Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf …
Kategorie: Deutsche Sprichwörter
Was du heute kannst besorgen das verschiebe nicht auf morgen.
Autor: unbekannt
- Herkunft
- Bedeutungsanalyse
- Relevanz heute
- Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
- Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Herkunft
Die genaue Herkunft dieses bekannten Sprichworts ist nicht eindeutig belegbar. Es existieren jedoch sehr ähnliche Vorläufer, die seine lange Tradition bezeugen. Eine frühe schriftliche Erwähnung findet sich in Martin Luthers "Sendbrief vom Dolmetschen" aus dem Jahr 1530, wo er schreibt: "Was du heute kanst thun, das verschieb nicht auff morgen." Die Weisheit, unangenehme oder wichtige Aufgaben nicht unnötig aufzuschieben, ist jedoch noch viel älter und findet sich in verschiedenen Kulturen. Aufgrund der fehlenden hundertprozentigen Sicherheit über den allerersten Ursprung wird dieser Punkt hier weggelassen.
Bedeutungsanalyse
Das Sprichwort "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen" ist ein klarer Appell gegen das Aufschieben von Aufgaben. Wörtlich fordert es Sie auf, anfallende Besorgungen oder Arbeiten noch am selben Tag zu erledigen. Im übertragenen Sinn ist es eine Lebensregel gegen die Prokrastination. Es betont den Wert von Initiative, Pünktlichkeit und der Bewältigung von Pflichten, bevor sie sich zu größeren Problemen anhäufen. Ein häufiges Missverständnis ist die Interpretation als Aufruf zu hektischem Aktionismus oder zur Vernachlässigung notwendiger Planung. Die eigentliche Botschaft ist jedoch die der verantwortungsvollen Priorisierung: Unangenehmes oder Wichtiges sollte nicht ohne guten Grund vertagt werden, um Raum für Unvorhergesehenes zu schaffen und mentalen Ballast abzuwerfen.
Relevanz heute
Dieser Spruch hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil: In einer Zeit permanenter Ablenkung und einer übervollen Aufgabenliste ist der Rat, Dinge zeitnah zu erledigen, wertvoller denn je. Er wird nach wie vor häufig verwendet, oft in leicht abgewandelter oder verkürzter Form wie "Was du heute kannst besorgen...". Man hört ihn im privaten Umfeld, wenn Eltern ihre Kinder zum Erledigen der Hausaufgaben motivieren, oder im Berufsleben als sanfte Erinnerung an anstehende Projekte. Die Brücke zur digitalen Gegenwart schlägt das Phänomen der "Prokrastination", das in Selbstmanagement-Ratgebern, Podcasts und Coachings intensiv thematisiert wird. Das alte Sprichwort liefert dafür die griffige, volkstümliche Formel.
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Die Psychologie bestätigt die grundlegende Weisheit des Sprichworts weitgehend. Das Aufschieben von Aufgaben, fachsprachlich Prokrastination genannt, führt nachweislich zu erhöhtem Stress, schlechterem Gewissen und oft auch zu minderwertigen Ergebnissen aufgrund von Zeitdruck. Das unmittelbare Erledigen einer unangenehmen Pflicht befreit von einem kognitiven "Offenen Punkt" (Zeigarnik-Effekt) und schafft mentale Kapazität. Allerdings relativiert die Wissenschaft den absoluten Anspruch des Sprichworts: Nicht jede Aufgabe muss sofort erledigt werden. Effektives Zeitmanagement beinhaltet auch das bewusste Priorisieren und Delegieren. Manchmal ist ein kurzes Innehalten und Planen sinnvoller als blindes Drauflosarbeiten. Die Kernaussage – unnötiges Verschieben ist schädlich – wird jedoch durch zahlreiche Studien gestützt.
Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Dieses Sprichwort eignet sich hervorragend für lockere, motivierende oder mahnende Gespräche im Alltag. Es klingt passend in einer Team-Besprechung ("Lassen Sie uns den Bericht gleich anpacken, nach dem Motto: Was du heute kannst besorgen..."), im Familienkreis oder in einem persönlichen Coaching. Für formelle Anlässe wie eine Trauerrede oder eine offizielle Ansprache ist es hingegen zu salopp und zu sehr geflügeltes Wort. Die Stärke liegt in seiner eingängigen Bildhaftigkeit, die ohne erhobenen Zeigefinger auskommt.
Ein Beispiel für eine natürliche Verwendung im heutigen Sprachgebrauch wäre: "Ich würde den Antrag lieber heute noch fertigstellen. Nach dem alten Motto: Was du heute kannst besorgen... Dann haben wir morgen den Kopf frei für das neue Projekt." Ein weiteres Beispiel im privaten Kontext: "Komm, wir räumen die Küche gleich auf, anstatt es vor uns herzuschieben. Was du heute kannst besorgen, und so weiter – dann können wir den Abend ganz entspannt genießen."
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