Unmöglich kann ein naturhaftes Begehren vergeblich sein.

Unmöglich kann ein naturhaftes Begehren vergeblich sein.

Autor: Thomas von Aquin

Herkunft

Dieser prägnante Satz stammt aus dem Werk "Die Welt als Wille und Vorstellung" des Philosophen Arthur Schopenhauer. Er taucht im zweiten Band, der 1844 erschienenen Ergänzung zum ersten Hauptwerk, im Kapitel über die Metaphysik der Geschlechtsliebe auf. Der Kontext ist Schopenhauers tiefgründige und bisweilen düstere Philosophie, die den Willen als treibende Kraft allen Seins begreift. Die Aussage ist eingebettet in seine Erklärung, warum sich die menschliche Natur so unerbittlich zur Fortpflanzung drängt. Für Schopenhauer ist dieser Drang kein individueller Irrtum, sondern der Ausdruck des blinden, ewigen Weltwillens selbst, der sich durch die Individuen hindurch manifestiert. Da dieser Wille die fundamentale Realität ist, kann ein solches grundlegendes, von der Natur eingegebenes Verlangen nicht ohne Erfüllung bleiben – es findet sie, wenn auch oft auf Kosten des Einzelnen.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen behauptet der Satz, dass ein natürliches, instinktives Verlangen niemals ohne Ergebnis oder Erfolg bleiben kann. Übertragen und im philosophischen Sinne Schopenhauers bedeutet dies: Die mächtigsten Triebe in uns – insbesondere der Geschlechtstrieb als Werkzeug des blinden Weltwillens zur Erhaltung der Art – sind so stark und fundamental, dass sie sich letztlich immer einen Weg bahnen. Ein häufiges Missverständnis liegt in der individuellen Auslegung. Der Satz ist kein optimistisches "Du kriegst immer, was du dir sehnlichst wünschst". Vielmehr ist es eine fast fatalistische Feststellung auf einer metaphysischen Ebene: Der kollektive, naturhafte Wille setzt sich durch, auch wenn das einzelne Individuum dabei scheitert oder leidet. Es geht nicht um die Erfüllung persönlicher Glücksvorstellungen, sondern um die erbarmungslose Durchsetzung des Lebensprinzips selbst.

Relevanz heute

Die Redewendung hat ihre rein philosophische Nische verlassen und findet heute in erweiterter und abgeschwächter Form Anwendung. In modernen Diskussionen wird sie oft zitiert, um die Unausweichlichkeit grundlegender menschlicher Bedürfnisse zu betonen. Man hört sie im Kontext von Psychologie, wenn es um verdrängte Triebe geht, oder in gesellschaftlichen Debatten, beispielsweise wenn unterdrückte Freiheits- oder Selbstbestimmungswünsche einer Bevölkerung beschrieben werden. Die Kernidee – dass sich tief verwurzelte, natürliche Bedürfnisse auf Dauer nicht unterdrücken lassen – ist nach wie vor höchst relevant. Sie dient als Warnung vor Systemen, die die menschliche Natur ignorieren, und als Erklärung für das scheinbar plötzliche Durchbrechen lang unterdrückter Sehnsüchte in individuellen oder kollektiven Krisen.

Praktische Verwendbarkeit

Der Satz eignet sich für Kontexte, die eine gewisse Tiefe oder philosophische Färbung erlauben. In einer lockeren Alltagsunterhaltung wirkt er zu pathetisch und schwer. Ideal ist er für anspruchsvolle Vorträge, Essays oder Kommentare, die sich mit menschlicher Natur, Psychologie oder gesellschaftlichem Wandel befassen.

Passende Anlässe sind beispielsweise eine Rede über Burnout und den unterdrückten Wunsch nach einem erfüllteren Leben, ein Artikel über politische Revolutionen oder auch eine Trauerrede, die den unstillbaren Lebenswillen des Verstorbenen würdigt. Vermeiden sollten Sie die Redewendung in tröstenden oder oberflächlichen Situationen, da ihre implizite Schopenhauersche Härte und Fatalität missverstanden werden könnte.

Gelungene Anwendungsbeispiele wären:

  • In einem Leitartikel: "Die Proteste zeigen einmal mehr: Unmöglich kann ein naturhaftes Begehren nach Freiheit und Würde auf Dauer vergeblich sein."
  • In einem psychologischen Ratgeber: "Wenn Sie Ihre grundlegenden emotionalen Bedürfnisse ständig ignorieren, werden sie sich anderweitig Bahn brechen. Denn unmöglich kann ein naturhaftes Begehren völlig vergeblich sein."
  • In einer Motivationsrede für Veränderung: "Hören Sie auf diesen inneren Ruf. Er kommt nicht von ungefähr. Denken Sie daran, dass ein wahrhaft naturhaftes Begehren selten dauerhaft unerfüllt bleibt."

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