Die Frau ist ein menschliches Wesen, das sich anzieht, …
Die Frau ist ein menschliches Wesen, das sich anzieht, schwatzt und sich wieder auszieht.
Autor: unbekannt
Herkunft
Die genaue Herkunft dieser spöttischen Sentenz ist nicht zweifelsfrei belegt. Sie taucht häufig in Sammlungen von Zitaten und Redensarten auf, wird aber meist ohne konkreten Quellennachweis einem "Autor: None" oder "Unbekannt" zugeschrieben. Stilistisch und inhaltlich lässt sie sich in die lange Tradition misogyner Spottverse und sogenannter "Weiberregeln" einordnen, die seit dem Mittelalter in verschiedenen Kulturen kursieren. Diese pointierten, oft frauenfeindlichen Sprüche dienten der vermeintlich witzigen Zuschreibung von Klischees. Ein erster schriftlicher Beleg in einem deutschsprachigen Werk konnte bisher nicht sicher identifiziert werden, weshalb auf eine detaillierte Herkunftsangabe verzichtet wird.
Bedeutungsanalyse
Die Redewendung reduziert die Rolle der Frau auf drei oberflächliche Tätigkeiten: das Anziehen (als Akt der Eitelkeit und des äußeren Scheins), das Schwatzen (als oberflächliche, inhaltsleere Kommunikation) und das erneute Ausziehen (was in diesem Kontext oft auf vermeintliche Promiskuität oder die Rolle als Sexualobjekt anspielt). Wörtlich beschreibt sie einen zyklischen Ablauf von Verhalten. Übertragen und in ihrer verletzenden Absicht ist sie eine massive Verallgemeinerung und Herabwürdigung. Sie unterstellt, dass das Wesen der Frau ausschließlich aus Äußerlichkeiten, Geschwätzigkeit und Sexualität bestehe, und verneint dabei jegliche intellektuelle, charakterliche oder schöpferische Tiefe. Ein typisches Missverständnis wäre, sie als harmlosen Scherz oder "Damenwitz" abzutun. In Wirklichkeit transportiert sie ein tief sitzendes, patriarchalisches Weltbild, das Frauen auf Klischees reduziert und ihre Menschlichkeit leugnet.
Relevanz heute
In ihrer originalen, verächtlichen Form hat die Redewendung heute keine gesellschaftliche Akzeptanz mehr und gilt zurecht als stark sexistisch und anstößig. Ihre aktuelle Relevanz liegt vor allem in einer kritischen Auseinandersetzung. Sie wird zitiert, um historische Frauenfeindlichkeit zu illustrieren, um den langen Weg der Emanzipation zu zeigen oder um zu demonstrieren, wie Sprache zur Abwertung ganzer Gruppen genutzt wurde und wird. In Diskussionen über Sexismus, Sprache und Stereotype kann sie als Negativbeispiel dienen. Ein unreflektierter, affirmativer Gebrauch in der Alltagssprache wäre ein klarer Tabubruch und würde den Sprecher oder die Sprecherin gesellschaftlich isolieren.
Praktische Verwendbarkeit
Diese Redewendung ist für den alltäglichen, unkritischen Gebrauch völlig ungeeignet. Sie ist zu verletzend, zu herablassend und zu sehr mit historischem Ballast beladen. Eine Verwendung kommt nur in sehr spezifischen, reflektierenden Kontexten in Frage, und selbst dort ist äußerste Vorsicht geboten.
Mögliche Anlässe für eine zitierende Erwähnung wären:
- Ein wissenschaftlicher oder journalistischer Beitrag zur Geschichte der Frauenfeindlichkeit in der Sprache.
- Ein Vortrag über die Macht von Stereotypen und wie sie sich in Redensarten verfestigen.
- Eine Diskussionsrunde zum Thema Sexismus, in der das Zitat als Ausgangspunkt für die Analyse heutiger, subtilerer Formen der Abwertung dient.
Gelungene, kontextualisierende Sätze könnten lauten:
- "Das Zitat 'Die Frau ist ein menschliches Wesen...' mag extrem klingen, doch es steht exemplarisch für eine jahrhundertealte Tradition der sprachlichen Herabwürdigung."
- "Wenn wir heute über Alltagssexismus sprechen, sollten wir uns an solch drastische historische Beispiele wie diese Redewendung erinnern, um den Fortschritt, aber auch die verbliebenen Mechanismen zu verstehen."
Für eine Trauerrede, einen lockeren Vortrag oder ein normales Gespräch ist diese Formulierung absolut tabu. Sie wäre salopp, hart und flapsig zugleich und würde den Sprecher oder die Sprecherin in ein äußerst negatives Licht rücken.