Also lautet ein Beschluß: Daß der Mensch was lernen muß.
Also lautet ein Beschluß: Daß der Mensch was lernen muß.
Autor: unbekannt
Herkunft
Dieser prägnante Satz stammt nicht aus dem Volksmund, sondern ist ein geflügeltes Wort aus der Literatur. Er findet sich in Johann Wolfgang von Goethes monumentaler Tragödie "Faust. Der Tragödie erster Teil", die im Jahr 1808 veröffentlicht wurde. Der Vers erscheint in der berühmten "Schülerszene" (Studierzimmer II), in der Mephistopheles, verkleidet als Faust, einen naiven Studenten empfängt. Auf die Frage des Studenten, welches Fach er denn studieren solle, antwortet der teuflische Ratgeber mit einer zynischen und oberflächlichen Abhandlung über die Universitätsfächer. Die Zeile "Also lautet ein Beschluß: Daß der Mensch was lernen muß" ist der abschließende, scheinbar weise klingende Merksatz dieser höhnischen Lehrstunde. Sie fasst die vorgetäuschte Gelehrsamkeit in eine definitive, aber letztlich hohle Formel.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen stellt der Satz eine unumstößliche Entscheidung ("Beschluß") fest: Der Mensch ist zum Lernen verpflichtet. In seinem ursprünglichen Kontext bei Goethe ist diese Aussage jedoch tief ironisch. Sie wird von Mephistopheles, dem Geist, der stets verneint, vorgetragen und steht am Ende einer Rede, die echtes, tiefgründiges Lernen zugunsten von bloßem Scheinwissen und karriereorientiertem Streben verspottet. Das "was" in "was lernen muß" ist bewusst nichtssagend und unterstreicht die Inhaltsleere. Ein typisches Missverständnis wäre es, den Spruch als aufrichtige Aufforderung zur Bildung zu lesen. In Wahrheit ist er eine satirische Entlarvung von Bildungsphrasen und ein Hinweis darauf, dass nicht jedes Lernen auch Weisheit bedeutet. Die Redewendung kritisiert blinden Aktionismus im Bildungsstreben ohne wahre Erkenntnis.
Relevanz heute
Die Redewendung hat auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Schärfe verloren. In einer Zeit, die von lebenslangem Lernen, ständiger Weiterbildung und dem Druck zur Selbstoptimierung geprägt ist, wirkt Goethes Zeile wie ein früher Kommentar zum modernen Bildungs- und Karrieredenken. Sie wird heute oft zitiert, um kritisch auf leere Fortbildungsslogans, den bloßen Akkumulieren von Zertifikaten oder den Zwang zu sinnentleertem Aktivismus hinzuweisen. Die Frage, *was* genau gelernt werden muss und zu welchem Zweck, ist aktueller denn je. Der Satz dient somit als geistreiches Stilmittel, um eine oberflächliche "Lernkultur" oder blinden Konformismus in Frage zu stellen, während man sich gleichzeitig auf die Autorität eines Klassikers beruft.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich hervorragend für schriftliche oder mündliche Beiträge, die sich mit Bildung, Politik oder gesellschaftlichen Trends auseinandersetzen. Aufgrund seiner literarischen Herkunft und ironischen Tiefe ist es weniger für saloppe Alltagsgespräche geeignet, wo es missverstanden werden könnte.
Geeignete Kontexte:
- Einleitungs- oder Schlusssatz in einem Vortrag über Bildungsideale, Reformen oder die Zukunft des Lernens.
- Kommentare oder Kolumnen zu tagespolitischen Debatten um Schul- oder Hochschulpolitik.
- Ein pointierter Einstieg in ein ernsthaftes Gespräch über die Sinnhaftigkeit bestimmter Qualifikationsmaßnahmen.
Beispiele für gelungene Verwendung:
In einer Rede zur Eröffnung eines Bildungskongresses: "Wir diskutieren heute über Methoden und Inhalte. Doch bevor wir in die Details gehen, sollten wir uns an Goethes warnende Worte aus dem 'Faust' erinnern: 'Also lautet ein Beschluß: Daß der Mensch was lernen muß.' Lassen Sie uns heute darüber sprechen, welches 'was' unser Lernen wertvoll macht."
In einem kritischen Artikel zu überfüllten Lehrplänen: "Das Credo scheint nur noch zu lauten: Hauptsache, es wird gelernt. 'Also lautet ein Beschluß: Daß der Mensch was lernen muß.' Doch diese alte, zynische Einsicht sollte uns eine Mahnung sein, Qualität vor Quantität zu stellen."
Sie sollten die Redewendung vermeiden, wenn Sie eine uneingeschränkt positive und motivierende Botschaft zum Lernen vermitteln möchten. Hier wäre der ironische Unterton kontraproduktiv. Ebenso ist sie in tröstenden oder sehr informellen Situationen fehl am Platz.