Die Träume haben sehr viel zur Kultur und Bildung der …
Die Träume haben sehr viel zur Kultur und Bildung der Menschheit beigetragen; daher mit Recht das ehemalige große Ansehn der Träume.
Autor: Novalis
Herkunft
Die Aussage "Die Träume haben sehr viel zur Kultur und Bildung der Menschheit beigetragen; daher mit Recht das ehemalige große Ansehn der Träume" stammt aus dem Werk "Menschliches, Allzumenschliches" von Friedrich Nietzsche. Das Buch erschien erstmals 1878. Nietzsche widmet darin einen ganzen Abschnitt (Aphorismus 13 im ersten Hauptstück) den Träumen. In diesem Kontext analysiert er die Traumdeutung als eine frühe Form der Welterklärung und stellt sie der aufkeimenden wissenschaftlichen Methode gegenüber. Er argumentiert, dass im Traum der Mensch seine ersten kausalen Erklärungen für Erlebnisse fand, was der Menschheitsentwicklung einen entscheidenden Impuls gab, bevor diese Funktion von der exakten Wissenschaft übernommen wurde.
Bedeutungsanalyse
Bei diesem Satz handelt es sich weniger um eine Redewendung im klassischen Sinne als um eine kulturkritische These. Wörtlich besagt er, dass Träume in der Geschichte der Menschheit eine fundamentale Rolle für die geistige und kulturelle Entwicklung gespielt haben. Das "ehemalige große Ansehn" bezieht sich auf Zeiten, in denen Träume als göttliche Botschaften, Prophezeiungen oder Zugang zu einer anderen Wirklichkeit galten. Übertragen und im Sinne Nietzsches interpretiert, stellt der Satz eine ironische Würdigung dar: Die Menschheit verdankt ihren Drang, die Welt zu erklären, ursprünglich einem Irrtum – der Fehlinterpretation des Traums. Ein typisches Missverständnis wäre, den Satz als naive Lobpreisung des Träumens zu lesen. In Wahrheit ist es eine nüchterne, fast archäologische Feststellung über den Ursprung menschlichen Denkens aus einem heute überwundenen, aber einst höchst einflussreichen Zustand.
Relevanz heute
Die These ist heute in philosophischen, kulturwissenschaftlichen und psychologiegeschichtlichen Diskussionen nach wie vor höchst relevant. Sie wird aktiv verwendet, wenn es darum geht, die Geschichte des menschlichen Bewusstseins zu ergründen oder den Unterschied zwischen mythologischem und rationalem Denken zu beleuchten. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich in der Frage nieder, welche Rolle intuitive, nicht-rationale Erkenntnisprozesse neben der strengen Wissenschaft noch spielen dürfen oder sollen. In einer Zeit, die sich stark auf Daten und messbare Fakten konzentriert, erinnert Nietzsches Gedanke daran, dass auch scheinbar irrationale Phänomene wie Träume und Mythen formative Kräfte unserer Zivilisation waren und im kreativen Prozess weiterhin sind.
Praktische Verwendbarkeit
Dieser anspruchsvolle Gedanke eignet sich nicht für saloppe Alltagsgespräche, sondern für formellere Kontexte, in denen über kulturelle Entwicklung, Kreativität oder Erkenntnistheorie gesprochen wird. Er ist ideal für einen anregenden Vortrag, einen philosophischen Essay, eine Rede anlässlich einer kulturellen Veranstaltung oder eine tiefgründige Diskussion. In einer Trauerrede könnte er, mit Feingefühl eingesetzt, dazu dienen, die Bedeutung des Innenlebens und des Unbewussten einer Person zu würdigen.
Gelungene Anwendungsbeispiele wären:
- In einem Vortrag über Innovationsmanagement: "Wir sollten der intuitiven, fast träumerischen Phase der Ideenfindung ihr 'ehemaliges großes Ansehn' zurückgeben, bevor wir in die analytische Phase eintreten."
- In einer Diskussion über Kunst: "Der Künstler schöpft aus einer Quelle, die Nietzsche den Träumen zugeschrieben hätte – sie tragen viel bei, auch wenn wir sie nicht mehr als Orakel befragen."
- In einer reflektierenden Betrachtung: "In unserer hyperrationalen Welt lohnt es sich, daran zu erinnern, dass Träume sehr viel zur Kultur der Menschheit beigetragen haben. Ihr Einfluss wirkt in der Kunst und Literatur fort."
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