Es ist besser geritten als hoffärtig geritten
Kategorie: Deutsche Sprichwörter
Es ist besser geritten als hoffärtig geritten
Autor: unbekannt
- Herkunft
- Bedeutungsanalyse
- Relevanz heute
- Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
- Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Herkunft
Die Herkunft dieses sehr speziellen Sprichwortes ist nicht eindeutig und zweifelsfrei belegbar. Es handelt sich vermutlich um eine regionale oder fachsprachliche Redewendung, die aus dem Bereich der Reiterei stammt. Der Begriff "hoffärtig" ist ein veraltetes Wort für hochmütig, überheblich oder stolz. Eine genaue historische Erstnennung, ein literarischer Beleg oder ein klar umrissener Entstehungskontext liegen nicht vor. Daher lassen wir diesen Punkt weg, um keine Spekulationen als Fakten darzustellen.
Bedeutungsanalyse
Das Sprichwort "Es ist besser geritten als hoffärtig geritten" transportiert eine tiefgreifende Lebensweisheit durch das Bild des Reitens. Wörtlich nimmt es Bezug auf die Reitkunst: Ein Reiter, der bescheiden und konzentriert sein Pferd führt, kommt sicherer und weiter als einer, der übermütig und arrogant auftritt und dadurch Fehler macht oder das Tier überfordert.
Übertragen bedeutet die Redensart: Bescheidenheit und eine solide, gründliche Arbeitsweise führen eher zum Erfolg als Arroganz und übersteigertes Selbstvertrauen. Die dahinterstehende Lebensregel warnt vor der Hybris, dem Hochmut, der oft vor dem Fall kommt. Ein typisches Missverständnis könnte sein, dass das Sprichwort jeglichen Stolz auf eine Leistung verdammt. Es geht jedoch nicht um berechtigte Zufriedenheit, sondern um die gefährliche Überheblichkeit, die blind für Risiken und die eigenen Grenzen macht.
Relevanz heute
Die Kernbotschaft dieses Sprichwortes ist zeitlos und heute hochrelevant, auch wenn der genaue Wortlaut selten im alltäglichen Sprachgebrauch zu hören ist. In einer Welt, die oft Schnelligkeit und Selbstvermarktung belohnt, erinnert die Weisheit an den Wert von Demut, Gründlichkeit und Respekt vor der Aufgabe oder dem Team.
Moderne Entsprechungen finden Sie in Kontexten wie dem Sport ("Überheblichkeit ist der größte Gegner"), der Geschäftswelt ("Underpromise, overdeliver") oder der persönlichen Entwicklung. Die Brücke zur Gegenwart lässt sich leicht schlagen: Ein Projektleiter, der sein Team wertschätzt, erreicht mehr als einer, der hoffärtig auftritt. Ein Handwerker, der sorgfältig arbeitet, ist langfristig erfolgreicher als einer, der arrogant Pfusch liefert.
Wahrheitsgehalt / Wissenschaftlicher Check
Die psychologische und soziologische Forschung bestätigt die Grundthese des Sprichwortes in weiten Teilen. Studien zum "Dunning-Kruger-Effekt" zeigen, dass inkompetente Menschen oft ihr eigenes Können massiv überschätzen (eine Form der "Hoffart"), während wahre Kompetenz mit einer realistischeren, oft bescheideneren Selbsteinschätzung einhergeht.
Führungsforschung belegt, dass demütige Führungskräfte, die Fehler eingestehen und auf ihr Team hören, langfristig bessere Ergebnisse erzielen und ein höheres Mitarbeiterengagement schaffen als narzisstische, überhebliche Führer. In der Lernpsychologie ist bekannt, dass eine "wachstumsorientierte Mentalität" (Bescheidenheit, dass man noch lernen kann) erfolgreicher macht als eine "fixe Mentalität" (hochmütiges Beharren auf angeborenen Talenten). Das Sprichwort wird somit durch moderne Erkenntnisse gestützt.
Praktische Verwendbarkeit / Anwendungsbeispiele
Dieses bildhafte Sprichwort eignet sich hervorragend für Situationen, in denen Sie eine Warnung vor Überheblichkeit oder ein Plädoyer für Bescheidenheit und solides Handeln aussprechen möchten. Es passt in lockere Vorträge, Coachings, Feedbackgespräche oder auch in schriftliche Beiträge zu Themen wie Unternehmenskultur oder persönlichem Wachstum.
In einer Trauerrede wäre es wahrscheinlich zu bildhaft und nicht allgemein genug verständlich. In sehr formellen oder juristischen Kontexten könnte es als zu salopp empfunden werden. Ideal ist es in Gesprächen unter Fachleuten oder in einem Umfeld, das Metaphern zu schätzen weiß.
Beispiele für eine natürliche Verwendung in heutiger Sprache:
- In einem Projekt-Meeting: "Lassen Sie uns den Erfolg nicht vorwegnehmen. Im Sinne von 'Es ist besser geritten als hoffärtig geritten' sollten wir uns jetzt auf die gründliche Umsetzung konzentrieren und nicht schon den Siegesfeiern gedenken."
- Im Sportcoaching: "Das nächste Spiel gegen den Tabellenletzten ist gefährlich. Denken Sie daran: Es ist besser geritten als hoffärtig geritten. Gehen Sie mit Respekt an die Aufgabe, nicht mit Arroganz."
- In einem Blogbeitrag über Gründertum: "Der Hype um das eigene Startup kann täuschen. Langfristig gilt auch hier: Es ist besser geritten als hoffärtig geritten. Kunden bindet man durch zuverlässige Arbeit, nicht durch großspurige Ankündigungen."
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