Aus Bequemlichkeit suchen wir nach Gesetzen.
Aus Bequemlichkeit suchen wir nach Gesetzen.
Autor: Novalis
Herkunft
Die Aussage "Aus Bequemlichkeit suchen wir nach Gesetzen" ist kein klassisches Sprichwort mit jahrhundertealter, volkstümlicher Herkunft. Es handelt sich vielmehr um ein prägnantes Zitat, das dem österreichischen Schriftsteller und Aphoristiker Alfred Polgar (1873-1955) zugeschrieben wird. Polgar, ein Meister der kleinen Form und scharfer Beobachter der menschlichen und gesellschaftlichen Natur, formulierte diesen Gedanken in seinem Werk. Der Kontext ist die menschliche Neigung, komplexe, chaotische oder beunruhigende Phänomene durch vermeintlich feststehende Regeln und Ordnungen zu bändigen, um sich nicht der anstrengenden Aufgabe des eigenständigen Denkens und Urteilens stellen zu müssen. Die Redewendung tritt somit aus dem Geist der kritischen Moderne und der psychologischen Beobachtung hervor.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt der Satz ein Handlungsmotiv: Wir sind bequem, also erschaffen oder suchen wir nach Gesetzen. Die übertragene, tiefere Bedeutung kritisiert einen fundamentalen menschlichen Denkfehler. Statt die Wirklichkeit in ihrer oft widersprüchlichen und unordentlichen Fülle anzunehmen und zu durchdringen, ziehen wir es vor, vereinfachende Erklärungsmuster, starre Regeln oder ideologische Systeme zu übernehmen. Diese "Gesetze" können naturwissenschaftliche Theorien, politische Doktrinen, gesellschaftliche Konventionen oder auch moralische Absolute sein. Das "Gesetz" gibt uns dann eine bequeme Schablone vor, die das Denken abnimmt. Ein typisches Missverständnis wäre, den Satz als Befürwortung von Recht und Ordnung zu lesen. Tatsächlich ist es das Gegenteil: eine Warnung vor der intellektuellen Trägheit, die sich hinter dem blinden Befolgen oder dem zwanghaften Erfinden von Regeln verbirgt. Es geht um die Bequemlichkeit des Geistes, nicht des Körpers.
Relevanz heute
Die Relevanz dieses Zitats ist heute größer denn je. In einer Welt, die von Informationsüberflutung, komplexen globalen Krisen und sich schnell wandelnden Werten geprägt ist, ist die Versuchung, nach einfachen "Gesetzen" zu suchen, allgegenwärtig. Man erkennt dies in der Attraktivität von Verschwörungstheorien, die chaotische Ereignisse in ein simples Ursache-Wirkung-Schema pressen. Man sieht es in der Polarisierung des politischen Diskurses, wo komplexe Probleme auf griffige Parolen reduziert werden. Auch der algorithmisch gesteuerte Alltag, der uns durch vermeintlich perfekte Gesetze der Datenanalyse vorschreiben will, was wir konsumieren oder denken sollen, ist ein Ausdruck dieser Dynamik. Polgars Satz erinnert uns daran, dass wahre Erkenntnis und verantwortungsvolles Handeln oft unbequem sind und das Aushalten von Ambivalenz erfordern.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich hervorragend für Kontexte, in denen es um kritisches Denken, Selbstreflexion oder die Analyse von gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Paradigmen geht. Es ist weniger für lockere Alltagsgespräche geeignet, kann aber in anspruchsvollen Diskussionen punktgenau eingesetzt werden.
- Vorträge und Reden: Perfekt für Einleitungen oder Schlussbetrachtungen in Vorträgen über Wissenschaftstheorie, Medienkritik, politische Kultur oder Psychologie. Es setzt einen nachdenklichen, anspruchsvollen Ton.
- Schriftliche Arbeiten: Ein starkes Zitat für Essays, Kolumnen oder Kommentare, die sich mit Denkfaulheit, Dogmatismus oder der Suche nach einfachen Wahrheiten beschäftigen.
- Beruflicher Kontext: In Workshops zu Innovation oder Problemlösung kann das Zitat dazu anregen, eingefahrene Denkgesetze ("Das haben wir immer so gemacht") in Frage zu stellen.
Seien Sie vorsichtig mit der Verwendung in sehr emotionalen oder persönlichen Kontexten wie einer Trauerrede. Dort könnte der intellektuelle und leicht skeptische Unterton als unpassend empfunden werden. Gelungene Anwendungsbeispiele sind: "Bevor wir der nächsten einfachen Lösung zujubeln, sollten wir Alfred Polgar bedenken, der sagte, aus Bequemlichkeit suchten wir nach Gesetzen. Lassen Sie uns stattdessen die komplexe Realität gemeinsam ansehen." Oder, in einer Selbstreflexion: "Mein Widerstand gegen diese neue Theorie machte mich stutzig. Handelte ich aus rationaler Kritik – oder, wie Polgar es nennen würde, aus der Bequemlichkeit heraus, mein altes, vertrautes Weltgesetz zu verteidigen?"
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