Den lieb' ich, der Unmögliches begehrt.

Den lieb' ich, der Unmögliches begehrt.

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Zeile "Den lieb' ich, der Unmögliches begehrt" stammt aus Johann Wolfgang von Goethes monumentaler Tragödie "Faust. Der Tragödie erster Teil". Sie erscheint im Studierzimmer, genauer gesagt in der Szene "Vor dem Tor". Faust spricht sie aus, als er mit seinem Famulus Wagner am Ostersonntag einen Spaziergang unternimmt. Die Menschenmenge feiert die Auferstehung Christi, und Wagner äußert sich abfällig über den groben, lärmenden Jubel der einfachen Leute. Faust hingegen sieht darin Lebensfreude und eine natürliche, kraftvolle Bejahung des Daseins. In diesem Moment der Kontrastierung formuliert er seinen berühmten Satz. Er richtet sich damit gegen den engstirnigen, nur auf Bücherwissen fixierten Geist und preist denjenigen, der nach Höherem, ja scheinbar Unerreichbarem strebt. Der Kontext ist also zentral: Es ist eine Abgrenzung vom bloßen Akademikertum und ein Bekenntnis zum tatkräftigen, leidenschaftlichen und risikobereiten Streben nach Erkenntnis und Erfahrung.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich nimmt Faust denjenigen in sein Herz, der etwas will, das nach allgemeinem Verständnis nicht zu erreichen ist. Die übertragene Bedeutung ist jedoch vielschichtiger und präziser, als es der erste Blick vermuten lässt. Es geht nicht um naive Träumerei oder sinnloses Wünschen. Der Kern der Aussage liegt im Begehren, im aktiven, leidenschaftlichen Verlangen und Streben selbst, nicht zwingend in der Erreichung des Ziels. Faust bewundert den menschlichen Drang, Grenzen zu überschreiten, sich selbst und die Welt zu überfordern und dadurch über sich hinauszuwachsen. Ein typisches Missverständnis ist, die Redewendung als Aufruf zu realitätsfernem Wunschdenken oder utopischen Fantasien zu deuten. Vielmehr feiert sie den Antrieb, der Innovation, Kunst und persönliche Entwicklung erst möglich macht. Sie ist eine Hymne auf den menschlichen Pioniergeist, der sich von den Fesseln des "Das geht nicht" befreit. Kurz interpretiert: Der höchste Wert liegt im mutigen Ringen um das scheinbar Unmögliche, denn dieser Prozess formt und definiert uns.

Relevanz heute

Die Aussage ist heute so relevant wie vor 200 Jahren, vielleicht sogar relevanter. In einer Welt, die von disruptiven Technologien, der Überwindung wissenschaftlicher Grenzen und ständigem Wandel geprägt ist, ist der Geist des "Unmöglichen Begehrens" der Treibstoff des Fortschritts. Sie findet Resonanz in der Startup-Kultur ("Wir wollen die Welt verändern"), in der Wissenschaft (Erforschung von KI, Quantencomputing, Krebsheilmitteln), im Sport (Bruch von Rekorden, die als unüberwindbar galten) und in sozialen Bewegungen. Die Redewendung wird oft zitiert, um visionäres Unternehmertum, künstlerische Radikalität oder persönliche Zielstrebigkeit zu charakterisieren. Sie dient als Motto für diejenigen, die gegen etablierte Meinungen und vermeintliche physikalische oder gesellschaftliche Grenzen ankämpfen. Die Brücke zur Gegenwart ist daher direkt geschlagen: Jede bahnbrechende Erfindung oder Idee begann als "unmögliches Begehren" eines Einzelnen oder einer Gruppe.

Praktische Verwendbarkeit

Die Redewendung eignet sich hervorragend für Kontexte, in denen es um Vision, Mut und die Überwindung von Widerständen geht. Aufgrund ihres literarischen und leicht pathetischen Klangs ist sie weniger für lockere Alltagsgespräche geeignet, wo sie übertrieben wirken könnte.

  • Für Reden und Vorträge: Perfekt in Motivationsreden, bei Preisverleihungen (z.B. für Innovatoren), in Eröffnungsansprachen von Konferenzen oder in Abschlussreden. Sie setzt einen inspirierenden und geistreichen Akzent.
    Beispiel: "Unser Gründer hat immer an dieses Projekt geglaubt, als alle anderen den Kopf schüttelten. Er hat bewiesen, dass Goethe recht hat: 'Den lieb' ich, der Unmögliches begehrt.'"
  • Für schriftliche Formate: Ideal in Leitartikeln, Blogposts über Innovation, in Vorworten von Geschäftsberichten oder als mottogebendes Zitat auf einer Website oder Visitenkarte.
  • Für persönliche Ermutigung: Sie kann in einer ernsthaften Beratung oder im Coaching verwendet werden, um jemanden zu bestärken, der ein großes, ambitioniertes Ziel verfolgt. Hier ist Feingefühl nötig, damit sie nicht wie leere Phrasendrescherei klingt.
    Beispiel: "Sie stellen sich einer enormen Herausforderung. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Es gibt einen schönen Gedanken von Goethe dazu, der den Wert genau dieses Strebens betont..."
  • Ungeeignet ist die Redewendung für banale oder ironische Zusammenhänge ("Ich begehre unmöglich viel Ketchup auf meine Pommes"). Das würde ihre Tiefe und Würde untergraben. Sie ist auch zu gewichtig für eine flapsige Alltagsunterhaltung.