Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich …
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge" stammt aus dem Werk "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche. Sie erscheint im ersten Teil des Buches, in der Abhandlung "Von den Freuden- und Leidenschaften". Der Kontext ist eine tiefgründige Betrachtung über das Wesen der menschlichen Leidenschaften und Wünsche. Nietzsche lässt seine titelgebende Figur Zarathustra hier eine metaphorisch dichte Sprache sprechen, um eine philosophische Einsicht zu vermitteln. Die prägnante Formulierung ist somit eindeutig diesem philosophischen Meisterwerk des späten 19. Jahrhunderts zuzuordnen.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen beschreibt der Satz ein biologisches Phänomen: Sobald ein Wunsch erfüllt ist, wirft er sofort Nachwuchs. Diese bildhafte Sprache ist der Schlüssel zum Verständnis. Übertragen bedeutet die Redewendung, dass die Erfüllung eines einzelnen Begehrens niemals zu einer dauerhaften Zufriedenheit führt. Stattdessen gebiert der erfüllte Wunsch unmittelbar neue, weitere Wünsche. Es ist ein Kommentar zur unstillbaren Natur menschlichen Strebens. Ein typisches Missverständnis wäre, in der Aussage eine rein negative oder zynische Kritik zu sehen. Bei näherer Betrachtung beschreibt Nietzsche jedoch einfach ein psychologisches Grundgesetz. Es geht nicht um die Verwerflichkeit von Wünschen, sondern um die Erkenntnis ihrer Dynamik. Die Befriedigung schafft keinen Stillstand, sondern ist der Ausgangspunkt für neue Bewegung.
Relevanz heute
Die Aussage ist heute vielleicht relevanter denn je. In einer Konsum- und Erlebnisgesellschaft, die von ständig neuen Angeboten und dem Versprechen der Bedürfnisbefriedigung lebt, wirkt Nietzsches Formulierung wie eine hellsichtige Diagnose. Sie erklärt das Phänomen, warum ein gekauftes Produkt, ein erreichtes Ziel oder ein erlangter Status oft nur kurz beglückt, bevor das Verlangen nach dem Nächsten einsetzt. Diese Einsicht findet sich in modernen Diskussionen über Konsumkritik, Glücksforschung und die Psychologie der sozialen Medien wieder. Die Redewendung bietet ein geistiges Werkzeug, um die eigene Wunschmaschinerie und die Mechanismen der Werbung zu durchschauen. Sie ist kein Aufruf zur Wunschlosigkeit, sondern eine Einladung zur bewussten Reflexion über die eigenen Antriebe.
Praktische Verwendbarkeit
Dieses Zitat eignet sich hervorragend für Kontexte, in denen es um Selbstreflexion, Philosophie oder die kritische Betrachtung von gesellschaftlichen Trends geht. In einer lockeren Vortragsrede oder einem anspruchsvollen Gespräch kann es als pointierter Einstieg dienen, um über die Natur von Zielen und Zufriedenheit zu sprechen. In einer Trauerrede wäre es wahrscheinlich zu abstrakt und nicht tröstlich genug. Für alltägliche Situationen, in denen jemand unzufrieden ist, obwohl ein früherer Wunsch gerade in Erfüllung ging, kann der Satz einfühlsam und erhellend wirken. Er ist nicht flapsig, sondern hat eine gewisse gedankliche Tiefe und sollte mit Bedacht eingesetzt werden.
Anwendungsbeispiele:
- In einem Coaching-Gespräch: "Sie haben die Beförderung erreicht, fühlen sich aber schon wieder getrieben. Bedenken Sie doch Nietzsches Gedanken, dass jeder erfüllte Wunsch augenblicklich Junge kriegt. Vielleicht hilft es, diese Dynamik erst einmal anzuerkennen."
- In einem Kommentar zum Konsumverhalten: "Das neueste Smartphone macht uns nicht langfristig glücklich. Es bestätigt nur die alte Weisheit, dass ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, sofort neue Bedürfnisse hervorbringt."
- In einer persönlichen Reflexion: "Ich merke immer wieder, wie wahr der Satz ist: Ein erfüllter Wunsch gebiert sofort den nächsten. Deshalb versuche ich, den Weg zum Ziel mehr wertzuschätzen als die bloße Erfüllung."