Wer nichts wird, wird Wirt, und ist auch dieses nicht …
Kategorie: Deutsche Sprichwörter
Wer nichts wird, wird Wirt, und ist auch dieses nicht gelungen, macht er in Versicherungen
Autor: unbekannt
- Herkunft
- Bedeutungsanalyse
- Relevanz heute
- Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
- Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Herkunft
Die genaue Herkunft dieses Spruchs ist nicht eindeutig belegbar. Es handelt sich um ein modernes, scherzhaftes Berufssprichwort, das vermutlich im 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum entstanden ist. Der Kontext ist die ironische Kommentierung von vermeintlich einfachen oder als Auffangbecken für gescheiterte Existenzen geltenden Berufen. Eine erste schriftliche Fixierung in ähnlicher Form findet sich möglicherweise in studentischen oder militärischen Kreisen, wo ähnliche Spottverse über Berufsgruppen verbreitet waren. Da eine hundertprozentig sichere und belegbare Quellenangabe nicht möglich ist, wird dieser Punkt hier weggelassen.
Bedeutungsanalyse
Das Sprichwort ist eine zweistufige, abwertende Karriereleiter des Scheiterns. Wörtlich beschreibt es einen hypothetischen Lebensweg: Wer in keinem anerkannten Beruf "etwas wird", also scheitert, ergreift den Beruf des Wirts. Scheitert er auch darin, wechselt er in die Versicherungsbranche. Übertragen drückt es ein hartes Klischee aus. Es unterstellt, dass die Berufe des Gastwirts und des Versicherungsvertreters besonders anspruchslos seien und daher für Personen ohne besondere Fähigkeiten oder abgebrochene Laufbahnen prädestiniert. Die vermeintliche Lebensregel lautet: Für jeden Misserfolg gibt es einen noch weniger angesehenen Ausweg. Ein typisches Missverständnis ist, den Spruch als ernsthafte Berufsberatung zu verstehen. Es ist eindeutig als humoristische, überspitzte Polemik zu verstehen, die beide Berufsgruppen pauschal diskreditiert.
Relevanz heute
Die Relevanz des Sprichworts hat sich gewandelt. In seiner ursprünglich schroffen Form wird es aufgrund seines pauschalen und beleidigenden Charakters in öffentlichen oder seriösen Kontexten seltener verwendet. Das zugrundeliegende Klischee ist jedoch nach wie vor in der Gesellschaft präsent. Heute begegnet man dem Spruch vor allem in drei Zusammenhängen: Erstens als selbstironischen Kommentar von Personen, die tatsächlich in einer dieser Branchen arbeiten und damit spielen. Zweitens in nostalgischen oder humoristischen Sammlungen von "Grantlersprüchen" oder Berufswitzen. Drittens hat sich die Zielgruppe leicht verschoben; in modernen Abwandlungen wird oft der "Verkauf" allgemein oder spezifischere Berufe als letzte Station genannt. Die Brücke zur Gegenwart zeigt also einen bewussteren, kritischeren Umgang mit solchen Pauschalurteilen.
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Der wissenschaftliche Check fällt eindeutig aus: Das Sprichwort ist in seiner pauschalen Aussage falsch und überholt. Moderne Berufs- und Arbeitsmarktforschung widerlegt die Annahme grundlegend. Sowohl das Gastgewerbe als auch die Versicherungswirtschaft sind komplexe, regulierte Wirtschaftszweige, die hochspezialisierte Qualifikationen fordern. Ein erfolgreicher Wirt benötigt umfangreiches Wissen in Betriebswirtschaft, Personalführung, Lebensmittelrecht und Gastronomie. Ein Versicherungsfachmann oder eine Versicherungsfachfrau muss ein tiefes Verständnis für Recht, Risikomanagement, Finanzen und Kundenpsychologie besitzen. Der Einstieg in diese Berufe mag teils niedrigschwellig erscheinen, der nachhaltige Erfolg erfordert jedoch hohe Kompetenz. Das Sprichwort spiegelt also ein veraltetes, vorurteilsbehaftetes Berufsbild wider, das mit der Realität nichts gemein hat.
Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Die Verwendung dieses Sprichworts ist heikel. Aufgrund seiner beleidigenden Note eignet es sich nicht für formelle Anlässe wie Reden, Trauerfeiern oder berufliche Vorträge. Es wäre dort zu salopp, zu hart und respektlos gegenüber eventuell anwesenden Betroffenen. Ein möglicher Kontext ist ein lockeres, privates Gespräch unter engen Freunden, die den scherzhaften Charakter eindeutig erkennen und niemanden damit verletzen. Selbst dann sollte man vorsichtig sein. Besser ist es, den Spruch in einer selbstreflexiven oder historisierenden Weise zu zitieren.
Ein Beispiel für eine gelungene, entschärfte Verwendung in natürlicher Sprache könnte sein: "Mein Opa pflegte immer zu sagen: 'Wer nichts wird, wird Wirt...' – ein ganz schön hartes Urteil über zwei Berufe, die heute eigentlich total anspruchsvoll sind." Ein anderes Beispiel im selbstironischen Ton: "Nach drei abgebrochenen Studiengängen dachte ich schon an das alte Sprichwort mit dem Wirt und der Versicherung. Zum Glück habe ich dann doch noch meine wahre Berufung gefunden." So nutzt man den Bekanntheitsgrad des Spruches, ohne seine pauschale Botschaft zu übernehmen.
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