Wer mit dem Teufel frühstücken will, muß einen langen …
Kategorie: Deutsche Sprichwörter
Wer mit dem Teufel frühstücken will, muß einen langen Löffel haben
Autor: unbekannt
- Herkunft
- Bedeutungsanalyse
- Relevanz heute
- Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
- Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Herkunft
Die Wurzeln dieses bildhaften Sprichwortes reichen bis ins Mittelalter zurück. Es ist in ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen zu finden, etwa im Englischen als "He who sups with the devil should have a long spoon". Eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen im deutschsprachigen Raum findet sich in der Sprichwörtersammlung von Johannes Agricola aus dem Jahr 1529. Der Kontext war stets der gleiche: eine Warnung vor dem Umgang mit gefährlichen oder moralisch fragwürdigen Personen. Das Bild des gemeinsamen Mahles mit dem Teufel, bei dem man sich durch einen langen Löffel vor seiner unmittelbaren Nähe schützen muss, entstammt der reichen Symbolik mittelalterlicher Moral- und Warnliteratur.
Bedeutungsanalyse
Wörtlich beschreibt das Sprichwort eine absurde Situation: Um mit dem Inbegriff des Bösen zu frühstücken, benötigt man besondere Vorkehrungen, nämlich einen langen Löffel, um Abstand zu wahren. Übertragen warnt es davor, sich auf Geschäfte oder Allianzen mit skrupellosen, gefährlichen oder korrupten Partnern einzulassen. Die dahinterstehende Lebensregel lautet: Wenn man sich schon auf riskante Unternehmungen mit zweifelhaften Charakteren einlässt, muss man klug vorsorgen und einen sicheren Abstand bewahren, um nicht selbst Schaden zu nehmen oder kompromittiert zu werden. Ein typisches Missverständnis ist die Annahme, das Sprichwort rate generell von jedem Kontakt mit schwierigen Personen ab. Es geht jedoch vielmehr um die kluge Absicherung innerhalb eines solchen Kontaktes, nicht zwingend um dessen völlige Vermeidung.
Relevanz heute
Das Sprichwort hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Es wird nach wie vor verwendet, um in modernen Kontexten vor riskanten Kooperationen zu warnen. Man hört es im politischen Journalismus, wenn es um fragwürdige Wahlbündnisse geht, in der Wirtschaftsberatung im Zusammenhang mit Joint Ventures mit Unternehmen, die einen zweifelhaften Ruf haben, oder auch im persönlichen Bereich, wenn jemand geschäftlich mit einem notorisch unzuverlässigen Bekannten zusammenarbeiten möchte. Die Metapher ist so eingängig, dass sie auch in Überschriften oder Kommentaren in Onlinemedien regelmäßig auftaucht und sofort verstanden wird.
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Die dem Sprichwort zugrundeliegende psychologische und strategische Weisheit wird durch moderne Erkenntnisse bestätigt. Die Sozialpsychologie kennt das Konzept der "moralischen Ansteckung" oder des "guilt by association". Wer sich mit moralisch fragwürdigen Personen eng einlässt, riskiert, deren Ruf zu übernehmen und selbst an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Aus strategischer Sicht bestätigt die Spieltheorie, dass Kooperationen mit Akteuren, die nicht kooperativ oder verlässlich agieren, besondere Sicherungsmechanismen (Verträge, Exit-Klauseln, öffentliche Kontrolle) erfordern – den "langen Löffel". Das Sprichwort ist somit weniger eine moralische Aussage als eine pragmatische Handlungsempfehlung, die sich in Konfliktsituationen bewährt.
Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Das Sprichwort eignet sich hervorragend für warnende oder beratende Gespräche in semi-formellen bis formellen Kontexten. In einer Rede vor Wirtschaftsstudenten könnte es als einprägsame Mahnung verwendet werden. In einem politischen Kommentar im Feuilleton passt es ebenso wie in einer internen Besprechung, um vor einer riskanten Partnerschaft zu warnen. Es wäre zu salopp für eine offizielle Trauerrede, könnte aber in einer sehr persönlichen Ansprache, die Lebensweisheiten thematisiert, funktionieren. Zu flapsig wirkt es in einem streng juristischen oder wissenschaftlichen Fachvortrag.
Ein Beispiel für eine natürliche Verwendung im heutigen Sprachgebrauch wäre: "Ich verstehe, dass das Angebot des Investors finanziell verlockend ist. Aber bei seinem Ruf sollten wir uns an das alte Sprichwort erinnern: Wer mit dem Teufel frühstücken will, braucht einen langen Löffel. Wir müssen den Vertrag mit extrem starken Schutzklauseln und einem klaren Exit planen." Ein weiteres Beispiel im privaten Kontext: "Du willst wirklich mit deinem notorisch unehrlichen Cousin zusammen ein Lokal aufmachen? Na dann denk dran: Wer mit dem Teufel frühstückt, sollte einen langen Löffel haben. Lass alles schriftlich und rechtsgültig festhalten, von Anfang an."
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