Mir ist es lieber, ihr macht Fehler in Güte, als dass ihr …
Mir ist es lieber, ihr macht Fehler in Güte, als dass ihr Wunder in Lieblosigkeit vollbringt.
Autor: Mutter Teresa
Herkunft
Die prägnante Sentenz "Mir ist es lieber, ihr macht Fehler in Güte, als dass ihr Wunder in Lieblosigkeit vollbringt" ist ein Zitat des Schweizer Theologen, Arztes und Philosophen Albert Schweitzer (1875-1965). Sie stammt aus seinen Schriften und Vorträgen über die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben, die er als sein zentrales philosophisches und ethisches Prinzip entwickelte. Der genaue Erstbeleg in einem seiner veröffentlichten Werke ist schwer zu datieren, da der Gedanke in verschiedenen Formulierungen in seinen Predigten und ethischen Betrachtungen auftaucht. Der Kontext ist stets seine tiefe Überzeugung, dass wahre Humanität und echter Fortschritt nicht in technischen oder intellektuellen Höchstleistungen liegen, sondern in der mitfühlenden und respektvollen Haltung gegenüber allem Lebendigen. Die Redewendung fasst somit den Kern seiner praktischen Ethik in einem einprägsamen Satz zusammen.
Bedeutungsanalyse
Das Zitat stellt zwei gegensätzliche Handlungsweisen und ihre Motivationen einander gegenüber. Wörtlich bedeutet es: Eine Handlung, die objektiv betrachtet ein Fehler oder ein Misserfolg ist, aber mit einer Grundhaltung der Güte, des Wohlwollens und der Menschlichkeit ausgeführt wird, wird einer spektakulären, wunderähnlichen Leistung vorgezogen, die jedoch in einer Atmosphäre der Kälte, der Rücksichtslosigkeit oder der Geringschätzung für andere zustande kommt.
Übertragen richtet sich der Satz gegen eine reine Ergebnis- und Effizienzorientierung, die den menschlichen Faktor vernachlässigt. Er betont, dass die Absicht und die Art und Weise eines Tuns mindestens genauso wichtig sind wie das sichtbare Resultat. Ein typisches Missverständnis wäre, das Zitat als Aufforderung zur Nachlässigkeit oder als Rechtfertigung von Inkompetenz zu lesen. Das ist es nicht. Es ist vielmehr eine ethische Prioritätensetzung: Wo immer möglich, soll die menschliche Zuwendung nicht der vermeintlichen Perfektion geopfert werden. Die "Fehler in Güte" sind nicht beabsichtigte Fehler, sondern mögliche, in Kauf genommene Nebenfolgen einer grundsätzlich mitfühlenden Haltung.
Relevanz heute
Die Aussage ist heute hochaktuell, vielleicht sogar dringlicher denn je. In einer Welt, die von Leistungsdruck, Optimierungswahn und der oft gnadenlosen Bewertung von Output geprägt ist, wirft Schweitzers Satz eine fundamentale Frage auf: Zu welchem Preis erreichen wir unsere Ziele? Die Redewendung findet Resonanz in Debatten über Burn-out, toxische Arbeitskulturen, die Digitalisierung der Pflege oder die Entmenschlichung durch reine Algorithmen-Entscheidungen. Sie erinnert daran, dass zwischenmenschliche Wärme, Empathie und Respekt keine "weichen", optionalen Faktoren sind, sondern die eigentliche Grundlage für ein gelingendes Miteinander – sei es in der Familie, im Beruf, in der Politik oder in der Gesellschaft insgesamt. Der Satz wird daher oft in Diskussionen über Führungsethik, Pädagogik oder im Gesundheitswesen zitiert.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich besonders für Kontexte, in denen es um Werte, Haltung und ethische Grundsätze geht. Es ist weniger für lockere Alltagsplaudereien gedacht, sondern entfaltet seine Kraft in bewusst reflektierten Momenten.
- Vorträge und Reden: Perfekt für Eröffnungs- oder Schlussreden bei Tagungen zu Themen wie Unternehmenskultur, Pflege, Bildung oder Sozialarbeit. Es setzt einen starken, menschenzentrierten Akzent. Beispiel: "Unser neues Projekt mag ambitioniert sein, aber lassen Sie uns Albert Schweitzers Mahnung beherzigen: 'Mir ist es lieber...' Denn nur so schaffen wir nachhaltigen Erfolg."
- Persönliche Reflexion und Feedback: Als Leitgedanke in Mitarbeitergesprächen oder in der Selbstreflexion für Führungskräfte. Es kann helfen, das eigene Handeln zu hinterfragen: "Habe ich in der letzten Situation vielleicht ein 'Wunder der Effizienz' auf Kosten des Teamklimas vollbracht?"
- Trauerrede oder Würdigung: Sehr passend, um das Lebenswerk einer Person zu charakterisieren, die für ihre Güte und Menschlichkeit bekannt war. Man kann damit beschreiben, dass deren wahre Größe nicht in spektakulären Taten, sondern in der beständigen mitmenschlichen Haltung lag.
- Schriftliche Formate: Ideal für Leitbilder, Vorworte zu Büchern über Ethik oder als Motto für Einrichtungen im sozialen Bereich.
Sie sollten die Redewendung vermeiden, wenn es um rein technische, emotionslose Prozesse geht oder in Situationen, die schnelle, kompromisslose Entscheidungen erfordern (z.B. im militärischen oder sicherheitskritischen Kontext). Dort könnte sie als unrealistisch oder weltfremd missverstanden werden. Ihr natürliches Zuhause ist der Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen und ethisch reflektierten Handelns.
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