Man kann auch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe.
Man kann auch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe.
Autor: Thomas von Aquin
Herkunft
Die Redewendung "Man kann auch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe" ist ein prägnantes Zitat aus dem Werk "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" von Rainer Maria Rilke. Das Buch, ein herausragendes Beispiel des frühen modernen Romans, wurde im Jahr 1910 veröffentlicht. Der Satz fällt in einer Schlüsselszene, in der der junge Dichter Malte über die Natur der Angst und des Schicksals nachsinnt. Er reflektiert dabei die Erkenntnis, dass Veränderungen im Leben nicht zwangsläufig einen Absturz bedeuten müssen, sondern ebenso einen unerwarteten, vielleicht sogar beglückenden Aufschwung herbeiführen können. Der Kontext ist also ein tiefgründiger, literarischer Gedankengang über die menschliche Existenz.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt der Satz ein physikalisches Paradoxon: Fallen wird normalerweise mit einer Bewegung nach unten assoziiert. Rilke dreht diese Vorstellung um und behauptet, dass ein Fall auch nach oben erfolgen kann. In der übertragenen Bedeutung geht es um plötzliche, unkontrollierbare Veränderungen im Lebensweg. Während "in die Tiefe fallen" allgemein für Scheitern, Verlust oder einen moralischen Niedergang steht, symbolisiert "in die Höhe fallen" einen unverhofften Aufstieg, einen glücklichen Zufall oder eine positive Wendung, die einen ebenso unvorbereitet trifft wie ein Unglück. Ein typisches Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine billige Vertröstung ("es wird schon wieder aufwärts gehen"). Vielmehr ist es eine nüchterne, fast schicksalshafte Feststellung: Das Leben hält ebenso unberechenbare Chancen wie Risiken bereit. Die Redewendung interpretiert sich somit als Aufforderung, sich für Überraschungen jeder Art offen zu halten.
Relevanz heute
Die Aussage ist heute so relevant wie vor einem Jahrhundert. In einer Welt, die von Unsicherheit, beruflichen Wendepunkten und schnellem Wandel geprägt ist, bietet dieser Gedanke eine tröstliche und zugleich realistische Perspektive. Menschen verwenden die Redewendung oder den dahinterstehenden Gedanken oft in Coaching-Kontexten, in der persönlichen Reflexion oder in der Literatur, um auszudrücken, dass Karrierewege oder Lebensläufe nicht linear verlaufen. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich besonders im Bereich der mentalen Gesundheit und Resilienz: Sie erinnert daran, dass nicht jede ungeplante Veränderung eine Katastrophe sein muss, sondern auch eine unvermutete Tür öffnen kann. In Diskussionen über Chancengerechtigkeit oder unkonventionelle Lebensentwürfe findet der Gedanke ebenfalls Anklang.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich hervorragend für Situationen, die eine gewisse Tiefe und literarische Qualität erlauben. Es wirkt in einer motivierenden Ansprache, in einem Vortrag über Change-Management oder in einer persönlichen Trauerrede, um Hoffnung zu vermitteln, ohne banal zu klingen. In lockeren Gesprächen unter Freunden über überraschende Lebensereignisse kann es ebenfalls treffend sein. Sie sollten die Redewendung jedoch meiden, wo Klarheit und Direktheit gefragt sind oder in sehr saloppen Kontexten, da sie sonst als affektiert oder unpassend wahrgenommen werden könnte. Gelungene Beispiele für die Verwendung sind:
- In einer Rede zur Beförderung eines Kollegen: "Ihr Weg hierher war nicht immer geradlinig. Manchmal hat es sich angefühlt, als stolpere man. Aber wie Rilke schon wusste: Man kann auch in die Höhe fallen. Diese unerwartete Wendung haben Sie heute verdient."
- In einem persönlichen Blogeintrag über eine Lebenskrise: "Ich hatte mich auf einen langen Fall in die Tiefe eingestellt. Dass man aber auch in die Höhe fallen kann, war die größte und schönste Überraschung dieses Jahres."
- In einem philosophischen Gespräch: "Wir fürchten uns so vor dem Absturz, dass wir vergessen, dass das Schicksal uns manchmal auch nach oben trägt. Es gilt, beide Möglichkeiten anzunehmen."
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