Das Sterbliche dröhnt in seinen Grundvesten, aber das …

Das Sterbliche dröhnt in seinen Grundvesten, aber das Unsterbliche fängt heller zu leuchten an und erkennt sich selbst.

Autor: Novalis

Herkunft

Die Aussage "Das Sterbliche dröhnt in seinen Grundvesten, aber das Unsterbliche fängt heller zu leuchten an und erkennt sich selbst" stammt aus dem philosophischen Werk "Die Welt als Wille und Vorstellung" von Arthur Schopenhauer. Sie findet sich im zweiten Band, Kapitel 41, in seiner Betrachtung zum Tod. Schopenhauer verwendet dieses kraftvolle Bild, um seinen zentralen Gedanken zu verdeutlichen, dass der physische Tod des Individuums nicht das Ende des zugrundeliegenden metaphysischen Willens bedeutet. Der Kontext ist seine Abhandlung über die Ewigkeit des Wesens an sich, die er dem vergänglichen Dasein der Erscheinung gegenüberstellt.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt die Redewendung einen gewaltigen, bedrohlichen Vorgang: Die "Grundvesten" des Sterblichen, also die Fundamente unserer körperlichen Existenz, erbeben und drohen einzustürzen. Dies ist eine Metapher für den Tod, für Krankheit, für tiefgreifende Verluste oder für jede existenzielle Erschütterung. Gleichzeitig geschieht etwas Entgegengesetztes: "Das Unsterbliche" beginnt intensiver zu strahlen. Übertragen meint Schopenhauer damit den metaphysischen Willen, das ewige Prinzip hinter aller Erscheinung, das sich im Augenblick der physischen Auflösung erst wahrhaft offenbart und seiner selbst bewusst wird. Ein typisches Missverständnis wäre, hier eine christliche Vorstellung von einer unsterblichen Seele zu sehen. Schopenhauers "Unsterbliches" ist kein persönliches Jenseits, sondern ein unpersönliches, allen Lebewesen gemeinsames Prinzip, das durch den Tod nicht vernichtet, sondern nur seiner individuellen Hülle entledigt wird. Kurz gesagt: Wo das Einzelne und Vergängliche untergeht, tritt das Ewige und Wesenhafte deutlicher hervor.

Relevanz heute

Die Redewendung ist heute weniger im alltäglichen Sprachgebrauch zu finden, behält aber eine hohe philosophische und psychologische Relevanz. Sie bietet eine tiefgründige Perspektive auf Krisen und Transformationen. In einer Zeit, die von Zukunftsängsten, persönlichen Brüchen und der Suche nach Sinn geprägt ist, kann dieses Bild Trost und Einsicht spenden. Es wird beispielsweise in philosophischen Diskussionen, in der Trauerbegleitung mit einem weltlichen Ansatz oder in der Literatur interpretierend aufgegriffen. Die Brücke zur Gegenwart lässt sich schlagen, wenn man es auf persönliche "Tode" überträgt: Das Ende einer Lebensphase, einer Karriere oder einer Beziehung. In solchen Momenten "dröhnen die Grundvesten" des alten Selbst, während vielleicht eine wesentlichere, authentischere Seite der eigenen Persönlichkeit "heller zu leuchten beginnt".

Praktische Verwendbarkeit

Dies ist keine flapsige Alltagsredewendung, sondern ein gewichtiges, fast feierliches Sprachbild. Sie eignet sich daher nicht für lockere Gespräche, wo sie unpassend pathetisch wirken würde.

Ihr idealer Einsatzort sind Kontexte, die Tiefe und Reflexion erlauben:

  • Trauerreden oder Gedenkfeiern (weltlich oder philosophisch geprägt): Hier kann der Satz tröstend wirken, indem er den Fokus vom Verlust des Einzelnen auf die Kontinuität eines größeren Ganzen lenkt.
  • Philosophische oder psychologische Vorträge zum Thema Resilienz, Transformation und Krisenbewältigung.
  • Literarische Essays oder anspruchsvolle Texte, die einen Moment der existenziellen Krise und darauffolgenden Erkenntnis beschreiben.

Gelungene Anwendungsbeispiele könnten so klingen:

"In der tiefsten Krise seiner Krankheit, als das Sterbliche in seinen Grundvesten dröhnte, erlebte er eine seltsame Klarheit. Plötzlich fing das Unsterbliche in ihm, seine Liebe zur Musik und zum Schönen, heller zu leuchten an und gab ihm einen unerwarteten Frieden."

"Wenn eine Organisation ihr altes Geschäftsmodell begraben muss, ist das ein schmerzhafter Lärm des Zusammenbruchs. Doch genau in diesem Moment kann ihr eigentlicher Kern, ihre innovative Kraft, heller zu leuchten beginnen und sich neu erkennen."

Mehr Sonstiges