Die Arbeit ist eine Schmach, weil das Dasein keinen Wert an …
Die Arbeit ist eine Schmach, weil das Dasein keinen Wert an sich hat.
Autor: Friedrich Nietzsche
Herkunft
Die Aussage "Die Arbeit ist eine Schmach, weil das Dasein keinen Wert an sich hat" ist kein traditionelles Sprichwort oder eine volkstümliche Redewendung. Sie entstammt vielmehr dem literarischen und philosophischen Werk des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard. Der Satz findet sich in seinem 1983 erschienenen Roman "Der Untergeher". Der Kontext ist typisch für Bernhard: Es handelt sich um eine monologartige, radikale und überspitzte Verurteilung des Lebens und der gesellschaftlichen Zwänge durch eine seiner Figuren. Die Aussage ist somit eine literarisch stilisierte Weltanschauung, keine im allgemeinen Sprachgebrauch verwurzelte Redensart.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen erklärt der Satz Arbeit für schmachvoll, weil das bloße Existieren ("Dasein") als wertlos erachtet wird. In der übertragenen und literarischen Bedeutung steckt eine fundamentale Verneinung. Sie attackiert zwei Grundpfeiler modernen Denkens: die Würde der Arbeit und den inhärenten Wert des Lebens. Wenn das Leben selbst keinen Sinn trägt, erscheint jede Mühe, die man für seinen Lebensunterhalt oder gesellschaftlichen Status aufwendet, als absurd und erniedrigend. Ein typisches Missverständnis wäre, den Satz als faulen Ausdruck von Arbeitsunlust zu lesen. Tatsächlich handelt es sich um eine existenzielle, fast metaphysische Anklage, die aus tiefem Pessimismus und der Verweigerung gegen jede Form von sinnstiftender Illusion gespeist ist. Es ist die radikale Position eines Nihilisten.
Relevanz heute
Als feststehende Redewendung ist der Satz heute nicht im Umlauf. Seine gedankliche Schärfe und seine radikale Infragestellung behalten jedoch Relevanz. In einer Zeit, die von Diskussionen über "Bullshit-Jobs", "Quiet Quitting" und der Suche nach Sinn jenseits der Lohnarbeit geprägt ist, findet die zugrundeliegende Kritik Resonanz. Die Frage nach dem Wert des Daseins und der Würde in der Arbeit beschäftigt Menschen nach wie vor. Der Satz fungiert daher weniger als geflügeltes Wort, sondern eher als ein extremes, philosophisches Schlaglicht, das man auf Debatten über Burn-out, Leistungsgesellschaft und Existenzangst werfen kann. Er zwingt zur Gegenfrage: Was gibt dem Dasein denn Wert, wenn nicht die Arbeit?
Praktische Verwendbarkeit
Die Verwendung dieses Zitats im Alltag erfordert Fingerspitzengefühl. Aufgrund seiner absoluten und schonungslosen Formulierung eignet es sich nicht für lockere Gespräche oder zur Beschreibung eines bloß anstrengenden Arbeitstages. Es wäre hier völlig unangemessen und würde missverstanden.
Passende Kontexte sind hingegen:
- Gehobene literarische oder philosophische Diskussionen: Hier kann das Zitat als Ausgangspunkt für ein Gespräch über Existenzialismus, Arbeitsethik oder die Werke Thomas Bernhards dienen.
- Ein pointierter Vortrag oder Essay zu Themen der modernen Arbeitswelt, wo man eine radikale Gegenposition markieren möchte.
- Eine Buchbesprechung oder kulturkritische Kolumne, in der die düstere Weltsicht Bernhards erläutert werden soll.
Gelungene Einbettungen könnten so aussehen:
"In der Debatte um die Sinnkrise der Arbeit lohnt ein Blick zum notorischen Pessimisten Thomas Bernhard. Seine Figur in 'Der Untergeher' bringt es auf den Punkt: 'Die Arbeit ist eine Schmach, weil das Dasein keinen Wert an sich hat.' Eine Haltung, die uns zwingt, unsere eigenen, oft unausgesprochenen Prämissen zu hinterfragen."
Oder, in einer reflektierenden Betrachtung: "Man muss Bernhards Diktum nicht teilen, dass 'die Arbeit eine Schmach' sei. Doch es konfrontiert uns mit der unbequemen Frage, welchen Wert wir unserem Dasein jenseits von Produktivität und Output eigentlich beimessen."
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