In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt
Kategorie: Deutsche Sprichwörter
In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt
Autor: unbekannt
- Herkunft
- Bedeutungsanalyse
- Relevanz heute
- Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
- Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Herkunft
Die genaue Herkunft dieses geflügelten Wortes ist nicht mit absoluter Sicherheit auf eine einzelne Quelle zurückzuführen. Seine Wurzeln reichen jedoch weit zurück. Eine häufig zitierte Vorform findet sich in der englischen Literatur des 16. Jahrhunderts. Der Dramatiker John Lyly schrieb 1578 in seinem Werk "Euphues: The Anatomy of Wit": "The rules of fair play do not apply in love and war." Eine noch ältere, lateinische Version "Dulce bellum inexpertis" (Krieg ist süß für den, der ihn nicht kennt) von Erasmus von Rotterdam wird manchmal in diesem Zusammenhang genannt, trifft den Kern aber nicht genau. Die prägnante, heute geläufige Formulierung "All is fair in love and war" wurde im englischsprachigen Raum im 19. Jahrhundert populär und fand von dort aus ihren Weg in viele andere Sprachen, darunter auch das Deutsche.
Bedeutungsanalyse
Das Sprichwort postuliert, dass in den extremen Ausnahmezuständen von Liebe und Krieg alle sonst geltenden moralischen Regeln und gesellschaftlichen Konventionen außer Kraft gesetzt sind. Wörtlich genommen würde es jegliches Handeln erlauben, was in der Realität natürlich nicht zutrifft. Übertragen bedeutet es, dass Menschen in diesen hoch emotionalen, existentiellen Situationen zu Mitteln greifen dürfen, die unter normalen Umständen als unfair, hinterlistig oder unethisch gelten würden. Die dahinterstehende Lebensregel ist eine Rechtfertigung für strategisches, auch rücksichtsloses Vorgehen, wenn es um das Erreichen eines überwältigend wichtigen Ziels geht – sei es der Sieg über den Feind oder das Herz einer geliebten Person. Ein typisches Missverständnis ist die Annahme, das Sprichwort billige tatsächlich *jede* Handlung. In der praktischen Anwendung wird es jedoch meist für kleinere "Gefechte" oder taktische Manöver bemüht, nicht für schwerwiegende Verbrechen.
Relevanz heute
Das Sprichwort hat nichts von seiner Bekanntheit eingebüßt und wird nach wie vor häufig verwendet, allerdings fast ausschließlich in einem entschärften, humorvollen oder selbstironischen Kontext. Sie finden es als Rechtfertigung für kleine Intrigen im Büro, für listige Manöver beim Sport oder für harmlose Tricks in der Dating-Welt. In ernsten Diskussionen über reale Kriege oder toxische Beziehungen würde man es hingegen selten anführen, da seine pauschale Aussage der Komplexität dieser Themen nicht gerecht wird. Seine heutige Relevanz liegt also vor allem in der unterhaltsamen Kommentierung alltäglicher Wettbewerbssituationen, in denen man sich ein wenig wie ein Stratege fühlen möchte. Es dient als sprachlicher Wink, dass die Spielregeln nun für einen Moment außer Kraft gesetzt sind.
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Aus wissenschaftlicher Sicht hält die pauschale Aussage des Sprichworts einer Überprüfung nicht stand. Sowohl die Psychologie als auch die Ethik und das Völkerrecht widersprechen der Idee einer kompletten Regelbefreiung. In der Liebe zeigen Studien, dass langfristig stabile und gesunde Beziehungen auf Vertrauen, Ehrlichkeit und Fairness basieren – nicht auf Täuschung und Manipulation. Im Krieg gibt es mit den Genfer Konventionen und dem humanitären Völkerrecht klare, völkerrechtlich bindende Regeln, die auch in Konflikten gelten sollen. Das Sprichwort spiegelt also eher ein gefühltes Empfinden in Ausnahmesituationen wider als eine empirische oder rechtliche Wahrheit. Es beschreibt den subjektiven Drang, alle Hemmungen fallen zu lassen, nicht die objektive Erlaubnis, dies auch zu tun.
Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Dieses Sprichwort eignet sich hervorragend für lockere Gespräche, um eine kleine List oder eine unkonventionelle Taktik mit einem Augenzwinkern zu entschuldigen. Es passt in einen humorvollen Vortrag, in eine gesellige Runde oder in einen nicht allzu ernsten Blogbeitrag. Für formelle Anlässe wie eine Trauerrede, eine offizielle Ansprache oder ein seriöses Verhandlungsgespräch ist es hingegen völlig ungeeignet, da es als zu salopp, zynisch oder verharmlosend empfunden werden könnte. Der Tonfall ist entscheidend: Es sollte stets mit einer Portion Selbstironie verwendet werden.
Beispiele für eine natürliche Verwendung im heutigen Sprachgebrauch:
- "Entschuldige, dass ich dir den letzten Kuchen vom Buffet vor der Nase weggeschnappt habe. Aber in der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt, und meine Liebe zu Schokolade ist gerade im Kriegszustand."
- "Unser Team hat das Projekt gewonnen, weil wir uns heimlich mit der IT-Abteilung verbündet hatten, um die Präsentation technisch perfekt zu machen. Na ja, in der Liebe und im Krieg, wissen Sie..."
- "Du hast ihr wirklich gesagt, dass ihr Lieblingsbuch zufällig auch deins ist? Das ist ja hinterhältig! – Hey, keine Urteile! In der Liebe und im Krieg, sagt man doch."
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