Wenn Sie einen Schweizer Bankier aus dem Fenster springen …

Wenn Sie einen Schweizer Bankier aus dem Fenster springen sehen, springen Sie hinterher. Es gibt bestimmt etwas zu verdienen.

Autor: unbekannt

Herkunft

Die genaue Herkunft dieses pointierten Satzes liegt im Dunkeln. Er wird häufig dem französischen Schriftsteller Voltaire zugeschrieben, doch ein eindeutiger Beleg in seinen Werken fehlt. Gesichert ist, dass das Bonmot in der Finanzwelt und in Sammlungen zynischer Lebensweisheiten seit dem 20. Jahrhundert kursiert. Sein erster schriftlicher Nachweis findet sich oft in John Kenneth Galbraiths Werk "The Great Crash 1929" aus dem Jahr 1954. Galbraith zitiert es als eine in den zwanziger Jahren verbreitete, zynische Wall-Street-Weisheit, ohne einen konkreten Urheber zu nennen. Der Kontext ist der spekulative Wahnsinn vor dem Börsencrash, in dem der blinde Nachahmungstrieb ("Wenn alle springen, muss es ein Geschäft sein") zur gefährlichen Norm wurde.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich fordert der Spruch zu einer absurden und lebensgefährlichen Handlung auf: einem Bankier in den Tod zu folgen. Übertragen und in seiner eigentlichen Bedeutung ist er eine drastische Metapher für opportunistisches Verhalten und den Herdentrieb in der Finanzwelt. Er kritisiert die Mentalität, dass man einem als erfolgreich geltenden Akteur blind vertrauen und seine Handlungen kopieren sollte, selbst wenn sie irrational erscheinen, in der Hoffnung, davon zu profitieren. Ein typisches Missverständnis wäre, den Satz als ernsthafte Anlageempfehlung zu lesen. Tatsächlich ist er eine beißende Ironie. Er entlarvt die Absurdität von Spekulationsblasen, in der vernunftwidriges Handeln ("aus dem Fenster springen") plötzlich als profitables Geschäftsmodell nachgeahmt wird. Die Kernaussage lautet: Selbst der kollektive Suizid kann in einer irrationalen Marktphase als attraktive Investition missverstanden werden.

Relevanz heute

Die Redewendung hat nichts von ihrer scharfen Aktualität verloren. Sie wird nach wie vor verwendet, um den Herdeninstinkt an den Finanzmärkten, in der Startup-Szene oder bei jeder Art von Hype zu beschreiben und zu kritisieren. Ob bei der Dotcom-Blase, der Immobilienkrise 2008 oder dem Hype um bestimmte Kryptowährungen und "Memestocks": Immer wieder folgen Anleger den vermeintlichen Profis in den Abgrund, in dem trügerischen Glauben, "etwas zu verdienen". Der Spruch dient heute als mahnendes Schlagwort in Wirtschaftskommentaren, in der Verhaltensökonomie zur Illustration irrationaler Massenphänomene und im allgemeinen Sprachgebrauch als humorvoll-zynische Warnung vor blindem Mitläufertum in jedem Bereich, sei es in der Mode, bei Technologietrends oder in der Politik.

Praktische Verwendbarkeit

Dieses Zitat eignet sich hervorragend für pointierte Vorträge, Kolumnen oder lockere Diskussionen, in denen es um kritische Betrachtungen von Gruppendenken, Finanzspekulation oder Trendhypes geht. Es ist zu salopp für eine Trauerrede und zu zynisch für eine motivierende Ansprache. In formellen Finanzanalysen wäre es möglicherweise zu flapsig, in einem kritischen Kommentar jedoch ein perfekter Aufhänger.

Sie können es verwenden, um eine eigene skeptische Haltung zu unterstreichen oder einen beobachteten Mitläufereffekt auf die Spitze zu treiben.

  • In einem Vortrag über Anlagepsychologie: "Die Geschichte lehrt uns: 'Wenn Sie einen Schweizer Bankier aus dem Fenster springen sehen...' – dieser zynische Spruch fasst den Herdentrieb leider perfekt zusammen."
  • In einer Diskussion über einen neuen Social-Media-Trend: "Jetzt machen das alle! Aber nur weil alle springen, heißt das noch lange nicht, dass unten ein sichertes Netz – oder gar Geld – liegt. Da gilt das alte Börsenbonmot."
  • In einer internen Besprechung zur Wettbewerbsstrategie: "Wir sollten nicht blind der Konkurrenz folgen, nur weil sie es tut. Nicht jeder Sprung aus dem Fenster führt zu einem Geschäft, manchmal endet er einfach nur im freien Fall."