Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er …
Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt.
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Aussage "Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt" ist ein Zitat aus dem berühmten Drama "Iphigenie auf Tauris" von Johann Wolfgang von Goethe. Es erscheint im fünften Akt, ausgesprochen von der Titelfigur Iphigenie. Das Stück, ein klassisches Beispiel der Weimarer Klassik, wurde 1787 veröffentlicht. Der Kontext ist zentral: Iphigenie ringt mit der moralischen Frage, ob sie ihren Bruder Orest und seinen Freund Pylades durch eine List vor dem Menschenopfer retten und damit ihr Gastland betrügen darf. Das Zitat fällt in ihrem inneren Monolog und spiegelt den hohen ethischen Anspruch wider, dass der edle Versuch an sich, selbst wenn er scheitert, Würde und Respekt verdient.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung bewertet das Scheitern neu. Wörtlich genommen besagt sie, dass eine Person, die sich ein hohes, anspruchsvolles Ziel setzt, Anerkennung verdient – und zwar unabhängig vom Ausgang. Übertragen feiert sie den Mut zur Tat, den Willen, über sich hinauszuwachsen, und den Wert des Prozesses selbst. Ein typisches Missverständnis wäre, in dem Satz eine Aufforderung zu leichtsinnigem oder planlosem Wagnis zu sehen. Das Gegenteil ist der Fall. Es geht um "Großes", also um bedeutende, oft moralisch aufgeladene oder gemeinwohlorientierte Unternehmungen. Der Fokus liegt auf der bewussten Entscheidung für eine schwere, aber lohnende Aufgabe. Die Kerninterpretation lautet: Der menschliche Wert zeigt sich im Streben, nicht allein im Gelingen. Ein gescheiterter Versuch in großem Maßstab ist ehrenvoller als ein mühelos errungener, aber unbedeutender Erfolg.
Relevanz heute
Die Aussage ist heute relevanter denn je. In einer Kultur, die Erfolg oft als einziges messbares Ergebnis feiert, bietet dieses Zitat ein notwendiges Korrektiv. Es findet Resonanz in modernen Diskussionen über Innovationskultur, wo "fail fast, learn fast" zum Mantra wurde, sowie im Sport, wo die Leistung von Zweitplatzierten gewürdigt wird. Unternehmer, Aktivisten oder Künstler, die mit ihren Projekten scheitern, können sich in diesem Satz wiederfinden. Er schafft eine Brücke zur psychologischen Resilienzforschung, die die Bedeutung des Aufstehens nach einem Fall betont. Die Redewendung wird heute weniger im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet, sondern eher als pointiertes, reflektiertes Zitat in anspruchsvollen Kontexten wie Reden, Essays oder Kommentaren, die sich mit Mut, Ethik und dem Umgang mit Niederlagen beschäftigen.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich hervorragend für Situationen, in denen es um Würdigung und Ermutigung geht. Es ist zu anspruchsvoll und literarisch für lockere Alltagsplaudereien, wo es gekünstelt wirken könnte.
Ideal ist es in formelleren Anlässen:
- Motivationsreden zu Projektbeginn oder bei Rückschlägen innerhalb eines Teams.
- Laudationes oder Preisverleihungen, um den Weg der Geehrten zu würdigen.
- Trauerreden für Personen, die durch ihr lebenslanges Streben beeindruckten, auch wenn nicht alle Ziele erreicht wurden.
- In persönlichen Gesprächen als tröstende oder bestärkende Worte für jemanden, der nach einem mutigen, aber gescheiterten Versuch entmutigt ist.
Passende Beispiele für gelungene Sätze wären:
"In unserem Forschungsprojekt haben wir das gesetzte Ziel nicht erreicht. Doch im Sinne von Goethes Wort 'Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt' möchte ich dem Team für seinen außerordentlichen Einsatz danken."
"Bei der Bewerbung um diesen Posten war ich leider nicht erfolgreich. Ich halte mich an den Gedanken, dass der Versuch an sich zählt, und bleibe ambitioniert."
Vermeiden sollten Sie den Spruch in sarkastischem oder abwertendem Kontext, da er sonst seinen aufbauenden Charakter verliert und zynisch wirken kann.