Man möchte wahrlich sagen: die Menschen sind die Teufel der …
Man möchte wahrlich sagen: die Menschen sind die Teufel der Erde, und die Tiere die geplagten Seelen.
Autor: unbekannt
Herkunft
Die Aussage "die Menschen sind die Teufel der Erde, und die Tiere die geplagten Seelen" stammt aus dem Werk "Die Wahlverwandtschaften" von Johann Wolfgang von Goethe. Sie erscheint im zweiten Teil des Romans, im zehnten Kapitel, und wird im Kontext eines Gesprächs über menschliche Eingriffe in die Natur geäußert. Die Figur Mittler, ein etwas exzentrischer Geistlicher, bringt diesen drastischen Vergleich vor, um die dominante und oft zerstörerische Rolle des Menschen gegenüber der Tierwelt zu kritisieren. Der Roman wurde 1809 veröffentlicht, was die Sentenz in die Epoche der Romantik und der aufkeimenden naturphilosophischen Debatten einordnet.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen stellt der Satz eine düstere kosmologische Hierarchie auf: Die Erde wird zur Hölle, die Menschen zu ihren Dämonen (Teufeln) und die Tiere zu den leidenden Insassen, den "geplagten Seelen". Übertragen drückt er eine fundamentale und bittere Kritik am menschlichen Verhalten aus. Der Mensch agiert demnach nicht als weiser Herrscher oder Beschützer der Schöpfung, sondern als ihr Quälgeist. Ein häufiges Missverständnis liegt in der Annahme, es handele sich um eine pauschale Menschenverachtung. Vielmehr ist es eine spezifische Anklage gegen die Arroganz und Grausamkeit, mit der sich die Menschheit über andere Lebewesen stellt und diese für ihre Zwecke instrumentalisiert und leidet lässt. Es ist eine Metapher für die Ausbeutung der Natur.
Relevanz heute
Die Relevanz dieser fast 200 Jahre alten Worte ist heute erschreckend aktuell. In Zeiten des menschengemachten Massenaussterbens, der industriellen Tierhaltung und der fortschreitenden Umweltzerstörung liest sich die Redewendung nicht mehr nur als literarische Metapher, sondern als präzise Diagnose. Sie findet Resonanz in den Diskursen des Tierschutzes, des ökologischen Aktivismus und der Tierrechtsphilosophie. Wenn über das "Anthropozän", das Zeitalter des Menschen, gesprochen wird, schwingt oft genau diese von Goethe benannte Ambivalenz mit: Der Mensch als gestaltende Kraft und zugleich als zerstörerischer Dämon. Die Redewendung bietet somit eine kraftvolle, historisch fundierte sprachliche Verdichtung für ein hochmodernes ethisches Dilemma.
Praktische Verwendbarkeit
Dies ist keine Redewendung für beiläufige Alltagsgespräche. Ihre Schärfe und Tragweite verlangen nach einem angemessenen Kontext. Sie eignet sich hervorragend für reflektierte Vorträge, Essays oder Kommentare, die sich mit Mensch-Tier-Beziehungen, Ethik oder Umweltkritik befassen. In einer Trauerrede für einen tierlieben Menschen könnte sie, behutsam eingebettet, dessen Weltbild widerspiegeln. In einem lockeren Gespräch wäre sie hingegen wahrscheinlich zu drastisch und könnte als pathetisch oder belehrend missverstanden werden. Ihre Verwendung setzt voraus, dass das Gegenüber den literarischen oder gedanklichen Hintergrund erahnt oder teilt.
Beispiele für gelungene Verwendungen:
- In einem Artikel zur Massentierhaltung: "Goethes düstere Einsicht, die Menschen seien 'die Teufel der Erde', gewinnt in den Betonhallen der industriellen Fleischproduktion eine beklemmende Aktualität."
- In einer philosophischen Diskussion: "Wenn wir über unsere Verantwortung gegenüber nicht-menschlichem Leben nachdenken, sollten wir uns Goethes Frage stellen: Sind wir die Hüter der Erde oder am Ende doch ihre Teufel?"
- In einem Vortrag über Naturschutz: "Das Zitat erinnert uns daran, dass wir unsere Machtposition nicht als Lizenz zur Plünderung, sondern als Verpflichtung zum Mitgefühl begreifen müssen."