Mensch: ein vernunftbegabtes Wesen, das immer dann die Ruhe …

Mensch: ein vernunftbegabtes Wesen, das immer dann die Ruhe verliert, wenn von ihm verlangt wird, daß es nach Vernunftgesetzen handeln soll.

Autor: unbekannt

Herkunft

Die prägnante Definition des Menschen als "vernunftbegabtes Wesen, das immer dann die Ruhe verliert, wenn von ihm verlangt wird, daß es nach Vernunftgesetzen handeln soll" ist kein klassisches Zitat eines bekannten Philosophen, obwohl sie stark an die Gedankenwelt der Aufklärung erinnert. Sie tritt vor allem im digitalen Zeitalter in Zitatesammlungen und auf Seiten mit philosophischen Aphorismen auf, oft ohne konkreten Urheber. Ihre weite Verbreitung im Internet deutet darauf hin, dass sie eine moderne, populärphilosophische Prägung ist, die die Diskrepanz zwischen menschlichem Anspruch und tatsächlichem Verhalten auf den Punkt bringt. Eine eindeutige, historisch belegbare Erstnennung lässt sich nicht sicher ausmachen.

Bedeutungsanalyse

Die Redewendung oder vielmehr der philosophische Spruch arbeitet mit einer doppelten Bedeutungsebene und einer ironischen Wendung. Wörtlich beschreibt er den Menschen zunächst mit der klassischen, auf Aristoteles zurückgehenden Definition als "zoon logon echon" – als Lebewesen, das Vernunft besitzt. Die Pointe folgt sogleich: Dieses vernunftbegabte Wesen reagiert ausgerechnet dann emotional und ungehalten, wenn es seine eigene definierende Eigenschaft, die Vernunft, praktisch anwenden soll. Der Witz liegt in der Beobachtung, dass die Forderung nach rationalem Handeln oft als lästige Bevormundung, als kalte oder lebensfremde Zumutung empfunden wird, die unsere spontanen Gefühle und Bequemlichkeiten stört. Ein mögliches Missverständnis wäre, die Aussage als pauschale Verurteilung menschlicher Irrationalität zu lesen. Vielmehr karikiert sie liebevoll die menschliche Schwäche, sich gegen die eigenen hohen Maßstäbe aufzulehnen. Sie ist weniger eine Abrechnung als eine selbstironische Einsicht.

Relevanz heute

Die Aktualität dieser Sentenz ist ungebrochen, vielleicht sogar größer denn je. In einer Zeit, die von polarisierenden Debatten, emotionalisierten Diskursen in sozialen Medien und dem oft schwierigen Spagat zwischen persönlichen Impulsen und sachlichen Erfordernissen geprägt ist, trifft sie einen Nerv. Sie erklärt, warum vernünftige Appelle in hitzigen Diskussionen oft ins Leere laufen oder sogar kontraproduktiv wirken. Die Redewendung findet sich heute nicht nur in privaten Gesprächen über zwischenmenschliche Konflikte, sondern auch in Kommentaren zu politischen oder gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, in Management-Seminaren zur Entscheidungsfindung und in jeder Situation, in der der Graben zwischen "richtig" und "gefühlt" deutlich wird. Sie dient als kurze, einprägsame Erklärung für die alltägliche Beobachtung, dass Logik und Vernunft nicht immer die treibenden Kräfte menschlichen Handelns sind.

Praktische Verwendbarkeit

Dieser Spruch ist vielseitig einsetzbar, allerdings eher in informellen oder halbformellen Kontexten, in denen eine geistreiche oder selbstkritische Note erwünscht ist. Er eignet sich hervorragend, um eine lockere Vortrags- oder Präsentationspassage über menschliches Verhalten einzuleiten oder abzurunden. In einer Rede kann er als rhetorisches Mittel dienen, um beim Publikum ein Lächeln der Wiedererkennung zu erzeugen, bevor man zu ernsteren Schlussfolgerungen übergeht.

In einer Trauerrede wäre er wahrscheinlich zu distanziert und analytisch, es sei denn, er bezöge sich in liebevoller Weise auf eine charakteristische Eigenart des Verstorbenen. Im alltäglichen Gespräch können Sie ihn verwenden, um eine eigene oder fremde überreagierende Antwort humorvoll zu relativieren oder um eine hitzige Diskussion bewusst zu entschärfen, indem Sie auf das zugrundeliegende Prinzip verweisen.

Hier einige Beispiele für gelungene Einbettungen:

  • Im Kollegenkreis nach einer frustrierenden Besprechung: "Unser Projektleiter hat wieder einmal rein sachlich argumentiert. Und prompt sind alle ausgerastet. Es bestätigt sich: Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, das die Ruhe verliert, sobald Vernunft gefordert wird."
  • In einem Blogbeitrag über Entscheidungsfindung: "Wir wissen oft genau, was das Vernünftigste wäre – die gesündere Ernährung, die frühere Abgabe der Steuererklärung, das ruhige Gespräch. Doch diese Erkenntnis löst bei uns nicht selten unwillige Abwehr aus. Eine treffende Definition beschreibt den Menschen daher als Wesen, das ausgerechnet dann gereizt reagiert, wenn es seiner eigenen Vernunft folgen soll."
  • Zur Einleitung eines Vortrags über Kommunikation: "Meine sehr verehrten Damen und Herren, erlauben Sie mir einen kleinen philosophischen Exkurs zu Beginn. Es heißt, der Mensch sei ein vernunftbegabtes Wesen, das nur dann die Fassung verliert, wenn man von ihm vernünftiges Handeln erwartet. Vielleicht erklärt das, warum so viele unserer Diskussionen so emotional verlaufen."

Verwenden Sie den Spruch mit einem Augenzwinkern. Er wirkt arrogant, wenn Sie ihn nutzen, um andere Menschen von oben herab zu kritisieren. In seiner besten Form ist er eine charmante Form der Selbstironie.