Anführerin bei den Übeltaten aber ist die Frau; in …

Anführerin bei den Übeltaten aber ist die Frau; in Verbrechen ist sie Künstlerin.

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Aussage "Anführerin bei den Übeltaten aber ist die Frau; in Verbrechen ist sie Künstlerin" stammt aus dem monumentalen Werk "Die Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung" des deutschen Dichters und Historikers Friedrich Schiller. Das Werk erschien erstmals im Jahr 1788. Der Satz fällt in Schillers historischer Analyse im Kontext der Herrschaft von Margarete von Parma, der Statthalterin der spanischen Niederlande. Schiller beschreibt hier die politisch aufgeheizte und von religiösem Fanatismus geprägte Atmosphäre, in der Adlige und Bürger intrigieren. Die zugespitzte Formulierung ist weniger eine allgemeine Aussage über Frauen, sondern vielmehr ein stilistisches Mittel innerhalb einer dramatischen Geschichtserzählung, das die Rolle bestimmter historischer Akteurinnen in machtpolitischen Konflikten pointiert charakterisieren soll.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich behauptet der Satz, dass die Frau die Hauptverantwortliche bei bösen Taten sei und im Bereich des Verbrechens eine besondere künstlerische Begabung besitze. Übertragen und im Kontext von Schillers Geschichtswerk geht es jedoch weniger um eine biologistische Verurteilung eines Geschlechts. Vielmehr nutzt Schiller hier eine hyperbolische, also stark übersteigernde Rhetorik, um die besondere List, den politischen Scharfsinn und die effektive Heimtücke zu beschreiben, die er bestimmten weiblichen Figuren in diesem Machtkampf zuschreibt. Ein typisches Missverständnis liegt darin, die Aussage als einfaches, zeitloses Frauen-Zitat oder gar als misogynes Sprichwort zu lesen. In Wahrheit ist es ein gezielt gesetztes Stilmittel innerhalb einer komplexen historischen Narration, das die damals unkonventionelle Machtausübung von Frauen in einer Männerdomäne mit bewunderndem und zugleich erschrockenem Unterton kommentiert. Es geht um politische Kunstgriffe, nicht um allgemeine Kriminalität.

Relevanz heute

Als feststehende Redewendung im alltäglichen Sprachgebrauch ist dieser Satz heute nicht mehr relevant. Er wird nicht im üblichen Sinne zitiert. Seine Relevanz liegt heute auf anderen Ebenen: Zum einen ist er ein interessantes Objekt für die Literatur- und Geistesgeschichte, das Schillers dramatischen Stil und sein Ringen mit der Darstellung starker Frauenfiguren zeigt. Zum anderen dient er als Diskussionspunkt in Debatten über die Darstellung von Geschlechterrollen in der klassischen Literatur. Man kann ihn als Beispiel dafür heranziehen, wie historische Narrative mit klischeehaften Zuschreibungen arbeiten, die dann aus dem Kontext gerissen werden können. Die Brücke zur Gegenwart schlägt sich also in der kritischen Reflexion über Sprache, Machtdarstellung und die Interpretation historischer Texte.

Praktische Verwendbarkeit

Eine direkte Nutzung dieser Formulierung im alltäglichen Gespräch oder in einer modernen Rede wäre höchst unangemessen, da sie schnell als frauenfeindlich missverstanden werden könnte. Es gibt jedoch spezifische Kontexte, in denen ein bewusster, reflektierter Gebrauch möglich ist:

  • Literaturwissenschaftlicher Vortrag: In einer Analyse von Schillers Prosa oder des historischen Dramas kann der Satz zitiert werden, um dessen rhetorische Strategie zu erläutern. Ein Beispielsatz könnte lauten: "Schiller beschreibt die politische Lage mit den Worten 'Anführerin bei den Übeltaten aber ist die Frau...', was weniger ein Urteil über das Geschlecht als vielmehr eine Zuspitzung der zugeschriebenen politischen Kunstgriffe ist."
  • Kulturhistorischer Essay: Bei der Erörterung des Frauenbildes im 18. Jahrhundert kann die Stelle als markantes Beispiel für ambivalente Darstellungen dienen.

Für eine Trauerrede, ein lockeres Gespräch oder einen Business-Vortrag ist diese Formulierung grundsätzlich ungeeignet. Sie ist zu archaisch, zu stark kontextgebunden und ihr semantischer Ballast ist für moderne Ohren zu schwer. Wer sie dennoch verwenden möchte, muss den historischen Kontext zwingend und sehr klar mitliefern, um Missdeutungen vorzubeugen.