohne Schiedsrichter auf dem Bolzplatz oder in kooperativen Videospielen, bei denen Teamgeist zählt. Die Redewendung fasst ein zeitloses Bedürfnis zusammen: den Wunsch nach ungekünstelten Momenten der Gemeinschaft, in denen man sich auf die Fairness und den guten Willen der anderen verlassen kann. Sie ist ein Gegenentwurf zu einer von Konkurrenz und Misstrauen bestimmten Interaktion.

Praktische Verwendbarkeit

Dieser Ausdruck eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie die Qualität einer Beziehung oder einer gemeinsamen Aktivität würdigen möchten. Er ist zu schön und gehaltvoll für den flapsigen Smalltalk, passt aber perfekt in persönliche Reden, etwa bei einer Geburtstagsfeier für einen langjährigen Freund, oder in einen lockeren, aber reflektierten Vortrag über Werte wie Freundschaft und Fairplay. In einer Trauerrede könnte er, auf gemeinsame Erinnerungen angebracht, sehr berührend wirken. Vermeiden sollten Sie die Redewendung in rein geschäftlichen oder hochformellen Kontexten, da ihr warmherziger, persönlicher Kern dort fehl am Platz wäre.

Hier finden Sie Beispiele für gelungene Verwendungen:

  • In einer Rede: "Unsere monatlichen Spieleabende waren mehr als nur Unterhaltung. Sie waren, wie Lessing so schön sagte, 'ein ehrliches Spiel unter guten Freunden', ein redlicher Zeitvertreib, der unser Vertrauen zueinander stets gestärkt hat."
  • Im persönlichen Gespräch: "Danke für den schönen Abend. Das war kein simples Poker-Spiel, das war ein echtes, ehrliches Spiel unter guten Freunden. So ein redlicher Zeitvertreib ist doch selten geworden."
  • In einem schriftlichen Gruß: "Möge Ihr neuer Freundeskreis Ihnen viele Möglichkeiten für 'ehrliche Spiele' und redliche Zeitvertreibe bieten."