Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Kategorie: Deutsche Sprichwörter

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Autor: unbekannt

Herkunft

Die Herkunft des Sprichworts "Jedem Tierchen sein Pläsierchen" ist nicht exakt und lückenlos dokumentiert. Es handelt sich um eine volkstümliche Redensart, deren genauer Ursprung im Dunkeln liegt. Der bildhafte Vergleich menschlicher Vorlieben mit den instinktiven Verhaltensweisen von Tieren legt einen Ursprung in der bäuerlichen oder allgemein ländlichen Lebenswelt nahe, wo man die unterschiedlichen Gewohnheiten von Tieren gut beobachten konnte. Eine erste schriftliche Fixierung in einem vergleichbaren Kontext findet sich möglicherweise in der Literatur des 19. Jahrhunderts, wo ähnliche Formulierungen auftauchen. Da jedoch keine hundertprozentig sichere und belegbare Quelle für den ersten Gebrauch in der heute bekannten Form vorliegt, wird auf eine detaillierte Darstellung dieses Punktes verzichtet.

Bedeutungsanalyse

Das Sprichwort "Jedem Tierchen sein Pläsierchen" transportiert eine einfache, aber tiefgreifende Lebensweisheit. Wörtlich genommen beschreibt es, dass jedes kleine Tier (Tierchen) seine eigene Art von Vergnügen (Pläsierchen) hat. Übertragen auf den Menschen bedeutet es: Jeder Mensch hat seine eigenen, ganz individuellen Vorlieben, Freuden und Arten, Glück oder Genuss zu empfinden. Was für den einen eine große Freude ist, kann für den anderen belanglos oder sogar unverständlich sein.

Die dahinterstehende Lebensregel ist eine Aufforderung zur Toleranz und zur Anerkennung subjektiver Unterschiede. Sie mahnt uns, die Eigenarten anderer nicht abzuwerten, nur weil sie von den eigenen abweichen. Ein typisches Missverständnis besteht darin, das Sprichwort als Rechtfertigung für schädliche oder asoziale Neigungen zu missbrauchen. Sein eigentlicher Kern zielt jedoch auf harmlose, persönliche Geschmacksfragen und Freizeitbeschäftigungen ab. Es geht um die Akzeptanz, dass der Nachbar vielleicht leidenschaftlich gern Briefmarken sammelt, während Sie selbst lieber Marathon laufen.

Relevanz heute

Die Relevanz dieses Sprichworts ist in der heutigen, von Individualisierung und einer schier unendlichen Vielfalt an Hobbys und Lebensstilen geprägten Zeit größer denn je. Es wird nach wie vor häufig und in vielfältigen Zusammenhängen verwendet. Man hört es im lockeren Gespräch unter Freunden, wenn es um unterschiedliche Film- oder Musikgeschmäcker geht. Es dient als charmante Entschuldigung für eine vielleicht etwas skurril anmutende Leidenschaft. In einer Welt, in der Social Media oft den Anschein erweckt, es gäbe einen "richtigen" Weg, seine Freizeit zu gestalten, ist das Sprichwort ein erfrischend gelassener Gegenentwurf. Es erinnert uns daran, dass es in Fragen des persönlichen Geschmacks keine objektive Wahrheit gibt und dass diese Vielfalt das Leben bereichert.

Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check

Die grundlegende Aussage des Sprichworts wird durch verschiedene wissenschaftliche Disziplinen gestützt. Die Psychologie bestätigt, dass Präferenzen und was wir als angenehm empfinden, hochgradig subjektiv sind und von einer komplexen Mischung aus Genetik, Persönlichkeit, Erfahrungen und kulturellem Umfeld geprägt werden. Die Neurowissenschaft zeigt, dass Belohnungszentren im Gehirn bei verschiedenen Menschen durch unterschiedlichste Aktivitäten aktiviert werden. Selbst in der Verhaltensbiologie ist das Konzept individueller Unterschiede innerhalb einer Art gut etabliert; nicht alle Tiere einer Gruppe verhalten sich identisch. Insofern hält das Sprichwort einer wissenschaftlichen Betrachtung stand. Es formuliert auf einfache Weise ein Prinzip, das in der menschlichen (und tierischen) Natur verankert ist: Die Einzigartigkeit des Individuums erstreckt sich auch auf seine Quellen der Freude.

Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele

Dieses Sprichwort ist besonders geeignet für informelle, freundschaftliche oder familiäre Gespräche. Es klingt passend, um eine Diskussion über Geschmacksfragen humorvoll und versöhnlich zu beenden. In einer lockeren Rede oder einem Vortrag kann es als pointierte Einleitung dienen, um über das Thema Individualität zu sprechen.

Vorsicht ist geboten in sehr formalen oder ernsten Kontexten. In einer offiziellen Trauerrede wäre es wahrscheinlich zu salopp und flapsig. Ebenso sollte man es nicht verwenden, um tatsächlich problematisches Verhalten zu beschönigen.

Hier einige Beispiele für eine natürliche Verwendung im heutigen Sprachgebrauch:

  • Im Gespräch: "Du schaust dir wirklich jeden Sonntag den Tatort an? Also ich kann damit gar nichts anfangen." – "Tja, jedem Tierchen sein Pläsierchen! Ich finde es einfach gemütlich."
  • Zur Beschreibung von Hobbys: "Mein Bruder verbringt jedes Wochenende mit Modellbau, während ich lieber wandern gehe. Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen, Hauptsache, man entspannt sich."
  • In einer Präsentation: "Wenn wir unsere neue Produktpalette gestalten, müssen wir bedenken: Der Geschmack ist enorm vielfältig. Nach dem Motto 'Jedem Tierchen sein Pläsierchen' brauchen wir Angebote für unterschiedlichste Zielgruppen."

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