Erschaffen kommt nur einer unendlichen Macht zu.
Erschaffen kommt nur einer unendlichen Macht zu.
Autor: Thomas von Aquin
Herkunft
Die Aussage "Erschaffen kommt nur einer unendlichen Macht zu" stammt aus dem Werk "Die Welt als Wille und Vorstellung" des Philosophen Arthur Schopenhauer. Sie findet sich im zweiten Band, der 1844 erschien, und zwar im Kapitel 17 mit dem Titel "Über das metaphysische Bedürfnis des Menschen". Schopenhauer verwendet diesen Satz im Kontext seiner Kritik an den klassischen Gottesbeweisen, insbesondere am kosmologischen Argument. Für ihn ist der Begriff der "Erschaffung" aus dem Nichts ein widersprüchliches Konzept, das nur einer allmächtigen, also unendlichen, Instanz zugeschrieben werden kann. Da der menschliche Verstand dieses Konzept aber nicht wirklich fassen kann, dient es ihm als Argument gegen die rationale Begründbarkeit eines Schöpfers.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen behauptet der Satz, dass die Fähigkeit, etwas aus dem absoluten Nichts hervorzubringen, ein exklusives Privileg einer grenzenlosen und allmächtigen Kraft ist. Übertragen und im Sinne Schopenhauers ist es jedoch eher eine erkenntniskritische Feststellung. Sie bedeutet, dass der menschliche Geist den Akt der Schöpfung nicht begreifen kann. Wir können Dinge umformen, kombinieren oder herstellen, aber niemals im absoluten Sinne "erschaffen". Ein häufiges Missverständnis liegt darin, den Satz als fromme Bestätigung göttlicher Allmacht zu lesen. Bei Schopenhauer ist er genau das Gegenteil: ein philosophisches Argument, das die Grenzen unseres Denkens aufzeigt und den Schöpfungsbegriff als für Menschen unzugänglich kennzeichnet. Die Redewendung thematisiert somit letztlich die Demut des Erkennens angesichts fundamentaler Fragen.
Relevanz heute
Die grundsätzliche Frage nach den Grenzen menschlichen Schaffens und der Definition von Kreativität ist heute höchst relevant. In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz Kunstwerke generiert oder Wissenschaftler im Labor neue Materialien synthetisieren, stellt sich die Frage: Was ist echte Schöpfung? Schopenhauers Diktum erhält eine neue Dimension. Während wir technologisch immer mächtiger werden, bleibt die philosophische Spannung zwischen "Machen" und "Erschaffen" bestehen. Der Satz wird daher weniger im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet, sondern taucht in anspruchsvollen Diskussionen über Technikethik, Kreativitätstheorie und die Grundlagen der Physik (z.B. zur Frage des Ursprungs des Universums) als geistreiches Zitat auf. Er erinnert daran, dass trotz aller Fortschritte eine fundamentale Differenz zwischen menschlichem Handeln und dem Begriff der absoluten Kreation besteht.
Praktische Verwendbarkeit
Diese Formulierung ist kein lockeres Sprichwort für den Smalltalk, sondern ein gewichtiges philosophisches Zitat. Seine Verwendbarkeit ist entsprechend auf formelle und reflektierte Kontexte beschränkt.
Besonders geeignet ist es für:
- Philosophische oder wissenschaftliche Vorträge: Um eine Diskussion über die Grenzen menschlichen Wissens und Könnens einzuleiten.
- Anspruchsvolle Essays oder Kolumnen: Besonders zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Schöpfung in der Kunst oder Ethik der Gentechnik.
- Gehobene Trauerreden: Hier kann der Satz, mit Feingefühl eingesetzt, die Einzigartigkeit und Unwiederbringlichkeit eines verlorenen Lebens betonen.
Ungeeignet ist die Redewendung in saloppen Gesprächen, da sie als affektiert oder belehrend wahrgenommen werden kann. Sie ist auch keine Ermunterung, sondern eine nüchterne Feststellung.
Beispiele für gelungene Sätze:
- "In unserem Streben, immer mehr zu kontrollieren und zu gestalten, sollten wir Schopenhauers Mahnung nicht vergessen: 'Erschaffen kommt nur einer unendlichen Macht zu.' Unsere Rolle ist oft die des Bearbeiters, nicht des Urhebers."
- "Wenn wir über die Schöpfungen Künstlicher Intelligenz sprechen, stellt sich die grundlegende Frage: Handelt es sich um echte Kreation? Oder bestätigt sich hier, auf unerwartete Weise, der alte Gedanke, dass Erschaffen nur einer unendlichen Macht zukommt?"
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