Wer nicht kann, was er will, muß das wollen, was er kann. …

Wer nicht kann, was er will, muß das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht.

Autor: Leonardo da Vinci

Herkunft

Die prägnante Lebensweisheit "Wer nicht kann, was er will, muß das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht" wird häufig dem deutschen Dichter und Dramatiker Gotthold Ephraim Lessing zugeschrieben. Ein eindeutiger, direkter Beleg aus seinem gesicherten Werk existiert jedoch nicht. Die Sentenz taucht in dieser Form erst in späteren Zitatensammlungen und populären Philosophiebüchern auf, oft als sinngemäße Zusammenfassung einer weniger eingängigen Passage aus seinem Werk. Der Gedanke selbst ist jedoch zutiefst lessingsch und spiegelt den Geist der Aufklärung wider: eine pragmatische, vernunftgeleitete Haltung, die unrealistische Träumereien zugunsten einer besonnenen und tatkräftigen Lebensführung verwirft. Die Redewendung ist somit ein klassisches Beispiel für ein "zugeschriebenes Zitat", dessen geistiger Ursprung klar ist, dessen exakte wortwörtliche Herkunft sich aber nicht zweifelsfrei belegen lässt.

Bedeutungsanalyse

Der Satz fordert zu einer klugen und produktiven Anpassung der eigenen Wünsche an die realen Möglichkeiten auf. Wörtlich genommen, bedeutet er: Wenn Sie eine Fähigkeit nicht besitzen, sollten Sie nicht darauf beharren, sie unbedingt ausüben zu wollen. Stattdessen ist es ratsam, Ihre Aufmerksamkeit und Ihren Willen auf das zu richten, was Sie tatsächlich beherrschen. Die übertragene Bedeutung geht weit über handwerkliche Fähigkeiten hinaus. Es ist eine Philosophie der realistischen Selbstführung. Ein typisches Missverständnis liegt in der Deutung als Aufforderung zur Resignation oder zum Aufgeben hoher Ziele. Das Gegenteil ist der Fall. Die Redewendung plädiert nicht für Faulheit, sondern für intelligente Fokussierung. Sie warnt vor der "Törricht[keit]", Energie in unerreichbare Projekte zu verschwenden, und ermutigt dazu, das vorhandene Potenzial voll auszuschöpfen. Es geht um die Kunst, den Willen vom Unmöglichen zu lösen und auf das Machbare zu lenken, wo er tatsächlich Wirkung entfalten kann.

Relevanz heute

Diese Redewendung ist heute relevanter denn je. In einer Gesellschaft, die oft maximale Selbstverwirklichung und das "Alles-ist-möglich"-Mindset propagiert, bietet sie ein notwendiges Gegengewicht. Sie ist ein Antidot gegen frustrierende Überforderung und die ständige Selbstoptimierung bis zum Burnout. Im Berufsleben findet sie Anwendung, wenn es darum geht, Stärken zu erkennen und auszubauen, statt sich an unerreichbaren Karrierezielen aufzureiben. Im persönlichen Bereich hilft sie, realistische Lebensziele zu setzen und Zufriedenheit in den vorhandenen Möglichkeiten zu finden. Auch im Coaching und in der Psychologie ist der Gedanke präsent, etwa in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie, die das Annehmen von Grenzen und das engagierte Handeln im Rahmen des Möglichen lehrt. Die Redewendung ist damit eine zeitlose Lektion in pragmatischer Weisheit.

Praktische Verwendbarkeit

Dieser Spruch eignet sich hervorragend für Situationen, in denen es um Besinnung, Orientierung und pragmatische Lösungen geht. Er ist zu tiefgründig für lockere Smalltalk-Situationen, aber perfekt für anspruchsvolle Gespräche.

  • In einer Motivationsrede oder einem Vortrag über persönliche Entwicklung kann er als kraftvolle These dienen, um den Wert von Realismus und Fokussierung zu unterstreichen. Ein Beispielsatz: "Statt uns an unseren Schwächen aufzureiben, sollten wir uns an Lessings Rat erinnern: Wer nicht kann, was er will, der sollte mit ganzer Kraft das wollen, was er kann. Dort liegen unsere wahren Erfolge."
  • In einem Coaching- oder Beratungsgespräch hilft die Formulierung, Klienten zu einer gesunden Neuausrichtung zu führen. "Vielleicht sollten wir prüfen, ob dieser Wunsch wirklich zu Ihren Fähigkeiten passt. Manchmal ist es weise, das zu wollen, was man kann, anstatt sich an Unmöglichem zu verzehren."
  • In einer persönlichen Reflexion oder einem Tagebucheintrag dient sie als Leitfrage: "Worauf verwende ich meine Energie? Will ich etwas, das ich nicht kann, und werde deshalb unglücklich? Oder konzentriere ich mich auf das, was ich kann, und bringe es zur Meisterschaft?"

Vermeiden sollten Sie den Spruch in tröstenden Momenten, etwa bei einer Trauerrede, da er dort als zu rational und hart wirken könnte. Auch in Konflikten ist er ungeeignet, weil er wie ein Vorwurf ("Du kannst das eben nicht!") missverstanden werden kann. Sein natürliches Habitat ist der Raum der besonnenen Selbstreflexion und der sachlichen Zielanalyse.

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