Wer sich mit Hunden schlafen legt, braucht sich nicht …
Kategorie: Deutsche Sprichwörter
Wer sich mit Hunden schlafen legt, braucht sich nicht wundern, wenn er mit Flöhen aufwacht
Autor: unbekannt
- Herkunft
- Bedeutungsanalyse
- Relevanz heute
- Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
- Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Herkunft
Die genaue Herkunft dieses bildhaften Sprichworts ist nicht mit letzter Sicherheit auf ein bestimmtes Datum oder einen Autor zurückzuführen. Es handelt sich um ein sehr altes, volkstümliches Weisheitswort, das in verschiedenen Kulturen in ähnlicher Form auftaucht. Eine frühe schriftliche Fixierung im deutschen Sprachraum findet sich beispielsweise in der Sprichwörtersammlung von Wander (1867). Die bildliche Kraft der Aussage legt einen Ursprung in der bäuerlichen oder handwerklichen Lebenswelt nahe, in der der Umgang mit Tieren und deren lästigen Begleitern alltäglich war. Die englische Entsprechung "He who lies down with dogs, shall rise up with fleas" ist ebenfalls seit Jahrhunderten geläufig und wird oft dem französischen Philosophen Michel de Montaigne zugeschrieben, was die internationale Verbreitung der Lebensweisheit unterstreicht.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich genommen warnt der Spruch davor, sich in unmittelbare Nähe von Hunden zu begeben, da diese oft von Parasiten wie Flöhen befallen sein können. Wer dies tut, muss mit den unangenehmen Konsequenzen rechnen. Die übertragene Bedeutung ist weitaus mächtiger: Sie warnt vor den negativen Folgen, die aus der freiwilligen Assoziation mit unsauberen, unehrenhaften oder moralisch fragwürdigen Personen oder Gruppierungen erwachsen. Die dahinterstehende Lebensregel lautet, dass man sich sein Umfeld mit Bedacht wählen sollte, denn man übernimmt unbewusst deren Eigenschaften, schlechte Gewohnheiten oder den damit verbundenen schlechten Ruf. Ein typisches Missverständnis ist die Annahme, das Sprichwort richte sich nur gegen Hunde oder Tiere. Im Kern geht es jedoch um menschliche Beziehungen und die Wahl der eigenen Gesellschaft.
Relevanz heute
Das Sprichwort hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Es wird nach wie vor häufig verwendet, um in knapper, einprägsamer Form vor schädlichen Einflüssen durch das soziale Umfeld zu warnen. Moderne Kontexte sind vielfältig: Eltern nutzen es, um ihre Kinder vor dem Umgang mit "schlechten Freunden" zu warnen. Im Geschäftsleben dient es als Mahnung, sich bei Kooperationen die Reputation des Partners genau anzusehen. In der Politik oder in gesellschaftlichen Debatten wird es zitiert, um vor allzu engen Bündnissen mit radikalen oder korrupten Kräften zu mahnen. Die Metapher ist so eingängig, dass sie auch in Jugendsprache und Popkultur übersetzt wird, etwa in der Aussage: "Wenn du dich mit Betrügern einlässt, wirst du am Ende selbst einer."
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Die übertragene Kernaussage des Sprichworts wird durch psychologische und soziologische Erkenntnisse gestützt. Das Phänomen der sozialen Ansteckung oder des "social contagion" beschreibt, wie Verhaltensweisen, Emotionen und sogar Einstellungen innerhalb einer Gruppe unbewusst übernommen werden. Studien zu Peer-Gruppen belegen, dass das unmittelbare soziale Umfeld einen enormen Einfluss auf individuelle Entscheidungen, von der Berufswahl bis zu kriminellem Verhalten, hat. Wörtlich betrachtet ist die Aussage natürlich ebenfalls zutreffend: Die Wahrscheinlichkeit, von Flöhen befallen zu werden, steigt tatsächlich signifikant, wenn man eng mit befallenen Tieren zusammen ist. In seiner Gesamtheit besitzt das Sprichwort also einen hohen Wahrheitsgehalt, sowohl im biologischen als auch im sozialen Sinne.
Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Das Sprichwort eignet sich hervorragend für informelle Gespräche, beratende Situationen oder auch in Reden, wo eine pointierte Warnung benötigt wird. Es ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da es im direkten persönlichen Gespräch als belehrend oder abwertend gegenüber den als "Hunde" bezeichneten Personen aufgefasst werden kann. Für eine Trauerrede oder einen sehr formellen diplomatischen Vortrag ist es in der Regel zu salopp und zu hart. Ideal ist es in einem lockeren Vortrag über Unternehmenskultur oder persönliche Entwicklung.
Ein Beispiel für eine gelungene, natürliche Verwendung im Alltag wäre: "Ich verstehe, dass das Angebot dieses Geschäftspartners finanziell verlockend ist, aber seine Geschäftspraktiken sind mehr als zweifelhaft. Denken Sie an das alte Sprichwort: Wer sich mit Hunden schlafen legt, wacht mit Flöhen auf. Unser guter Ruf ist unser wichtigstes Kapital." Ein weiteres Beispiel im privaten Kontext: "Dein neuer Freund redet ständig schlecht über alle anderen und zieht alle runter. Pass auf, mit wem du dich umgibst. Am Ende übernimmst du noch seine negative Art. Wer sich mit Hunden schlafen legt..."
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