Wenn der Hund nicht geschissen hätte, dann hätte er den …

Kategorie: Deutsche Sprichwörter

Wenn der Hund nicht geschissen hätte, dann hätte er den Hasen gekriegt

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft dieses derben Sprichworts lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit auf ein bestimmtes Datum oder eine Quelle zurückführen. Es handelt sich um eine volkstümliche Redensart, die vor allem in der deutschen Umgangssprache verbreitet ist. Der bildhafte und unverblümte Charakter legt einen Ursprung in der ländlichen oder jagdlichen Alltagssprache nahe, wo man sich gerne direkt und plastisch ausdrückte. Schriftliche Belege aus historischen Sammlungen sind rar, was darauf hindeutet, dass es sich lange Zeit primär um ein mündlich überliefertes Sprachgut handelte.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich beschreibt das Sprichwort eine hypothetische Situation: Ein Hund verpasst es, einen Hasen zu fangen, weil er in dem entscheidenden Moment mit einer anderen, körperlichen Notdurft beschäftigt war. Übertragen und in seiner eigentlichen Bedeutung kritisiert die Redewendung jemanden, der mit fadenscheinigen Ausreden oder selbstverschuldeten Umständen eine verpasste Gelegenheit oder ein eigenes Versagen rechtfertigen möchte. Die dahintersteckende Lebensregel ist simpel: Erfolg erfordert Fokus und Vorbereitung. Wer sich durch vermeidbare Ablenkungen oder schlechtes Timing selbst sabotiert, ist letztlich selbst verantwortlich für das Ergebnis. Ein typisches Missverständnis wäre, die Aussage als Entschuldigung zu verstehen. Ganz im Gegenteil: Sie entlarvt Ausreden als eben solche und hält den Angesprochenen mit beißendem Spott seinen Fehler vor.

Relevanz heute

Das Sprichwort ist auch heute noch durchaus lebendig, wenn auch sein Gebrauch stark vom Kontext abhängt. In informellen Gesprächen unter Freunden, in Familien oder in lockeren Arbeitsumgebungen wird es nach wie vor verwendet, um mit einem Schuss Humor auf offensichtliche Selbstblockaden hinzuweisen. Seine Relevanz zeigt sich in modernen Parallelen: Der Fußballspieler, der ein Tor verpasst, weil er seine Schnürsenkel binden musste, oder der Mitarbeiter, der ein wichtiges Meeting vergisst, weil er im Social-Media-Feed versank – die Grundidee der vermeidbaren, peinlichen Verhinderung bleibt aktuell. Allerdings ist die Wendung aufgrund ihrer derben Wortwahl nicht für jeden Anlass oder jedes Publikum geeignet.

Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check

Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich der allgemeine Grundsatz hinter dem Sprichwort durchaus stützen. Die Psychologie kennt das Konzept der "Selbstregulationserschöpfung" oder des "Ego Depletion", wonach Willenskraft und kognitive Ressourcen begrenzt sind. Wer seine Aufmerksamkeit und Energie auf nebensächliche Dinge verschwendet, hat weniger Kapazität für die eigentliche Hauptaufgabe. In diesem Sinne "bestätigt" die Wissenschaft die Kernaussage: Unvorbereitetheit und mangelnde Priorisierung führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Scheitern von Vorhaben. Die bildliche Umsetzung mit Hund und Hase ist natürlich eine stark vereinfachte und humoristische Zuspitzung dieses Prinzips.

Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele

Die Verwendung dieses Sprichworts erfordert Fingerspitzengefühl. Es eignet sich hervorragend für lockere, humorvolle Rügen im privaten Kreis oder unter sehr vertrauten Kollegen, wo man sich eine derbe, aber nicht bösartige Pointierung erlauben kann. In formellen Reden, Trauerfeiern, offiziellen Vorträgen oder gegenüber Vorgesetzten und unbekannten Personen wirkt es dagegen unangemessen salopp, respektlos oder sogar vulgär. Der Ton macht die Musik – oft wird es mit einem schmunzelnden Unterton gesagt, um die Schärfe zu nehmen.

Beispiel in natürlicher Sprache: Zwei Freunde sprechen über eine verpasste Jobchance. "Und, wie lief das Vorstellungsgespräch?" – "Ach, total daneben. Ich bin eine halbe Stunde zu spät gekommen, weil ich noch schnell meine Steuererklärung machen wollte und dann der Drucker streikte." – "Na klasse. Wenn der Hund nicht geschissen hätte, dann hätte er den Hasen gekriegt. Nächstes Mal einfach pünktlich losfahren, Mann!"

Weiteres Beispiel: In einem Sportverein nach einer knappen Niederlage: "Ja, wenn wir nicht erst in der zweiten Hälfte wach geworden wären, hätten wir das Ding gedreht." – "Tja, typisch. Wenn der Hund nicht... ihr wisst schon. Das müssen wir uns einfach selbst ankreiden."

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