Lustig gelebt und selig gestorben, heißt dem Teufel die …

Kategorie: Deutsche Sprichwörter

Lustig gelebt und selig gestorben, heißt dem Teufel die Rechnung verdorben

Autor: unbekannt

Herkunft

Die genaue Herkunft dieses lebensbejahenden Spruchs ist nicht eindeutig dokumentiert. Es handelt sich um ein volkstümliches Sprichwort, das vermutlich aus dem süddeutschen oder österreichischen Raum stammt und sich in der mündlichen Überlieferung verbreitete. Schriftlich belegt ist es in Sammlungen deutscher Redensarten und Sprichwörter des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Kontext ist stets ein humorvoll-abschätziger Umgang mit strengen religiösen Moralvorstellungen, insbesondere der katholischen Lehre, die ein lustbetontes Leben als sündhaft und teufelsgefährdet ansah. Das Sprichwort stellt sich bewusst gegen diese strenge Auslegung und propagiert eine lebensfrohe Alternative.

Bedeutungsanalyse

Wörtlich genommen behauptet der Spruch: Wer sein Leben mit Freude und Vergnügen (lustig) geführt hat und dennoch in einem Zustand der Gnade (selig) stirbt, hat damit die Rechnung des Teufels zunichte gemacht. Der Teufel steht hier für die moralische Instanz, die auf Sünde und Strafe hofft. Übertragen bedeutet es: Ein erfülltes, genußreiches Leben ist kein Hindernis für einen guten Tod oder ein gutes Ende. Die dahinterstehende Lebensregel widerspricht der Vorstellung, dass Askese und Entbehrung allein tugendhaft seien. Stattdessen feiert sie die Lebensfreude als legitimen und erstrebenswerten Teil der menschlichen Existenz. Ein typisches Missverständnis wäre, den Ausdruck "lustig" ausschließlich auf ausschweifende Ausschweifungen zu beziehen. Gemeint ist vielmehr eine grundsätzlich positive, heitere und aktiv genießende Lebenshaltung.

Relevanz heute

Das Sprichwort ist heute erstaunlich relevant, auch wenn der religiöse Hintergrund für viele in den Hintergrund getreten ist. In einer Zeit, die von Leistungsdruck, Optimierungszwang und der Suche nach "Work-Life-Balance" geprägt ist, gewinnt die Botschaft neue Aktualität. Es wird oft verwendet, um eine Philosophie der bewussten Lebensfreude zu beschreiben, die sich gegen rein zweckorientiertes Arbeiten und Leben stellt. Man findet es in lockeren Reden, auf Geburtstagskarten, in sozialen Medien oder als Motto für einen entspannten Lebensabend. Es dient als charmante Rechtfertigung, sich auch mal bewusst Freude zu gönnen und das Leben nicht allzu ernst zu nehmen.

Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check

Einen wissenschaftlichen "Check" im engeren Sinne gibt es für diese lebensphilosophische Aussage nicht, da sie auf Glaubens- und Wertesystemen basiert. Allerdings bestätigen moderne psychologische und medizinische Erkenntnisse eindrucksvoll, dass eine positive, freudvolle Lebenseinstellung, stabile soziale Bindungen und das Erleben von Sinnhaftigkeit (alles Aspekte eines "lustig" geführten Lebens) signifikant zu besserer Gesundheit, höherer Lebenszufriedenheit und sogar zu einer längeren Lebensdauer beitragen können. Stress, chronische Unzufriedenheit und soziale Isolation hingegen sind klare Risikofaktoren. In diesem übertragenen Sinne wird die Kernaussage des Sprichworts – dass Lebensfreude gut für einen ist – durch die Wissenschaft gestützt. Die eschatologische Komponente ("selig gestorben", "Teufel") entzieht sich natürlich einer empirischen Überprüfung.

Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele

Dieses Sprichwort eignet sich hervorragend für informelle, heitere Anlässe. Es ist perfekt für einen lockeren Vortrag über Lebenskunst, als pointierter Abschluss einer Rede zum runden Geburtstag oder als Trost- und Aufmunterungsspruch in geselligen Runden. In einer offiziellen Trauerrede wäre es wahrscheinlich zu salopp, es sei denn, der Verstorbene war für genau diese humorvolle Lebenseinstellung bekannt. Es klingt passend, wenn Sie eine entspannte Lebensphase begründen oder einen Freund davon überzeugen möchten, sich eine Auszeit zu gönnen.

Beispiel in natürlicher Sprache: "Na klar gönne ich mir jetzt die Weltreise! Man lebt nur einmal. Nach dem Motto: 'Lustig gelebt und selig gestorben, heißt dem Teufel die Rechnung verdorben'. Ich will nicht bereuen, was ich alles nicht gemacht habe."

Weiteres Beispiel: "Zum 70. Geburtstag meines Onkels, der immer der Erste auf der Tanzfläche und der Letzte am Lagerfeuer war, passt nur ein Spruch: Er hat nach dem Prinzip 'Lustig gelebt...' gehandelt – und wir alle lieben ihn dafür."

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