Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich …
Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Redewendung "Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut" ist ein klassisches Beispiel für deutschen Sprachwitz, der sich einer präzisen historischen Zuordnung entzieht. Sie taucht nicht in den Werken großer Dichter auf, sondern gehört vielmehr zum reichen Schatz der Volksmund- und Scherzkultur. Erste schriftliche Belege finden sich in Sammlungen von Witzen und pointierten Sprüchen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Kontext ist stets der einer trockenen, selbstironischen Rechtfertigung. Der Sprecher gibt zu, einen inneren Wunsch ("mögen") gehabt zu haben, scheiterte aber letztlich an selbstauferlegten oder äußeren Grenzen ("dürfen") und einem Mangel an Mut. Ihre Popularität verdankt die Formulierung ihrer perfekten rhythmischen Struktur und der kunstvollen Verdrehung logischer Erwartungen, die typisch für humorvolle Sprachspiele im Deutschen ist.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen stellt der Satz eine grammatikalisch und logisch verworrene Kausalkette dar. Normalerweise würde man sagen: "Ich hätte es tun wollen, aber ich habe mich nicht getraut". Die Redewendung bricht diese Logik bewusst auf. Sie spaltet den Wunsch ("mögen") und den Willen ("wollen") künstlich, als wären es zwei verschiedene Instanzen. Noch absurder wird es durch die Verschiebung von "dürfen" – was eine Erlaubnis von außen impliziert – hin zur eigenen Angst ("mich nicht getraut"). Die übertragene Bedeutung ist jedoch glasklar: Es handelt sich um eine scheinheilige oder lustig gemeinte Ausrede für unterlassenes Handeln. Man schiebt die Schuld nicht auf äußere Umstände, sondern auf ein inneres Zögern zwischen Begehren, Regelbewusstsein und Feigheit. Ein typisches Missverständnis wäre, in der Redewendung einen tiefgründigen philosophischen Satz zu sehen. Sie ist in erster Linie ein rhetorisches Stilmittel der Komik und der entschuldigenden Selbstentlarvung.
Relevanz heute
Die Redewendung hat nichts von ihrer Frische verloren. Sie wird nach wie vor häufig und mit einem Augenzwinkern verwendet, besonders in Situationen, in denen man sich zu einer kleinen Schwäche oder einem gescheiterten Vorhaben bekennt. Ihre Relevanz speist sich aus ihrer universellen Anwendbarkeit auf alltägliche menschliche Dilemmata. Ob es um das zweite Stück Kuchen, eine riskante Investition oder eine unausgesprochene Liebeserklärung geht – der Konflikt zwischen Wunsch, Erlaubnis und Courage ist zeitlos. In einer Zeit, die von Diskussionen über innere Grenzen, Selbstoptimierung und die Überwindung von Ängsten geprägt ist, bietet diese alte Formulierung eine fast schon therapeutisch anmutende, weil humorvoll entlastende, Beschreibung für unser Zaudern.
Praktische Verwendbarkeit
Der Spruch ist äußerst vielseitig, bleibt aber stets im Bereich der lockeren, geselligen oder ironischen Kommunikation. Er eignet sich hervorragend, um in einem Vortrag oder einer Rede eine sympathische Selbstironie zu demonstrieren und das Publikum zum Schmunzeln zu bringen. Im privaten Gespräch dient er als perfekte, weil unangreifbare, Ausrede unter Freunden.
Ungeeignet ist die Redewendung für förmliche oder ernste Kontexte. In einer Trauerrede, einem offiziellen Entschuldigungsschreiben oder in einer kritischen Leistungsbeurteilung würde sie als deplatziert und respektlos wirken. Ihr Charme liegt genau in ihrer saloppen und flapsigen Art.
Gelungene Beispiele für den Einsatz sind:
- Nach einem gescheiterten Diätversuch: "Den Schokopudding mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut... also habe ich ihn gegessen."
- Im Beruf, nachdem man eine unpopuläre Meinung nicht geäußert hat: "Was das Meeting betrifft: Widerwort mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut."
- Als Antwort auf die Frage, warum man nicht auf einen unhöflichen Mitmenschen reagiert hat: "Eine scharfe Erwiderung mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut. Die Höflichkeit hat gesiegt."